Meine Rechte von A bis Z

  • Absenzen müssen begründet werden. Als Gründe, die zu keinem Lohnabzug führen, gelten Krankheit, Unfall, Militärdienst, gerichtliche Vorladungen, Aufgebote von Behörden und wichtige Ereignisse in der Familie. Doch der Betrieb kann ein vorheriges Gesuch verlangen. Bei Krankheit oder Unfall genügt für die ersten beiden Tage eine Entschuldigung, ab dem dritten Tag können der Betrieb und die Berufsfachschule ein Arztzeugnis verlangen. Besuche beim Arzt, Zahnarzt und anderen Gesundheitsfachpersonen während der Arbeitszeit müssen bewilligt werden. Der Betrieb kann verlangen, dass die Absenz auf eine Randstunde fällt. Als unentschuldigte Absenz gilt Unpünktlichkeit, für die es keine Gründe, wie zum Beispiel Verspätungen im öffentlichen Verkehr, gibt. Für unentschuldigte Absenzen kann der Betrieb Lohnabzüge machen und, wenn sie häufig vorkommen, die Auflösung des Lehrvertrags verlangen. In der Berufsfachschule regelt die Disziplinarordnung die Bestrafung für unentschuldigte Absenzen. Möglich sind Verweise und Arbeitsleistungen in der Freizeit.

  • Mit der Volljährigkeit verändert sich die Lohnabrechnung. Der Lehrbetrieb muss ab 1. Januar des 18. Lebensjahres von deinem Bruttolohn Beiträge für die AHV, IV, EO und für die Arbeitslosenversicherung (ALV) abziehen. Bei einem Jahresverdienst von mehr als 21‘150 Franken müssen auch Beiträge an die berufliche Vorsorge (BVG) bezahlt werden (ab 18 Jahren für die Risiken von Invalidität und Tod, ab 25 Jahren für die Altersvorsorge). Die Abzüge bezahlen je zur Hälfte der Betrieb und die Lernenden. Sie sind im Lohnausweis aufgeführt. Neben diesen obligatorischen Abzügen kann der Betrieb auch Prämien für die Krankentaggeldversicherung (für eine Abdeckung bis zu 720 Tagen), für Berufsbeiträge usw. abziehen. Solche Abzüge müssen aber im Lehrvertrag oder im Gesamtarbeitsvertrag für deinen Beruf geregelt sein. Die regionalen Arbeitsvermittlungen (RAV) oder die Gewerkschaften informieren über die Höhe der Abzüge.

  • Wenn du als Folge von ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit- und Hyperaktivitätssyndrom) oder ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) Lernschwierigkeiten hast, solltest du dich an deine Berufsbildnerin im Betrieb oder an eine Lehrperson in der Berufsfachschule wenden. Du hast Anrecht auf Unterstützungsmassnahmen und allenfalls auf Erleichterungen bei der Lehrabschlussprüfung. Es sind aber nur formale Erleichterungen wie mehr Zeit, Pausen usw. möglich. Dafür musst du beim Berufsbildungsamt ein Gesuch stellen. Die ausbildenden Personen können bei auffälligen Konzentrationsstörungen mit deinem Einverständnis eine Abklärung verlangen, damit die Ausbildung nicht gefährdet ist. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten von ADHS oder ADS.

  • Die Alters- und Hinterlassenenversicherung ist eine obligatorische Sozialversicherung. Beiträge müssen Erwerbstätige ab dem 18. Lebensjahr, Nichterwerbstätige ab dem 20. Lebensjahr bezahlen. Wenn du nach dem Lehrabschluss eine Vollzeitweiterbildung beginnst oder längere Zeit im Ausland wohnst, solltest du den Mindestbeitrag einzahlen, damit du kein Beitragsjahr verlierst und später eine tiefere Rente bekommst. Melde dich dazu bei der AHV-Ausgleichskasse. Für einen Nebenverdienst bis 2’000 Franken oder während eines Auslandaufenthaltes besteht keine Beitragspflicht. Doch je lückenloser die Beiträge geleistet werden, desto höher ist die Rente, die für Frauen mit 64 und für Männer mit 65 ausbezahlt wird. Der Rentenbetrag wird aus dem durchschnittlichen Einkommen aller Beitragsjahre und Gutschriften für die Betreuung eigener Kinder oder kranker Angehöriger errechnet.

  • Akkordarbeit (manchmal auch Stückarbeit genannt) ist für Lernende während der ganzen Ausbildung verboten. Das gilt auch dann, wenn sie sich freiwillig dafür melden. Ausnahmen sind nur möglich, wenn solche Arbeit für das Erlernen des Berufs unabdingbar ist und die Ausbildung nicht behindert. Diese Ausnahmen sind jedoch sehr begrenzt, weil sie den Arbeitszeitregelungen für Minderjährige und dem Vorzug der Ausbildung widersprechen. Akkordarbeit ist in jedem Fall nicht in deinem Sinn. Will man sie dir aufzwingen, dann informiere deine Gewerkschaft.

  • Du darfst dich bei der Arbeit nicht in einen Zustand bringen, der dich oder andere gefährdet. Dieses Verbot betrifft auch den Konsum von Alkohol oder anderen Rauschmitteln. Dein Arbeitgeber oder Ausbildner ist infolge seiner Schutzpflicht gehalten, deinen Eltern zu melden, wenn du dich so gefährdest. Er kann die notwendigen Massnahmen ergreifen.

  • In der Berufsfachschule wird neben der berufskundlichen Bildung auch Allgemeinbildung vermittelt. Dazu gehören obligatorisch neben der lokalen eine zweite Sprache und weitere Fächer, die im Rahmenlehrplan zur Verordnung über die berufliche Grundbildung in deinem Beruf festgelegt sind. Neben der obligatorischen Ausbildung kannst du Freikurse wählen. Das Ziel der Allgemeinbildung ist, dass Lernende ihre Persönlichkeit entwickeln können, Zusammenhänge in der Arbeitswelt und in der Gesellschaft verstehen und eine gute Grundlage für die Weiterbildung im Beruf erhalten.

  • Ein Gesamtarbeitsvertrag (GAV) kann auf Antrag der beteiligten Arbeitnehmer- und/oder Arbeitgeberverbände vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) oder einer kantonalen Behörde allgemeinverbindlich erklärt werden, wenn verschiedene Kriterien erfüllt sind. In diesem Fall gilt er für alle Betriebe und Arbeitnehmerinnen der betroffenen Branche oder Region.

  • Die einjährige Anlehre gibt es nur noch so lange, bis für alle Berufsbereiche eine zweijährige Grundbildung mit Berufsattest (EBA) in Kraft tritt. Der Verband sozialer Institutionen für Menschen mit Behinderung (INSOS) bietet aber eine Praktische Ausbildung (PrA) an. Sie richtet sich an Jugendliche, die (noch) nicht in der Lage sind, die Grundbildung mit Berufsattest zu absolvieren, oder diese wegen einer Behinderung nicht bewältigen können. Diese praktische Ausbildung dauert zwei Jahre und wird mit dem Berufsattest PrA abgeschlossen. Inhaltlich richtet sie sich an der Grundbildung aus, um einen Übertritt in die Grundbildung mit Berufsattest zu ermöglichen. Sie wird in verschiedenen Berufen angeboten. Die PrA gilt noch nicht als eidgenössisch anerkannte Ausbildung, doch die Anerkennungsprüfung läuft. Wenn du eine solche Ausbildung machst, erhältst du einen Nachweis der erworbenen Kompetenzen. Damit soll der Zugang zur Grundbildung mit Attest oder in den Arbeitsmarkt erleichtert werden. Für Jugendliche mit einer Behinderung ist die PrA eine Möglichkeit, in einer geschützten Werkstatt eine Ausbildung zu machen.

  • Wenn du vor Beginn der Grundbildung bereits eine andere Ausbildung gemacht hast, kann diese angerechnet werden. So können dir etwa Freistellungen gewährt werden. Personen, die bisher keine Lehre absolviert haben und einen gewissen Minimalstandard erfüllen (v. a. mehrjährige Berufserfahrung), können ein besonderes Qualifizierungsverfahren in Anspruch nehmen, das dies berücksichtigt (sog. «Validierung von Bildungsleistungen»).

  • Nach dem Lehrabschluss kannst du im Lehrbetrieb eine Anschlussbeschäftigung (im Sinne eines Praktikums) annehmen, jedoch als Angestellte und nicht weiterhin als Lernende oder Stagiaire. Einige Kantone schlagen sinnvollerweise vor, eine solche Anschlussbeschäftigung auf ein Jahr zu befristen. Der Mindestlohn soll dabei das Eineinhalbfache des Lehrlingslohnes im Abschlussjahr betragen. Die Gewerkschaften fordern, dass ein branchenüblicher Mindestlohn ausbezahlt wird, um Lohndumping zu verhindern. Wenn der Betrieb einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) untersteht, gelten dessen Regelungen auch für befristete Arbeitsverhältnisse. Dem Betrieb ist es nicht erlaubt, dich anstelle einer neuen Lernenden mit einer Anschlussbeschäftigung weiter arbeiten zu lassen oder einer anderen Arbeitnehmerin deswegen zu kündigen.

  • Ein Lehrbetrieb darf nicht beliebig viele Lernende ausbilden. Für die Aufnahme von Lernenden braucht er vom Kanton eine Bewilligung. Im Betrieb muss eine Berufsbildnerin arbeiten, die eine vorgeschriebene Ausbildung gemacht hat. Für jede weitere Lernende braucht es den Nachweis, dass je eine Angestellte mit Vollpensum oder zwei Angestellte mit 60-Prozent-Pensum eine Ausbildung mit Fähigkeitszeugnis oder einem ähnlichen Ausweis abgeschlossen haben.

  • Bei Arbeit auf Abruf handelt es sich um einen gesetzlich geregelten Arbeitsvertrag. Es gelten dieselben Rechte wie für einen unbefristeten Arbeitsvertrag, doch die Arbeitseinsätze werden nach Bedarf des Arbeitgebers festgelegt. Arbeit auf Abruf bedeutet entweder sog. kapazitätsorientierte variable Arbeitszeit (kurz Kapovaz) oder einsatzorientierte Arbeit wie Pikettdienst oder Bereitschaftsdienst. Wenn du Arbeit auf Abruf annimmst, soll im Arbeitsvertrag eine Mindest- und eine Höchstarbeitszeit festgelegt werden. Wichtig ist auch eine Vereinbarung, dass dir die Arbeitseinsätze mindestens zwei Wochen vorher mitgeteilt werden, die Gewerkschaften fordern eine drei-wöchige Frist. Kurzfristige Änderungen von Einsatzplänen sollen gleich wie Überstunden behandelt und mit einem Lohnzuschlag von mindestens 25 Prozent vergütet werden. Für Kapovaz besteht der Lohn aus einem Grundlohn und einer Rufbereitschaftsentschädigung, bei Pikettdienst im Betrieb ist derselbe Lohn wie für die normalen Arbeitseinsätze geschuldet. Für Arbeit auf Abruf hast du Ansprüche auf Ferien (mindestens vier Wochen und mindestens fünf bis und mit 20 Jahre) und einen 13. Monatslohn, sofern das dein Vertrag oder der Gesamtarbeitsvertrag (GAV) festlegt. Nur bei kurzen und unregelmässigen Einsätzen ist es erlaubt, dass der Ferienanspruch als Lohnbestandteil ausbezahlt wird. Für vier Wochen beträgt er 8,33 Prozent, für fünf Wochen 10,65 Prozent des Grundlohns. Solche Lohnbestandteile müssen vertraglich geregelt und im Lohnausweis gesondert aufgeführt sein.

  • Welche Art von Arbeit du bei Arbeitslosigkeit annehmen musst, hängt von der sogenannten Zumutbarkeit ab. Eine zumutbare Arbeit muss deinen Fähigkeiten und deinen früheren Tätigkeiten Rechnung tragen. Sie muss deiner persönlichen Situation, deinem Alter und deiner Gesundheit entsprechen. Die berufs- und ortsüblichen Vorschriften und die Regelungen eines GAV oder eines Normalarbeitsvertrags müssen eingehalten werden. Der Arbeitsweg darf zwei Stunden Hinfahrt und zwei Stunden Rückfahrt nicht überschreiten. Die Arbeitgeberin darf nicht verlangen, dass du über die garantierte Arbeitszeit hinaus zur Verfügung stehst. Der Lohn darf nicht weniger als 70 Prozent des letzten Lohnes betragen, ausser du erhältst einen Teil des Lohnes von der Arbeitslosenversicherung. Wird dir eine unzumutbare Arbeit angeboten, lass dich von der Gewerkschaft beraten.

  • Der Begriff Arbeitgeberinnen wird für «natürliche» Personen gebraucht, die einen Betrieb führen, oder für «juristische» Personen, also Betriebe, Verwaltungen und andere Institutionen, die Angestellte beschäftigen.

  • Arbeitnehmerinnen sind Personen, die durch einen Arbeitsvertrag an ihre Arbeitgeberin gebunden sind. Sie haben Arbeit zu leisten und dazu deren Anweisungen zu folgen. Dafür erhalten sie Lohn oder Entschädigung. Vor dem vollendeten 15. Altersjahr ist Erwerbsarbeit grundsätzlich verboten und in Ausnahmefällen erlaubt, die jeweils zeitlich begrenzt sein müssen. Für Minderjährige gelten besondere gesetzliche Bestimmungen.

  • Das Amt heisst je nach Kanton Arbeitsamt, Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA), Amt für Arbeit oder Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (KIGA). Das kantonale Arbeitsamt gibt Auskunft zu Arbeitnehmerinnenschutz, Arbeitssicherheit, Personenfreizügigkeit, Immigration. Die Arbeitsinspektorate und die regionalen Arbeitsvermittlungen (RAV) sind Bereiche des Arbeitsamtes.

  • Die kantonalen Arbeitsgerichte sind zuständig, wenn zwischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitgeberinnen Streit entsteht (zu Arbeitsbedingungen, Arbeitsvertrag, Arbeitszeit, Lohn, Diskriminierungen am Arbeitsplatz etc.). Die Kantone müssen bis zu einem vorgeschriebenen Streitwert ein kostenloses Gerichtsverfahren garantieren. Der Streitwert beträgt zur Zeit 30’000 Franken. Dennoch können für dich Kosten entstehen, wenn du den Prozess verlierst und der Arbeitgeberin eine Entschädigung zahlen musst. Allen Verfahren vor Arbeitsgericht geht eine Schlichtungssitzung voraus. Die Arbeitsrichterin muss sich dabei bemühen, eine Vereinbarung zu erreichen, die den Streit beendet. Arbeitsprozesse enden deshalb häufig mit einem Vergleich. Du kannst eine Bedenkzeit verlangen, ob du den vorgeschlagenen Kompromiss akzeptieren willst und dich dabei beraten lassen. Wenn du wegen eines Streits vor Gericht gehen willst, erhältst du in der Regel als Mitglied einer Gewerkschaft Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsschutz.

  • Das Arbeitsgesetz soll Arbeitnehmerinnen in öffentlichen und privaten Betrieben schützen. Es regelt Gesundheitsvorsorge und Unfallverhütung, Arbeits- und Ruhezeiten und erlässt besondere Vorschriften zum Schutz von Jugendlichen und bei Schwangerschaft. Das Arbeitsgesetz gilt für alle Arbeitsverhältnisse, und die Vorschriften sind zwingend. Die Einhaltung wird durch den Kanton und die Arbeitsinspektorate überwacht.

  • Die Kantone sorgen für den Vollzug des Arbeitsgesetzes. Dafür setzen sie Berufsinspektorate und Berufsinspektorinnen bzw. Ausbildungsberaterinnen ein. Gesamtaufsicht haben die beiden Eidgenössischen Arbeitsinspektionen in Zürich und Lausanne. Sie beraten Arbeitgeberinnen, Arbeitnehmerinnen und die Kantone zu Fragen der Lehraufsicht. Bei einem Verdacht, dass im Betrieb gesetzliche Vorschriften nicht eingehalten werden, ist das kantonale Berufsinspektorat zuständig. Das kantonale Arbeitsinspektorat informiert zu den Arbeitsbedingungen und zur Arbeitssicherheit. Die Inspektorate können anordnen, dass ein Betriebsbesuch durchgeführt wird.
    address Eidg. Arbeitsinspektion

  • Die Arbeitslosenkasse wird von der regionalen Arbeitsvermittlung (RAV) beauftragt, das Arbeitslosengeld auszuzahlen. Sie kann frei gewählt werden. Einige Gewerkschaften – Unia, syndicom, Syna – haben eigene Arbeitslosenkassen, die auch Beratung anbieten. Alle Arbeitslosenkassen deines Wohnkantons findest du auf der Internetplattform der RAV.
    address Gewerkschaften

  • Alle Arbeitnehmerinnen sind obligatorisch gegen Arbeitslosigkeit versichert. Die Versicherungsprämie für die ALV wird ab dem 18. Altersjahr vom Lohn abgezogen. Bezahlt wird sie je zur Hälfte vom Lehrbetrieb und von der Lernenden. Wenn du während oder nach der Grundausbildung arbeitslos wirst, hast du Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. Dafür musst du dich bei der regionalen Arbeitsvermittlung (RAV) oder bei der Wohngemeinde anmelden. Anspruch besteht auf fünf Taggelder pro Woche für maximal 90 Taggelder innerhalb von zwei Jahren nach der Anmeldung. Für die Berechnung gilt ein Mindestpauschalansatz von 127 Franken pro Tag, wenn du die Ausbildung abgeschlossen hast – 80 Prozent davon werden als Taggeld ausbezahlt. Lehrabgängerinnen unter 25 Jahren, die keine Kinder haben und direkt nach dem Lehrabschluss arbeitslos werden, erhalten nur die Hälfte dieses Pauschalansatzes, also rund 50 Franken pro Tag ausbezahlt. Ausnahmen von dieser Regelung: wenn du sofort nach dem Lehrabschluss Militär-, Zivil- oder Zivilschutzdienst von mindestens einem Monat leistest, wird der volle Pauschalansatz berechnet. Dasselbe gilt, wenn du nach dem Lehrabschluss während mindestens einem Monat eine beitragspflichtige Arbeit ausübst. In diesem Fall wird das Taggeld aufgrund eines Durchschnittslohnes der letzten 6 Monate berechnet. Für die Monate, die in die Ausbildung fallen, wird der Pauschalansatz eingerechnet, sofern er höher ist als der effektive Lohn. Wenn du nach der Grundbildung keine Arbeit findest, melde dich sofort bei der RAV an. Taggelder erhält auch, wer nach dem Schulabschluss oder nach der Auflösung des Lehrvertrages keinen Ausbildungsplatz findet. Allerdings erhalten Jugendliche, die keine Vollzeitausbildung von mindestens zwei Jahren vorweisen können, nur einen Pauschalansatz von 40 Franken. Die Wartefrist für Taggelder beträgt für unter 25-Jährige ohne Berufsabschluss 120 Tage. Wenn du nach der Lehre jünger bist als 25 Jahre und du in den zwei Jahren vor deiner Meldung bei der RAV während 12 Monaten gearbeitet hast, hast du Anrecht auf 200 Taggelder.

  • Das Gesetz schreibt dem Lehrbetrieb vor, dass er Rücksicht auf die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmerinnen nimmt. Er muss dafür Massnahmen ergreifen und Vorschriften befolgen. Dazu gehören besondere Schutzmassnahmen im Betrieb, wie ergonomische Einrichtungen oder Vorschriften zum Schutz vor Rauchen. Für Tätigkeiten, die gemäss Jugendschutzverordnung für Jugendliche (ArGV 5) verboten, aber für das Erlernen des Berufs nötig sind, gelten besondere Schutzmassnahmen. Sie müssen im Bildungsplan umschrieben sein. Wenn du an deinem Arbeitsplatz gesundheitsschädigende oder gefährliche Mängel feststellst, informiere die Ausbildungsberaterin. Werden die Risiken nicht beseitigt, sollte das Arbeitsinspektorat oder die Gewerkschaft informiert werden.

  • Das Obligationenrecht (OR) regelt den Arbeitsvertrag. Dieser ist definiert als rechtliche Beziehung, in der sich die Arbeitnehmerin verpflichtet, ihre Dienstleistungen der Arbeitgeberin befristet oder unbefristet anzubieten, um dafür im Gegenzug Lohn zu bekommen. Eigen ist dem Arbeitsvertrag die Beziehung von Unterordnung: Die Arbeitnehmerin hat die Anweisungen der Arbeitgeberin zu befolgen, damit besteht ein Verhältnis von Abhängigkeit. Spezielle Arbeitsverträge wie der Lehrvertrag werden am Ende von Kapitel 10 OR behandelt, das sich dem Arbeitsvertrag widmet.

  • Jugendliche unter 15 und sogar unter 13 Jahren können ausnahmsweise und mit Bewilligung für leichte Arbeiten beschäftigt werden. Ihre Arbeit darf täglich maximal drei Stunden und wöchentlich maximal 9 Stunden betragen. Für 15- bis 18-Jährige darf die tägliche Arbeitszeit nicht mehr als neun Stunden dauern (inkl. Überstunden und Schulzeit). Die Ruhezeit zwischen zwei Arbeitstagen muss mindestens 12 Stunden betragen. Minderjährige bis 16 dürfen mit der Arbeit erst nach 6 Uhr beginnen und sie muss spätestens um 20 Uhr enden. Für Minderjährige von 16 bis 18 gilt 6 Uhr bis 22 Uhr. Abendarbeit ist nur erlaubt, wenn für den Betrieb unübliche Arbeitszeiten gelten. Während der Grundbildung darf der Betrieb von dir keine Überzeit, d.h. mehr als die gesetzlich festgelegte Arbeitszeit im Betrieb, verlangen – ausser in einer Notsituation. Überzeit muss in Zeit oder Lohn kompensiert werden. Für Minderjährige ist es verboten, nachts und am Sonntag zu arbeiten. Für Lernende, die ohne Sonntags- oder Nachtarbeit die Ziele der Ausbildung nicht erreichen können, gelten Ausnahmebewilligungen. Die betroffenen Berufe sind in der Verordnung des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) über die Ausnahmen vom Verbot von Nacht- und Sonntagsarbeit während der beruflichen Grundbildung aufgeführt. Ausnahmeregelungen gelten auch für die Sonntagsarbeit in Tourismusgebieten.

  • Nach dem Abschluss der Grundbildung muss die Berufsbildnerin ein Arbeitszeugnis oder eine Arbeitsbestätigung ausstellen. Ein Arbeitszeugnis enthält: Personalien der Arbeitnehmerin, Name und Adresse des Betriebs, Dauer der Anstellung, eine vollständige Beschreibung der Aufgaben und Pflichten. Im Berufsleben müssen darin auch die genaue Funktionsbezeichnung, Beförderungen und Versetzungen mit jeweiligem Datum eingetragen sein. Im persönlich abgefassten Arbeitszeugnis werden auch Fähigkeiten, Arbeitsleistungen, das Verhalten im Team und gegenüber Vorgesetzten beurteilt. Die Arbeitgeberin ist verpflichtet, das Zeugnis wahrheitsgemäss, aber wohlwollend zu verfassen. Das Zeugnis darf keine versteckten Botschaften oder Angaben zu Gesundheit, Absenzen und Privatleben enthalten. Es muss auf Papier gedruckt sein und die Firmenangaben enthalten. Wenn du mit dem Zeugnis nicht einverstanden bist, kannst du eine Korrektur verlangen oder dich mit einer Arbeitsbestätigung zufrieden geben. Die Arbeitsbestätigung enthält nur Faktenangaben (gelernte Tätigkeiten, Anstellungsdauer, Name des Ausbildners, Arbeitsort usw.) ohne Bewertung deiner Kompetenzen. Ein Arbeitszeugnis kannst du bis zu 5 Jahren nach Ende der Arbeit bei einem ehemaligen Arbeitgeber verlangen.

  • Die Lehrbetriebe können im ersten Lehrjahr eine kostenlose ärztliche Untersuchung der Lernenden durchführen lassen. Oft müssen Lernende zuerst einen Fragebogen ausfüllen. Danach werden jene mit gesundheitlichen Problemen für die ärztliche Untersuchung aufgeboten. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) schreibt vor, in welchen Berufen eine Lehrbewilligung nur dann erteilt wird, wenn ein ärztliches Zeugnis vorliegt.

  • Nach einer Absenz wegen Krankheit oder Unfall können der Lehrbetrieb und die Berufsfachschule ein Arztzeugnis verlangen. Bei längerer Arbeitsunfähigkeit soll der Arzt auf jeden Fall ein Zeugnis ausstellen. Trotz Zeugnis gilt das Arztgeheimnis. Das Zeugnis hat nicht deine Krankheit zu erläutern, sondern vor allem die Länge und den Grad an Arbeitsunfähigkeit. Nur du allein kannst dem Arzt erlauben, deine Chefin oder die Schule über die Natur deiner Krankheit zu unterrichten. Natürlich kannst du das, wenn du willst, auch selbst tun.

  • Arbeitnehmerinnen aus den alten EU- und den EFTA-Ländern brauchen keine Arbeitsbewilligung mehr. Für jene aus den neuen EU-Ländern besteht ein vereinfachtes Bewilligungsverfahren mit Lohnüberprüfung. Für Personen anderer Länder schreibt das Gesetz vor, dass sie eine Arbeitsbewilligung haben müssen, um eine Anstellung in der Schweiz annehmen zu können. Für die Erteilung der Bewilligung gelten Kontingente und bei der Anstellung haben Arbeitskräfte aus der Schweiz und aus den EU/EFTA-Ländern Vorrang.

  • Der Lehrvertrag wird für die ganze Ausbildungszeit abgeschlossen. Zumeist endet er mit dem Abschluss deiner Grundausbildung von selbst, du musst nicht extra kündigen. Während der Probezeit (1 bis 3 Monate) gilt eine Kündigungsfrist von sieben Tagen. Danach kann er von einer Vertragspartei nur noch bei schweren Verfehlungen aufgelöst werden, zum Beispiel wegen Diebstahl, dauernder unentschuldigter Absenzen, Arbeitsverweigerung, sexuellen Belästigungen oder Ausnützung durch die Arbeitgeberin usw. Andere Gründe können sogar zu einer fristlosen Kündigung des Lehrvertrags führen. Ist der Vertrag gekündigt, muss deine Ausbildnerin sofort das Berufsbildungsamt und die Berufsschule informieren. Das Berufsbildungsamt muss die Gründe prüfen und die Auflösung des Vertrags bewilligen. Wird dem Lehrbetrieb die Ausbildungsbewilligung entzogen, muss sich das Berufsbildungsamt dafür einsetzen, dass du die berufliche Grundbildung anderswo beenden kannst. Einen Anspruch auf eine neue Lehrstelle gibt es aber nicht.

  • Die Kantone überwachen die Berufsbildung. Zuständig sind die Berufsbildungsämter. Für die direkte Aufsicht setzt der Kanton Berufsinspektorinnen bzw. Ausbildungsberaterinnen ein und je nach Bedarf Mitglieder der Aufsichtskommission oder Expertinnen. Die Aufsichtskommission ist wichtig, weil darin neben der kantonalen Behörde und den Arbeitgeberinnen auch die Arbeitnehmerinnen vertreten sind. Zu den Aufgaben dieser paritätischen Kommission gehört, dass die Mitglieder Lehrbetriebe besuchen, Lernende und Berufsbildnerinnen beraten, Klagen nachgehen und dem kantonalen Berufsbildungsamt Lösungen vorschlagen.

  • Berufsinspektorinnen werden neu als betriebliche Ausbildungsberaterinnen bezeichnet. Sie sorgen im Auftrag des Kantons für die Überwachung und Einhaltung des Lehrvertrags. Sie sind dem Berufsbildungsamt unterstellt. Bevor ein Lehrbetrieb eine Ausbildungsbewilligung erhält, wird er von der Ausbildungsberaterin überprüft. Du hast ein Recht darauf, auch selber eine solche Kontrolle zu verlangen, wenn du nicht genügend ausgebildet wirst oder es im Betrieb Probleme gibt. Die Ausbildungsberaterin ist verpflichtet, bei Konfliktsituationen zu vermitteln. Kommt es zu einem Lehrabbruch oder einem Berufswechsel, muss sie dich beraten und dir bei der Suche nach einem neuen Ausbildungsplatz helfen.

  • Berufsbildnerinnen müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um ausbilden zu dürfen. Verlangt wird von ihnen ein Berufsabschluss mit Fähigkeitszeugnis oder eine ähnliche Ausbildung und zwei Jahre Praxis im Beruf. Zusätzlich müssen sie spezielle Kurse für Berufsbildnerinnen oder berufspädagogische Kurse abschliessen. Zu ihren Pflichten gehören die Planung, Durchführung und Auswertung von Lernsituationen, der Umgang mit Problemen und gesellschaftlichen Fragen wie Multikultur, Ökologie, Chancengleichheit, Rassismus usw. Sie müssen über Massnahmen zur Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz Bescheid wissen und dich über alle beruflichen Fragen und über die Weiterbildung im Beruf informieren können. Wenn die Berufsbildnerin nicht nach Vorschrift ausgebildet ist, kann der Kanton dem Lehrbetrieb die Ausbildungsberechtigung entziehen.

  • Die Berufsbildnerin muss am Ende jedes Semesters einen Ausbildungsbericht über dich abgeben. Sie hat sich dabei auf deine Lerndokumentation zu stützen, die du während der betrieblichen Arbeitszeit verfassen kannst. Der Bericht bewertet die Leistungen nach Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz. Im Bildungsplan zum Beruf ist festgelegt, was im Ausbildungsbericht stehen muss. Die Berufsbildnerin kann die Leistungen mit Noten oder einer Bewertung von «sehr gut» bis «ungenügend» beurteilen. Der Ausbildungsbericht soll helfen zu klären, ob die Ausbildungsziele erreicht worden sind. Er ist Grundlage für einen Lehrvertragswechsel. Die Berufsbildnerin muss den Bericht mit dir besprechen, bevor er an die Eltern oder an die gesetzliche Vertretung geht. Bei Schwierigkeiten sind Ausbildungsberichte als Beweismittel wichtig. Die Aufsichtskommission kann vom Betrieb fordern, dass er alle Berichte vorlegt.

  • Jeder Betrieb kann Lernende ausbilden. Für kleinere Betriebe besteht die Möglichkeit, sich zu Lehrverbünden zusammen zu schliessen. Lehrbetriebe werden in vielen Kantonen bei der Schaffung von Lehrstellen unterstützt. In der Regel lohnt sich die Anstellung von Lernenden ab dem zweiten Lehrjahr.

  • Bei grossen Schwierigkeiten, einen Job zu finden, welcher der Ausbildung entspricht, bezahlt die Arbeitslosenversicherung ihren Versicherten Ausbildungszuschüsse für das spätere Nachholen oder Vollenden einer beruflichen Erstausbildung oder eine neue berufliche Ausbildung – weil die bestehende nicht mehr gefragt ist. Mit diesen Zuschüssen erhalten Personen, die eine Grundbildung nachholen, für maximal 3 Jahre die Differenz zwischen dem Lehrlingslohn und 3500 Franken monatlich ausbezahlt. Damit verfügen sie über ein Mindesteinkommen. Solche Ausbildungszuschüsse gibt es heute nur für Lernende ab 30 Jahren. Die Behörde kann aber auch Abweichungen gewähren. Wer an solchen Ausbildungsstätten über einen Abschluss einer Hochschule oder einer höheren Schule verfügt oder mindestens 3 Jahre lang studiert hat (auch ohne Abschluss), kann ebenfalls in den Genuss der Zuschüsse gelangen.

  • Bei Aushilfs- oder Gelegenheitsarbeit handelt es sich um einen befristeten Arbeitsvertrag. Für ein befristetes Arbeitsverhältnis braucht es keine Kündigungsvereinbarung, es endet am vereinbarten Tag. Wird es jedoch stillschweigend über diesen Zeitpunkt hinaus verlängert, gilt es dann als unbefristet. Für Aushilfsarbeit – mit Monats- oder Stundenlohn – hast du dieselben Ansprüche auf Ferien und freie Tage wie bei einem unbefristeten Vertrag. Es gelten auch dieselben Vorschriften für die Bezahlung von Sozialversicherungsbeiträgen (AHV, IV, ALV). Für die berufliche Vorsorge (BVG) gilt, dass du ab Alter 17 und bei einem Jahresgehalt von mehr als 21‘150 Franken automatisch versichert bist. Wenn du weniger lang als ein ganzes Jahr angestellt bist, wird dir der Lohn auf das ganze Jahr hochgerechnet. Wenn dein virtuelles Jahreseinkommen diese 21‘150 erreicht, wirst du automatisch in der Beruflichen Vorsorge versichert.

  • Während der Grundbildung im Lehrbetrieb besteht die Möglichkeit, an einem Austauschprogramm mit Lernenden im Ausland teilzunehmen. Nach dem Berufsabschluss kannst du Praktika in 32 Ländern machen und erhältst dafür auch finanzielle Unterstützung. Spezielle Programme für Jugendliche bietet der Jugendaustausch. In allen 28 EU-Ländern und in Norwegen und Island wird der Schweizer Fähigkeitsausweis anerkannt, und du hast freien Zugang zum Arbeitsmarkt. Das Staatssekretariat für Migration informiert über den Stellenmarkt und Arbeitsvermittlungsbüros im Ausland.

  • Alle Lernenden haben unabhängig davon, ob sie Ausländerinnen oder Schweizerinnen sind, die gleichen Rechte und Pflichten, die im Berufsbildungsgesetz und im Obligationenrecht geregelt sind. Die Ausländerausweiskategorie (Aufenthalts-, Niederlassungs- oder Ausbildungsbewilligung) muss im Lehrvertrag vermerkt sein. Der Lehrbetrieb ist verantwortlich für die Abklärung der Gültigkeit. Je nach Aufenthaltsstatus muss der Lehrvertrag vom kantonalen Arbeitsamt oder von der Einwohnerkontrolle, Abteilung Fremdenpolizei oder vom Amt für Migration bewilligt werden.

  • Während der Grundbildung kannst du einige Wochen in einem anderen Sprachgebiet der Schweiz oder im Ausland lernen und arbeiten. Verschiedene Organisationen vermitteln solche Austauschprogramme. Spezielle Angebote, die mit dem Euregio-Zertifikat abgeschlossen werden, gibt es vor allem im Elsass, in Süddeutschland und in Norditalien. Informier dich beim Lehrbetrieb oder in der Berufsfachschule.

  • Die Berufsfachschule gibt einen Ausweis für Lernende oder einen Schülerinnenausweis ab, der bestätigt, dass du in Ausbildung bist. Mit diesem Ausweis erhältst du Eintritts- und Einkaufsvergünstigungen, zum Beispiel für den öffentlichen Verkehr, in Kinos, Museen, beim Kauf von Büchern, Computern usw. Auch private Organisationen bieten Ausweise für Lernende an. Wenn sie dafür Geld verlangen, lohnt es sich, zuerst nachzufragen, ob die versprochenen Vergünstigungen wirklich gewährt werden.

  • Das Basislehrjahr ist eine besondere Form des ersten Ausbildungsjahres. Du wirst in diesem Jahr in einem Ausbildungszentrum ausgebildet und wechselst erst danach in die praktische Ausbildung eines Lehrbetriebes oder einer Lehrwerkstätte. Während des Basislehrjahrs besuchst du regulär die Berufsfachschule und die überbetrieblichen Kurse. Das Ausbildungszentrum gilt als Lehrbetrieb, auch wenn es vor allem schulische Bildung vermittelt. Es wird von Beginn an ein normaler Lehrvertrag abgeschlossen (zwischen der kantonalen Behörde und dir resp. deinem gesetzlichen Vertreter), in dem alle Teile der beruflichen Grundbildung enthalten sind. Du kannst verlangen, dass diesem Vertrag auch ein Bildungsplan beigefügt wird, um so zu kontrollieren, ob du wirklich umfassend ausgebildet wirst. Für das Basislehrjahr dürfen dir keine Kosten verrechnet werden.

  • Die fachkundige individuelle Begleitung (fiB) ist eine Unterstützung für Jugendliche mit Lernschwierigkeiten. Sie ist zur Zeit nur für Lernende in der zweijährigen Grundbildung möglich. Begleitperson kann jemand aus dem Betrieb, aus der Berufsfachschule oder auch eine andere Bezugsperson sein. Die Bewilligung für eine solche Begleitung gibt die kantonale Behörde. Diese individuelle Begleitung wird oft auch Coaching genannt. Die Gewerkschaften verlangen, dass alle Jugendlichen, die beim Eintritt in die Grundbildung oder nach einem Lehrabbruch Schwierigkeiten haben, von einer solchen Begleitung profitieren können.

  • Lernende können trotz körperlicher oder geistiger Behinderung eine berufliche Grundbildung machen. Das Gesetz will entsprechende Diskriminierungen für behinderte Personen in der Berufsbildung aufbrechen. Der Kanton muss dazu für alle notwendigen Erleichterungen sorgen. Dazu gehören zum Beispiel Dispensierungen von einzelnen Fächern, eine individuelle Begleitung und Hilfsmittel. Er kann auch eine Verlängerung der Ausbildungszeit bewilligen. Solche Vereinbarungen sollten mit der Berufsbildnerin im Lehrbetrieb und mit dem kantonalen Berufsbildungsamt vor dem Abschluss des Lehrvertrags abgesprochen werden. Grundbildungen werden auch in speziellen Lehrwerkstätten für Lernende mit Behinderungen angeboten.

  • Es gibt verschiedene Beratungsangebote für Jugendliche im Internet, die Hilfe bei Problemen im Zusammenhang mit der Arbeit oder Ausbildung oder bei persönlichen Schwierigkeiten bieten. Du kannst dir auch eine unterstützende Person vermitteln lassen, die dich bei Gesprächen mit der Berufsbildnerin oder den Eltern unterstützt. Bei gesundheitlichen oder persönlichen Problemen, die dich stark belasten, solltest du dir Hilfe bei einer Fachperson suchen. Adressen vermittelt das Nottelefon 147 telefonisch oder im Internet.

  • Ausländische Diplome und Ausweise gelten in der Schweiz, wenn sie im Herkunftsland staatlich anerkannt waren und dem schweizerischen Berufsausweis entsprechen. Für die Anerkennung als Fähigkeitsausweis zählt, dass die Ausbildung gleich lang gedauert hat und nach einem ähnlichen System aufgebaut war. Zudem muss sich die Kandidatin über Kenntnisse einer Landessprache ausweisen. Wer in der Schweiz Wohnsitz hat oder als Grenzgängerin in der Schweiz arbeitet, kann beim SBFI einen Antrag auf Berufsanerkennung stellen.

  • Die zweijährige berufliche Grundbildung schliesst mit einem eidgenössischen Berufsattest ab. Die Berufsbezeichnung wird mit dem Kürzel EBA ergänzt. Diese Grundbildung ist praxisbezogener und verlangt weniger Allgemeinbildung als die Grundbildung mit Fähigkeitszeugnis. Die Berufsfachschule dauert meistens einen Tag in der Woche, zusätzlich können Freikurse belegt werden. Wenn du im ersten Jahr gute Leistungen hast, ist der Übertritt in die Grundbildung mit Fähigkeitszeugnis möglich. Das Berufsbildungsgesetz garantiert diese Durchlässigkeit. Es sichert zudem Lernenden mit Lernschwierigkeiten Unterstützung zu. Sie können in Absprache mit dem Lehrbetrieb und der Schule beim Kanton eine fachkundige Begleitung beantragen. Dieses Einzelcoaching hilft bei Schwierigkeiten in der Schule und im Betrieb. Nach dem Abschluss des Berufsattests können Lernende eine verkürzte Vorbereitung auf das Fähigkeitszeugnis anschliessen. Generell ist dabei mit ein oder zwei Jahren mehr Ausbildung zu rechnen.

  • In einigen Gesamtarbeitsverträgen sind Berufsbeiträge oder Solidaritätsbeiträge festgelegt. Sie werden den Arbeitnehmenden, die dem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) unterstellt sind, direkt vom Lohn abgezogen. Mit diesen Beiträgen werden berufsorientierte Weiterbildungen oder Kosten für besondere Leistungen im Gesamtarbeitsvertrag finanziert. Das Geld wird paritätisch von den Vertretungen der Arbeitgeberinnen und Arbeitnehmerinnen verwaltet. Mitglieder der Gewerkschaft können sich den Berufsbeitrag zurückerstatten lassen.

  • Die Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung unterstützt Jugendliche und Erwachsene bei der Berufswahl, einem Berufswechsel und bei der Weiterbildung. Sie bietet persönliche Beratungsgespräche an. Diese sind meistens kostenlos. In den kantonalen Berufsinformationszentren (BIZ) kannst du dich selber über Aus- und Weiterbildungen in allen Berufen informieren. Jeder Kanton ist verpflichtet, Berufs-, Studien- und Laufbahnberatungen und Berufsinformationszentren zu führen. Informationen zu allen Berufen, Weiterbildungsmöglichkeiten und Tipps zur Berufswahl, zu Stellensuche und Auslandaufenthalten usw. findest du auch im Internet.
    address Berufs- Laufbahn- und Studienberatung

  • Die Berufsbildnerin bildet im Betrieb die Lernenden aus. Sie wird auch Lehrlingsverantwortliche genannt. Für ihre Aufgabe benötigt sie eine Ausbildungsberechtigung, die sie dazu verpflichtet, dich nach Vorschrift auszubilden. Sie darf dir Anweisungen geben und Arbeitsleistungen verlangen, ausserdem muss sie deine Eigenverantwortung fördern und kontrollieren, damit du deine Leistungziele erreichen kannst. Sie hat dir gegenüber auch eine Fürsorgepflicht und muss dich vor Gefährdungen der Gesundheit und der Persönlichkeit schützen. Bis zu deiner Volljährigkeit muss sie deine Eltern regelmässig über den Ausbildungsstand informieren und dich bei Lernschwierigkeiten unterstützen. Im Lehrbetrieb ist sie die erste Ansprechperson für alle Fragen zur Ausbildung und bei Problemen.

  • Als Berufsbildung gelten die berufliche Grundbildung, die höheren Berufsbildungen ohne Hochschulen und die berufsorientierte Weiterbildung. Die Berufsbildung ist im Berufsbildungsgesetz geregelt. Ein Internetportal verbindet mit allen wichtigen Trägerschaften.

  • Das Berufsbildungsamt ist während der ganzen beruflichen Grundbildung bei Schwierigkeiten im Lehrbetrieb erste Anlaufstelle. Es entscheidet, wenn es um Fragen wie Verkürzung oder Verlängerung der Lehrzeit, Anerkennung bereits vorhandener Ausweise, Befreiung von der beruflichen Bildung, Erleichterung bei der Lehrabschlussprüfung, Bewilligung von Freikursen geht. Die kantonalen Berufsbildungsämter sind in der Deutschschweizer Berufsbildungsämterkonferenz (DBK) zusammengeschlossen. Damit wird garantiert, dass Lehrverträge in der ganzen Schweiz nach dem gleichen System abgeschlossen und kontrolliert werden. Die Adressen findest du auf den unten genannten Sites.
    address Berufsbildungsämter

  • Das Bundesgesetz über die Berufsbildung (BBG) regelt seit 2004 die Grund- und Weiterbildung in allen Berufen. Zum Gesetz gehören Regelungen für die Ausbildung der Lernenden im Lehrbetrieb und in der Berufsfachschule und für die Qualifikationsverfahren. Das BBG legt fest, wer die Umsetzung der Vorschriften kontrolliert und welche Kosten der Bund übernimmt. Die Berufsbildungsverordnung (BBV) umschreibt einzelne Gesetzesvorschriften genauer. Gesetz und Verordnung enthalten auch Regelungen zur Höheren Berufsbildung. Du kannst das Berufsbildungsgesetz auf dem Site admin.ch herunterladen. Jeder Kanton hat auch ein eigenes Gesetz für die Berufsbildung.

  • Die Eidgenössische Berufsbildungskommission (EBBK) wird vom Bundesrat eingesetzt. In der Kommission sind Bund und Kantone, Mitglieder der Organisationen der Arbeitswelt und Fachexpertinnen paritätisch vertreten. Die Kommission prüft Projekte für die Förderung der Berufsbildung. Sie berät den Bundesrat in Sachen Berufsbildung, insbesondere bei der Umsetzung des BBG und bei Massnahmen gegen Lehrstellenmangel und Jugendarbeitslosigkeit.

  • Als Berufsfachschulen werden alle kantonalen Schulen für Lernende in der beruflichen Grundbildung bezeichnet, also die Gewerbeschulen, die kaufmännischen Berufs- oder Handelsschulen und Berufsschulen aller Art. Der Besuch der Berufsfachschule ist obligatorisch. Acht Lehrstunden in der Berufsfachschule entsprechen einem vollen Arbeitstag. An diesem Tag darf der Lehrbetrieb Lernende nicht für Arbeit aufbieten. Die Berufsfachschule bietet Allgemeinbildung und Berufskunde an. Sie ist verpflichtet, Lernende mit Lernschwierigkeiten oder Behinderungen zu unterstützen und die Chancengleichheit für alle zu fördern.

  • Die Kantone haben die Aufsicht über die Berufsfachschulen und damit auch über die Unterrichtsqualität und die Prüfungen. Berufsfachschulinspektorinnen überwachen die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften. In den einzelnen Schulen haben Berufsfachschulkommissionen den Auftrag, die Organisation und die Abläufe im Schulbetrieb zu überwachen. In einigen Kantonen sind in diesen Kommissionen auch Lernende vertreten.

  • Das Berufsbildungsgesetz stellt Mindestvorschriften für die Ausbildung aller Lehrkräfte an den Berufsfachschulen auf. Berufsfachschullehrerinnen müssen ein Hochschulstudium oder eine andere höhere Ausbildung und eine spezielle berufspädagogische Zusatzausbildung abschliessen. Grundsätzlich wird auch verlangt, dass sie sechs Monate in einem Betrieb gearbeitet haben. Wenn du den Eindruck hast, dass eine Lehrerin nicht genügend Fachwissen hat, kannst du verlangen, dass die Berufsfachschulkommission ihren Unterricht überprüft.

  • Der Lehrbetrieb darf Lernende nur für Arbeiten einsetzen, die einen Zusammenhang mit der Ausbildung haben. Als berufsfremde Arbeiten gelten zum Beispiel Putzen, Kaffee holen, das Erledigen von persönlichen Einkäufen für Vorgesetzte. Du solltest für solche Arbeiten nicht häufiger eingesetzt werden als andere Mitarbeitende. Auch Hilfsarbeiten wie Kopieren oder Archivieren dürfen nicht zu oft verlangt werden. Wenn du dir ausgenutzt vorkommst, solltest du mit der Berufsbildnerin reden. Ändert sich nichts, kannst du dich an das Berufsbildungsamt oder an die Gewerkschaft wenden.

  • Die Berufsberatungen führen in jedem Kanton und in den grössten Städten Berufsinformationszentren (BIZ). Dort kann man sich kostenlos über Berufe, berufsergänzende Kurse, Weiterbildungen und Studiengänge informieren und Fragen zur Berufsbildung stellen. Wenn du das verlangst, wirst du persönlich beraten. Die BIZ sind auch erste Anlaufstelle bei der Lehrstellensuche oder für einen Berufswechsel, nach einem Lehrabbruch oder bei Arbeitslosigkeit. Im Internet findest du die Adressen aller BIZ.

  • In gewissen Berufen ist eine Berufskleidung vorgeschrieben, als Gesundheits- oder Unfallschutz oder als einheitlicher Auftritt gegenüber Kunden. Der Lehrbetrieb muss die Berufskleidung zur Verfügung stellen oder die vollen Kosten dafür übernehmen (auch für die Reinigung der Schutzkleider), wenn dazu nichts anderes im Lehrvertrag vereinbart wird. Regelungen zur Berufskleidung sind manchmal auch im Gesamtarbeitsvertrag (GAV) aufgeführt.

  • Als berufskundliche Bildung wird das spezifische Fachwissen zum Beruf bezeichnet. Vermittelt wird die berufskundliche Bildung in der Berufsfachschule. In der Verordnung über die Grundbildung und im Bildungsplan zu deinem Beruf sind die einzelnen Prüfungsfächer und die Leistungen festgelegt, die bis zur Lehrabschlussprüfung (LAP) erreicht werden müssen.

  • Mit Berufsmaturität (BM) wird der Reifeausweis bezeichnet, der den Zugang an eine Fachhochschule ermöglicht. Für den Berufsmaturitätsunterricht dürfen keine Gebühren erhoben werden, weder bei dir noch bei deinem Betrieb. Berufsfachschulen oder Privatschulen bieten den Berufsmaturitätsunterricht in Voll- oder Teilzeit an. Für die Zulassung musst du in den meisten Kantonen eine Aufnahmeprüfung bestehen. Während der Lehre zählt die Zeit des BM-Unterrichts als Arbeitszeit, auch wenn der Unterricht ausserhalb der üblichen Arbeitszeit liegt. Der Berufsmaturitätsunterricht dauert in der Regel zwei Tage pro Woche für mindestens sechs Semester. Er beginnt meistens im ersten Lehrjahr, in vierjährigen Grundbildungen manchmal auch erst im zweiten Lehrjahr. Der Rahmenlehrplan bestimmt Fächer und Inhalte. Zehn Prozent des Unterrichts müssen fächerübergreifend sein. Gegen Schluss des BM-Unterrichts verfassen die Lernenden eine interdisziplinäre Projektarbeit, und die Ausbildung wird mit einer Prüfung abgeschlossen. Wer die Prüfung nicht besteht, kann sie einmal wiederholen oder erhält mit genügenden Noten das Fähigkeitszeugnis. Alle Regelungen zur BM und die Prüfungsbestimmungen sind in der Berufsmaturitätsverordnung (BMV) geregelt. Statt während der Grundbildung kann man sich auch erst nach dem Lehrabschluss auf die BM vorbereiten. Die Berufsfachschulen bieten dafür Kurse an. Bereits vorher erworbene anerkannte Sprachdiplome können als Teil der Anschlussprüfung angerechnet werden. Mit der BM ist das Studium an allen Fachhochschulen und an bestimmten Hochschulen möglich. Für die Zulassung an die Universität müssen Berufsmaturandinnen eine spezielle Ergänzungsprüfung bestehen.

  • Für Lernende finden regelmässig nationale und internationale Berufsmeisterschaften statt, an welchen sie im Abschlussjahr ihr berufliches Können zeigen und den Austausch mit anderen Jugendlichen pflegen können. Jedes Jahr findet ein «Tag der Berufsbildung» statt, an dem die besten Lehrabschlüsse ausgezeichnet werden.

  • Bei Arbeitslosigkeit vermittelt die regionale Arbeitsvermittlung (RAV) Berufs- und Ausbildungspraktika. Ein Berufspraktikum darf höchstens sechs Monate dauern, ein Ausbildungspraktikum höchstens drei Monate. Während dieser Zeit erhalten die Praktikantinnen mindestens 70 Prozent des von der ALV versicherten Verdienstes, jedoch mindestens 500 Franken pro Monat vom Praktikumsbetrieb. Das Mindesttaggeld beträgt 40 Franken für unter 20-Jährige und 102 Franken für über 20-Jährige, dazu übernimmt die ALV Reise- und Verpflegungsspesen. Berufspraktika dürfen nicht im eigenen Lehrbetrieb absolviert werden und sie dürfen bestehende Arbeitsplätze nicht gefährden. Im Arbeitslosenversicherungsgesetz ist festgelegt, dass es nicht erlaubt ist, Entlassene durch billigere Angestellte zu ersetzen. Betriebe, die Praktikantinnen einstellen, müssen Lernende ausbilden oder über Infrastruktur und Personal für die Betreuung verfügen. Bei Ausnützung oder Verdacht auf Lohndumping soll die Praktikantin sich an die RAV, das Arbeitsamt oder an die Gewerkschaft wenden. Bundesbetriebe und Betriebe, die vom Bund beaufsichtigt werden, sind verpflichtet, Praktikumsplätze anzubieten.

  • Die Berufsprüfung (Fachausweis) bietet eine Vertiefung des Fachwissens im erlernten Beruf. Für die Prüfung wird Praxiserfahrung verlangt. Die Berufsverbände oder andere Organisationen der Arbeitswelt bestimmen die Zulassungsbedingungen. Nach dem Abschluss besteht die Möglichkeit, eine höhere Fachprüfung (Diplom) abzulegen. Die Abschlüsse mit Fachausweis und Diplom sind eidgenössisch anerkannt. Sie werden teilweise an ein Studium an der Fachhochschule angerechnet. Informationen zu den Berufsprüfungen geben das SBFI und die Berufsverbände.

  • Berufsverbände sind Zusammenschlüsse von Arbeitgeberinnen- oder von Arbeitnehmerinnenorganisationen einer Berufsbranche. Sie werden auch als Organisationen der Arbeitswelt bezeichnet. Zusammen mit anderen solchen Organisationen übernehmen sie im Auftrag des Bundes oder des Kantons bestimmte Aufgaben wie zum Beispiel die Durchführung der überbetrieblichen Kurse für Lernende, die Führung von Schulen und die Organisation der berufsorientierten Weiterbildung im Beruf. Sie bieten Lernenden Informationen zum Lehrvertrag, den Löhnen, Gesamtarbeitsverträgen, Berufsreformen usw. Die Berufsverbände der Arbeitnehmerinnen sind ähnlich wie Gewerkschaften organisiert.

  • Die Berufsbildung wird für alle Berufe eidgenössisch geregelt. Das SBFI führt ein Berufsverzeichnis der Berufe, für die ein Fähigkeitszeugnis oder ein Berufsattest abgegeben wird. Darin findest du alle Berufsbezeichnungen und Adressen der Berufsverbände. Laufend kommen neue Berufe dazu. Die Berufsbezeichnungen sind geschützt. Die früher den Kantonen unterstellten Berufe in den Bereichen Gesundheit, Soziales und Kunst und in der Land- und Waldwirtschaft sind nun auch in diesem Verzeichnis aufgenommen. Das SBFI führt auch eine Liste der Berufstitel, die nach dem Abschluss einer Berufsprüfung oder höheren Fachprüfung gelten.

  • Mit der Berufswahl legst du die Basis für das Berufsleben. Deshalb ist es wichtig, sie umfassend auf deine Interessen abzustimmen. Die Berufsberatung bietet im Internet Hilfen und Tipps an und führt in allen Kantonen Berufsinformationstage durch. Dort erhältst du nicht nur Informationen zum Beruf, sondern auch Auskunft zu den Anforderungen, die für eine Ausbildung verlangt werden. Wenn du dir über die Berufswahl nicht sicher bist oder Schwierigkeiten bei der Lehrstellensuche hast, lass dich von einer Berufsberaterin beraten. Sie gibt auch Auskunft über neu entstandene Berufe.

  • Automonteurin, Chemikantin, Elektronikerin: Warum nicht einen solchen Beruf erlernen? Frauen treffen ihre Berufswahl unter weniger Berufen als Männer und wählen oft solche aus, die schlecht bezahlt sind und wenig Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Aber auch junge Männer sollten ihren beruflichen Horizont ausweiten und sich bei der Berufswahl und Zukunftsgestaltung ohne Vorurteile an ihren tatsächlichen Wünschen und Talenten orientieren und nicht an stereotypen Rollenvorstellungen. Es gibt über 200 Berufe. Im Internet findest du Tipps und Ideen, wie du den richtigen Beruf findest. In einzelnen Kantonen werden für junge Frauen und Migrantinnen spezielle Bildungs- und Berufsförderungsprogramme angeboten, wenn sie keine Lehrstelle finden.

  • Wenn du mit Entscheiden im Lehrbetrieb oder in der Berufsfachschule nicht einverstanden bist, können du und die Eltern oder die gesetzliche Vertretung dagegen Beschwerde einreichen. Informationen zum richtigen Vorgehen geben die Ausbildungsberaterin und das Berufsbildungsamt oder die Prüfungskommission.

  • Vertreterinnen der Aufsichtskommission oder des Berufsbildungsamtes sowie Ausbildungsberaterinnen und Arbeitsinspektorinnen haben das Recht, den Lehrbetrieb zu besuchen. Sie können die Ausbildungsberichte über die Lernenden und ihre Lerndokumentationen verlangen. Dies insbesondere bei Problemen, oder wenn du die Ausbildung abbrechen willst.

  • Der Betrieb kann von den Arbeitnehmerinnen verlangen, dass sie während einer vorgeschriebenen Zeit Ferien machen. Lernende sollen ihre Ferien allerdings während der Schulferien beziehen können, denn der Besuch der Berufsfachschule ist obligatorisch. Du hast das Recht, dass du mindestens zwei Wochen Ferien im Jahr zusammenhängend nehmen kannst. In vielen Betrieben gibt es eine Ferienregelung. Über die Betriebskommission können Arbeitnehmerinnen Vorschläge für Veränderungen dieser Regelung einreichen.

  • Je nach Betrieb und Berufsbranche heisst die Betriebskommission auch Angestelltenkommission, Personalkommission oder Arbeiterkommission. Die Mitglieder dieser Kommission vertreten die Interessen der Arbeitnehmerinnen, also auch der Lernenden. Es gibt fortschrittliche Betriebe, die eine Vertreterin der Lernenden in die Kommission wählen lassen. Für die Kommission besteht ein Reglement, das von den Sozialpartnern ausgehandelt worden ist. Darin steht, welche Rechte die Kommission im Betrieb hat, in welchen Bereichen sie mitreden kann und welche Aufgaben sie übernimmt. Bei Problemen im Betrieb kannst du dich an die Betriebskommission wenden. Wenn Arbeitnehmerinnen Veränderungen vorschlagen, muss die Betriebskommission diese mit der Betriebsleitung diskutieren.

  • Das Betriebsreglement gilt für alle Angestellten. Es regelt das Zusammenleben im Betrieb, Gesundheitsprävention, Unfallverhütung, die Art der Lohnzahlung, die Arbeitszeiterfassung, Ferien usw. In Betrieben mit Betriebskommission (auch Personalkommission geheissen) wird ein solches Reglement zusammen mit den Vertreterinnen der Arbeitnehmerinnen erarbeitet. Dabei müssen alle Vorschriften im Gesetz und in Gesamtarbeitsverträgen berücksichtigt werden.

  • Wenn ein Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen schliessen muss, verlieren die Lernenden ihre Stelle. Das Berufsbildungsamt muss sich einsetzen, damit sie in einem anderen Betrieb oder in einer Lehrwerkstätte die Ausbildung fortsetzen können. Doch Anspruch auf eine Lehrstelle besteht nicht. Nach Ankündigung der Schliessung muss dein Betrieb das Berufsbildungsamt und die Berufsschule informieren. Es ist aber in deinem Interesse, diese selbst rasch zu informieren, damit du möglichst bald eine Anschlusslösung findest, ohne dass du die Ausbildung unterbrechen musst. Informiere auch deine Gewerkschaft.

  • Der Bund bezahlt Beiträge an die Berufsbildung. Viele Angebote in der Berufsbildung werden zum Teil oder ganz vom Bund und von den Kantonen bezahlt und sind deshalb für dich kostenlos. Stark unterstützt werden alle Angebote der Grundbildung, die Vorbereitung auf die Berufsmaturität und die öffentlichen Fachhochschulen. Die höhere Berufsbildung und die berufliche Weiterbildung werden zum grösseren Teil von den Absolventinnen und Organisationen der Arbeitswelt bezahlt. Die Finanzierung der Berufsbildung ist im Berufsbildungsgesetz und den kantonalen Bildungsgesetzen geregelt. Weil der Spardruck zunimmt, ist es wichtig, den kostenlosen Zugang zur Berufsbildung politisch zu sichern.

  • Damit Lehrbetriebe oder Vollzeitschulen für die Grundbildung ausbilden dürfen, benötigen sie eine kantonale Bildungsbewilligung. Erst damit können sie Lehrverträge abschliessen und eidgenössische anerkannte Diplome anbieten. Damit wird garantiert, dass sie über die Einrichtung für die Ausbildung verfügen und die Berufsbildnerinnen das nötige Fachwissen besitzen. Wenn deinem Lehrbetrieb die Bewilligung entzogen wird, muss er zusammen mit der Berufsfachschule dafür sorgen, dass du die Grundbildung in einem andern Betrieb fortsetzen kannst. In Betrieben mit gefährlichen Arbeiten sind auf Verlangen der Gewerkschaften die Bewilligungsverfahren verschärft worden. Es wird auch mehr kontrolliert.

  • Bildungsgutscheine sind Gutscheine, die für Weiterbildungen verwendet werden können. Sie werden von Schulen an Stelle von Geld akzeptiert. Eine andere Form sind Bildungsgutschriften bei den Steuern. Bis jetzt werden erst im Kanton Genf Bildungsgutscheine für Personen mit tiefem Einkommen abgegeben.

  • Mit dem Bildungspass kannst du Kompetenzen nachweisen, die du in Freizeitkursen und nicht obligatorischen Weiterbildungen erworben hast, zum Beispiel Sprach- und Informatikzertifikate, Kursdiplome, Wochenendseminare. Als Bildung gelten aber auch regelmässige ehrenamtliche Tätigkeiten wie die Leitung von Jugendgruppen, Betreuungsarbeit in der Familie, politische Ämter usw. Der Nachweis von ausserberuflich erworbenen Kompetenzen ist für die Weiterbildung wichtig, aber auch bei der Stellensuche nützlich. In einigen Berufen werden solche Bildungsnachweise an den Lohn angerechnet. Das Berufsbildungsgesetz schreibt vor, dass das Nachholen der Grundbildung mit einem Validierungsverfahren für be- reits erworbene Kompetenzen erleichtert wird.

  • Der Bildungsplan, oft auch Modelllehrgang genannt, enthält die Ausbildungsziele, die während der praktischen Ausbildung im Lehrbetrieb und in den überbetrieblichen Kursen erreicht werden müssen. Aufgeführt sind darin auch Bestimmungen, wie die Leistungen überprüft werden, zum Beispiel mit Standortbestimmungen und Zwischenprüfungen usw. sowie die Anforderungen für die Lehrabschlussprüfung (LAP). Der Bildungsplan enthält zudem deine Lerndokumentation. Du erhältst vom Lehrbetrieb einen Bildungsplan. So kannst du überprüfen, wo du hinsichtlich der vorgegebenen Ziele der Ausbildung stehst.

  • Der Lehrbetrieb kann zusätzlich zu den Ferien Bildungsurlaub gewähren. Dieser muss für Weiterbildung genutzt werden, zum Beispiel für die Vertiefung von Fremdsprachen. Freikurse an der Berufsfachschule oder ein Jugendurlaub können nicht als Bildungsurlaub angerechnet werden. Sie sind gesetzlich geregelt. Ein Recht auf Bildungsurlaub gibt es erst in wenigen Kantonen, und einige Gesamtarbeitsverträge (GAV) enthalten Bestimmungen. Einige grössere Betriebe unterstützen solche Urlaube freiwillig. Die Gewerkschaften kämpfen dafür, dass für alle Arbeitnehmerinnen fünf Tage bezahlter Bildungsurlaub im Gesetz geregelt werden. Auskunft zu den Bestimmungen im Lehrbetrieb und in den GAV geben die Betriebskommission und die Gewerkschaft.

  • Die Bildungsverordnung – früher Ausbildungs- und Prüfungsreglement – gibt die Inhalte der Grundbildung vor, vor allem Dauer, Ziele, Anforderungen und die Qualifikationsverfahren (Prüfungen) in der beruflichen Praxis und in der Berufsfachschule. Der Bildungsplan ist ein Teil der Bildungsverordnung. Diese wird gemeinsam von Bund, Kanton und den Organisationen der Arbeitswelt (OdA) erarbeitet und laufend an die Anforderungen des Arbeitsmarktes angepasst. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) überprüft die Bildungsverordnung und setzt sie in Kraft. Du findest die Bildungsverordnung, den Bildungsplan sowie Informationen zum Beruf im Berufsverzeichnis, das vom SBFI veröffentlicht wird. Im Verzeichnis sind sämtliche Berufe aufgeführt, Grundbildungen mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) und mit Berufsattest (EBA) sowie höhere Berufsausbildungen mit Informationsadressen und Prüfungsreglementen. Wenn du Fragen zur Bildungsverordnung hast, kannst du dich an die Berufsbildnerin oder an den Berufsverband wenden.

  • Als Brückenangebote werden alle Vorbereitungen auf die Grundbildung bezeichnet wie das Berufswahljahr, das Werkjahr, das Sozialjahr, praxisorientierte Berufsintegrationsprogramme für Migrantinnen und oft auch Motivationssemester, für die aber bestimmte Bedingungen gelten. Viele Jugendliche absolvieren solche Angebote, weil sie nicht sofort eine Lehrstelle finden. Es gibt kein Recht auf eine Berufsbildung. Brückenangebote und Motivationssemester bereiten gezielt auf einen Berufsbereich vor und helfen, vorhandene Schuldefizite zu beheben. Das Ziel ist, die Chancen für einen Ausbildungsplatz zu erhöhen und dich bei der Suche nach einer Lehrstelle zu unterstützen. Brückenangebote dürfen höchstens ein Jahr dauern und können auch nach einem Lehrabbruch oder nach der Schliessung des Lehrbetriebs als Zwischenlösung genutzt werden. Die Kantone sind verpflichtet, genügend Brückenangebote anzubieten. Informationen geben die Berufsberatungen und die Berufsinformationszentren (BIZ).

  • Bis 2004 sah das Berufsbildungsgesetz bei entsprechendem Verhalten noch Strafmassnahmen gegen Lehrmeister und Lernende vor. Diese Sanktionen sind seither auf ein Minimum beschränkt worden. Bussen sind einzig vorgesehen, wenn Jugendliche Fähigkeitszeugnisse oder andere Titel fälschen oder zu Unrecht tragen. Dennoch sehen einige Berufsschulen Bussen vor, etwa für unentschuldigte Absenzen, nicht erledigte Hausaufgaben, vergessenes Schulmaterial usw. Solche Bussen haben aber keine gesetzliche Grundlage. Du kannst sie also beanstanden.

  • Die berufliche Vorsorge (zweite Säule) ist Teil der Altersvorsorge. Sie deckt Alter, Invalidität und Tod ab. Deine Arbeitgeberin muss dich ab dem 1. Januar, an dem du bereits 17 Jahre alt bist, gegen Invalidität und Tod versichern, ab dem 1. Januar, an dem du bereits 24 Jahre alt bist, für Altersleistungen. Je nach Kasse gilt für letzteres auch ein früheres Alter. Beiträge für die berufliche Vorsorge müssen ab einem Verdienst von 21’150 Franken geleistet werden. In der Regel übernimmt deine Arbeitgeberin die Hälfte der Beiträge.

  • Für den Lehrbetrieb gelten Datenschutzbestimmungen. Gesundheits- oder Drogentests darf er nur durchführen, wenn sie zur Sicherheit der Beschäftigten nötig sind, und diese ihre Einwilligung gegeben haben. Eine technische Überwachung ist nur aus Sicherheitsgründen und zur Erfassung von Arbeitsleistungen erlaubt. Auch hier musst du vorgängig informiert werden und zustimmen. Verboten ist das Abhören von Telefongesprächen oder das Lesen von persönlichen Mails. Für eine Überwachung im Internet braucht es Hinweise, dass du rechtswidrige Seiten mit pornografischem und rassistischem Inhalt oder mit Aufrufen zu Gewalt heruntergeladen oder verbreitet hast. Der Datenschutz regelt auch, welche Einträge in den Personalakten den Arbeitnehmerinnen nicht erlaubt sind: zum Beispiel keine Angaben zum Privatleben, zu deiner politischen Einstellung, zur Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft oder zur Gesundheit. Du hast ein Recht darauf zu wissen, was in deiner Akte steht. Über alle Datenschutzbestimmungen informiert ein Leitfaden des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten.

  • Der Schulunterricht an der Berufsfachschule ist in der Regel über die ganze Lehrzeit verteilt. Er dauert zwischen einem und zwei Tagen in der Woche. Wie der Schulunterricht während der Grundbildung besucht wird, regelt die Bildungsverordnung zum Beruf. Es gibt verschiedene Modelle: immer dieselbe Anzahl Schultage pro Woche; im ersten Lehrjahr zwei, im zweiten Lehrjahr eineinhalb Tage und im dritten Ausbildungsjahr noch ein Tag pro Woche; mehrmals jährlich Blockunterricht und danach längere schulfreie Arbeitszeiten usw. Ein Schultag darf nie länger als neun Stunden dauern. Zum Schulunterricht gehören auch Freikurse und Stützkurse, die maximal für einen halben Tag pro Woche besucht werden dürfen.

  • Die DBK ist die Deutschschweizerische Berufsbildungsämterkonferenz. Sie ist für die Koordination der kantonalen Berufsbildungsämter zuständig und informiert über wichtige Neuerungen in der Berufsbildung. Die entsprechende Stelle auf gesamtschweizerischer Ebene heisst SBBK (Schweizerische Berufsbildungsämter-Konferenz).

  • Jede zweite Person leidet irgendwann mal an einer mehrmonatigen Depression. Rund jeder zehnte Jugendliche zwischen 16 und 20 leidet sporadisch an Depressionssymptomen. In diesem Alter ist nach Unfällen Suizid die häufigste Todesursache. Wenn du unter Symptomen wie Schlaflosigkeit, Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Angst und Panik oder Suizidgedanken leidest, solltest du mit der Berufsbildnerin reden oder dich an die Beratungsstelle der Berufsfachschule wenden. Depressionen sind meist vorübergehend; es ist aber wichtig, rasch für Hilfe zu sorgen, um sich nicht in diesen Gefühlen einzunisten. Der Lehrbetrieb ist verpflichtet, Massnahmen zu deinem Gesundheitsschutz zu ergreifen. Du kannst aber auch beim Nottelefon 147 oder bei einer Beratungsstelle Hilfe suchen.

  • Will man in der Schweiz einen nicht reglementierten Beruf ausüben, ist die Anerkennung eines im Ausland erworbenen Diploms nicht nötig. Bei reglementierten Berufen ist dies jedoch unabdingbar. Für die Anerkennung ausländischer Diplome und Ausweise muss man sich ans Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) wenden. Einen Antrag stellen können Personen, die in der Schweiz wohnen, und Grenzgängerinnen. Bei den nicht reglementierten Berufen wird die Anerkennung der Diplome durch das Berufsbildungsgesetz geregelt. Wenn das Niveau oder die Dauer der Ausbildung im Ursprungsstaat leicht unter dem Schweizer Niveau liegen, kann das SBFI ausgleichende Massnahmen verlangen, etwa Fähigkeitsnachweise oder eine Anpas- sungsausbildung. Bei den reglementierten Berufen und bei Diplomen aus dem EU/EFTA-Raum wird die Anerkennung ausländischer Diplome im Abkommen zur Personenfreizügigkeit geregelt. Für Bürgerinnen aus den Nicht-EU-Ländern bestehen aber auch spezielle Abkommen mit besonderen Regelungen.

  • Der Unterricht an der Berufsfachschule ist obligatorisch. Doch die Schule kann dich von Teilen des Unterrichts dispensieren. Für die Dispensation von Schulfächern, die bei der Lehrabschlussprüfung zählen, braucht es auch die Zustimmung des Berufsbildungsamtes.

  • Kantone oder Gemeinden schreiben für die Berufsfachschulen Schulordnungen vor. Ein Teil der Schulordnung ist die Disziplinarordnung. Sie regelt die Strafen, wenn Verbote nicht eingehalten werden, wie zum Beispiel Verstösse gegen das Rauchverbot, Sachbeschädigungen, unentschuldigte Absenzen usw. Nicht erlaubt sind Geldbussen. Wenn du mit Strafen nicht einverstanden bist, kannst du Beschwerde einreichen.

  • Das Gesetz schreibt keinen 13. Monatslohn vor. Vielleicht gilt jedoch für deinen Ausbildungsbetrieb ein Gesamtarbeitsvertrag (GAV), der einen 13. Lohn festschreibt, allenfalls auch für Lernende. Wenn das nicht der Fall ist, dann ist die Frage nach dem Dreizehnten in deinem Arbeitsvertrag zu klären.

  • Am Arbeitsplatz und in der Berufsfachschule sind der Konsum von alkoholischen Getränken oder Drogen und das Kiffen verboten, Rauchen ist oft nur in speziellen Räumen erlaubt. Wenn Drogenkonsum aller Art während der Ausbildung zu Schwierigkeiten führt, benötigst du Unterstützung einer Beratungsstelle. Solche Stellen sind zur Verschwiegenheit verpflichtet und dürfen ohne deine Einwilligung keine Auskünfte geben. Der Lehrbetrieb darf keine Tests zum Nachweis von Drogenkonsum durchführen. Auch nicht als Bedingung, damit du die Lehrstelle erhältst. Solche Drogentests sind nur erlaubt, wenn ein Sicherheitsrisiko für dich oder andere Angestellte besteht. Doch auch dann musst du persönlich informiert und gefragt werden. Du hast das Recht, den Test zu verweigern. Der Lehrbetrieb kann dir deswegen nur kündigen, wenn er ein Risiko nachweisen kann. Wird mit deinem Einverständnis ein Test durchgeführt, fällt das Ergebnis unter das Arztgeheimnis. Der Arzt gibt nur eine Empfehlung ab, ob du für die Ausbildung geeignet bist oder sie weiterführen kannst. Wenn sich der Lehrbetrieb nicht an das Testverbot hält, informiere die Gewerkschaft.

  • Die Berufsabschlüsse der Grundbildung, die höhere Berufsbildung, die beruflichen Fachschulen und die Fachhochschulen werden vom Bund geregelt. Ein Ziel dieser Vereinheitlichung ist eine hohe Durchlässigkeit zwischen den Grund- und Weiterbildungen. In der Grundbildung bedeutet das, dass bei einem Wechsel in eine andere Berufsrichtung oder Qualifikationsstufe der bereits abgeschlossene Teil der Ausbildung angerechnet wird. Die Durchlässigkeit sichert Lernenden mit Berufsabschluss zu, dass sie sich nicht nur in ihrem Beruf weiterbilden können, sondern auch Zugang zu anderen Berufsbereichen oder zu Hochschulen haben. Dabei müssen auch Kompetenzen und Leistungen angerechnet werden, die du ausserhalb der Berufsbildung erworben hast.

  • Es gibt keine gesetzlichen Vorschriften zu den Eignungstests, die von vielen Lehrbetrieben bei der Auswahl der Lernenden verlangt werden. Die beiden bekannten Tests Basic- und Multicheck werden von Privatfirmen durchgeführt. Neben diesen häufigen Tests gibt es auch betriebsinterne Eignungsabklärungen. Wichtig ist deshalb, sich vor der Bewerbung zu informieren, ob und welche Tests verlangt werden. Die Berufsberatungen informieren über die Tests. Lass dich vom Ergebnis nicht zu sehr beeinflussen. Für die Auswahl ist die persönliche Eignung entscheidender. Deshalb führen viele Lehrbetriebe auch Schnupper- und Infotage durch, an denen du dich persönlich vorstellen kannst. Die Eignungstests sind umstritten, nicht zuletzt auch, weil sie kostenpflichtig sind. Ausserdem haben Untersuchungen gezeigt, dass bestimmte Personengruppen dadurch benachteiligt werden. Geplant ist nun, dass statt solcher Tests von allen Schülerinnen im achten Schuljahr ein Kompetenzprofil erstellt wird.

  • Bis zum 18. Geburtstag bist du der elterlichen Sorge unterstellt. Die Eltern oder ein Elternteil gelten als deine juristische Vertretung. Deine Einsicht sollte jedoch so fortgeschritten sein, dass du für alltägliches Handeln (kaufen, ausleihen, Garantien geben usw.) verantwortlich bist. Deine gesetzlichen Vertreter haften jedoch für deine Ausgaben (zum Beispiel für Telefonrechnungen, Kreditkarten usw.). Wenn du einen Vertrag abschliesst, muss er im Grundsatz von ihnen unterzeichnet sein, damit er gültig ist. Das kann auch im Nachhinein geschehen und macht dann den von dir eingegangenen Vertrag «endgültig» gültig. Sie müssen für deinen Unterhalt sorgen und dich bis zum Abschluss der beruflichen Grundbildung, sofern deren Dauer zumutbar ist, längstens aber bis zur Vollendung des 25. Altersjahrs, unterstützen.

  • Die Erwerbsersatzordnung regelt die Lohnfortzahlung während des Militär- oder Zivildienstes und bei Mutterschaft. Während des Militär- oder Zivildienstes wird der Lohn im ersten Anstellungsjahr für mindestens drei Wochen und dann pro Anstellungsjahr für eine zusätzliche Zeit weiter bezahlt. Lernende erhalten 80 Prozent des Lohnes. In vielen Gesamtarbeitsverträgen sind auch bessere Lohnfortzahlungen vereinbart. Wieviel die EO an den Erwerbsersatz bezahlt, hängt von der Art des Militärdienstes (Rekrutenschule, WK oder andere Dienste), vom letzten Lohn und von der familiären Situation ab. Während der Mutterschaft erhalten alle erwerbstätigen und als arbeitslos gemeldeten Mütter während 14 Wochen (98 Tagen) 80 Prozent des letzten Lohnes, höchstens aber 196 Franken pro Tag, über die EO bezahlt.

  • Essstörungen sind eine häufige Krankheit, die vor allem junge Frauen und Männer betrifft. In der Schweiz gibt es gegen 200’000 Personen mit dieser Krankheit. Wenn sie nicht behandelt wird, kann sie chronisch werden und die Ausbildung gefährden. Die Krankheit tritt in den Formen Anorexie (zwanghaftes Abnehmen) und Bulimie (Esszwang mit Erbrechen) auf. Wenn du Probleme mit dem Essen hast, lass dir bei einer Beratungsstelle helfen. Diese Stellen sind der Schweigepflicht unterstellt.

  • Die Europäische Union (EU) bietet während der Ausbildung Jugendprogramme an: Austauschprogramme, Sprachkurse, Praktika usw. Informationen, auch zur Anerkennung von bereits erworbenen Abschlüssen, erhältst du beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), dem Staatssekretariat für Migration und bei den kantonalen Berufsbildungsämtern. Direkte Kontakte zu verschiedenen Angeboten für Jugendliche bieten auch die Portale der europäischen Jugendorganisationen an.

  • Der eidgenössische Fachausweis ist ein Diplom, das es für eine ganze Reihe von Berufen gibt. Viele Fachausweise stehen auch jenen offen, die eine Lehre abgeschlossen haben. Der Fachausweis kann auch zur Bewilligung der Ausbildung von Lehrlingen führen.

  • Sieben öffentliche und zwei private Fachhochschulen bieten in der Schweiz in insgesamt 60 Teilschulen um die 200 Lehrgänge an. Alle Diplomstudiengänge dauern drei Jahre und berechtigen bei erfolgreichem Abschluss, den geschützten Titel FH zu führen. Für berufsbegleitende Studiengänge wird eine Berufstätigkeit von mindestens 50 Prozent vorgeschrieben. Sie dauern mindestens vier Jahre. Nach dem FH-Abschluss besteht die Möglichkeit, Nachdiplomstudiengänge zu absolvieren, die auch Abschlüsse mit Master- oder Doktor-Titel anbieten. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) führt für die vom Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) anerkannten Studiengänge im Internet eine Liste. Mit der Berufsmaturität kannst du prüfungsfrei an der Fachhochschule studieren. Für einige Studiengänge werden allerdings Bewerbungsverfahren in Form von schriftlichen Tests, Gesprächen und Assessments durchgeführt. Auch mit einer Fachmaturität oder Gymnasialmaturität ist die Zulassung möglich, wenn ein Jahr berufliche Praxis nachgewiesen werden kann. Mit bestimmten Abschlüssen der höheren Berufsbildung, zum Beispiel Fachausweisen und Fachschulen, gibt es erleichterte Zulassungen.

  • Die Fachmittelschulen bereiten auf Berufe in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Pädagogik, Kunst, Kommunikation/Medien und Psychologie vor. Eine andere Bezeichnung ist auch Fachmaturitätsschule. Die Vollzeitausbildung dauert drei Jahre. Mit dem Fachmittelschuldiplom hast du Zugang zu den Höheren Fachschulen. Die Fachmittelschule kann aber auch mit einer Fachmaturität abgeschlossen werden. Dieser Abschluss ermöglicht ein Studium in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Pädagogik, Kunst, Kommunikation/Medien und Psychologie an Fachhochschulen und an Pädagogischen Hochschulen. Für die Fachmaturität werden je nach beruflicher Ausrichtung zwischen 12 und 40 Wochen Praxis im Beruf verlangt.

  • Voraussetzungen für die Zulassung zu einer höheren Fachprüfung (Diplom) sind mehrere Jahre Berufspraxis und Fachwissen im Beruf. Die Zulassungsbedingungen beschliessen die Berufsverbände und andere Organisationen der Arbeitswelt. Sie müssen vom Bund bewilligt werden. An den Berufsfachschulen, aber auch von Privaten, werden Vorbereitungen auf die Berufsprüfungen und höheren Fachprüfungen angeboten. Für einen Beruf gibt es immer nur eine Berufsprüfung und höhere Fachprüfung mit anerkanntem Diplom und geschützter Berufsbezeichnung. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) führt im Internet eine Liste.

  • Höhere Fachschulen gibt es für sieben Berufsbereiche. Sie bereiten auf das eidgenös- sisch anerkannte HF-Diplom vor. Das Fähigkeitszeugnis wird als Abschluss und auch als Berufserfahrung angerechnet. Die HF kann als Vollzeitschule oder berufsbegleitend besucht werden. Sie dauert mindestens zwei Jahre, berufsbegleitend mindestens drei Jahre. Der Bund legt fest, welche HF-Titel eidgenössisch anerkannt und als Berufsbezeichnung geschützt sind.

  • Das eidgenössische Fähigkeitszeugnis (EFZ) ist der Nachweis, dass du die Lehrabschlussprüfung bzw. das Qualifikationsverfahren für die Grundbildung in deinem Beruf bestanden hast. Die Berufsbezeichnung im Fähigkeitszeugnis ist geschützt. Das Zeugnis wird vom Kanton ausgestellt. Das EFZ ist Voraussetzung, damit du dich an die Berufsmaturitätsprüfung anmelden kannst, wenn du diese nach Lehrabschluss nachholen willst, oder an Berufs- und Fachprüfungen. Wenn du im Ausland arbeiten möchtest, kannst du die Bestätigung des Fähigkeitszeugnisses beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) auf Englisch verlangen.

  • Jedes Kind begründet einen Anspruch auf Familienzulagen. Sie werden für leibliche und für Adoptivkinder ausbezahlt. Sie bestehen aus einer einmaligen Auszahlung nach der Geburt des Kindes und aus Zulagen, die Arbeitgeberinnen monatlich an erwerbstätige Eltern (und an Arbeitslose) auszahlen. Festgelegt werden die Zulagen von den Kantonen, doch es gelten Mindestansätze für die ganze Schweiz. Ab Geburt bis zum 16. Altersjahr beträgt die Kinderzulage mindestens 200 Franken pro Kind. Bei erwerbsunfähigen Kindern wird sie bis zum 20. Lebensjahr ausbezahlt. Vom 16. bis zum 25. Altersjahr muss eine Ausbildungszulage von mindestens 250 Franken bezahlt werden. Auf Antrag kann dir die Ausbildungszulage ab dem 18. Lebensjahr direkt ausbezahlt werden. In 12 Kantonen (AG, FR, GL, GR, LU, SG, SH, SO, TI, ZG, ZH, VD) erhalten Mütter oder Eltern mit niedrigem Einkommen zwischen einem und drei Jahre lang Bedarfsleistungen für Kleinkinder.

  • In der Schweiz gibt es einen nationalen (1. August) und mehrere kantonale Feiertage, die kirchliche oder andere Traditionen aufnehmen. An diesen Feiertagen muss dir der Betrieb frei geben. Für Ausnahmen braucht er eine Bewilligung der zuständigen kantonalen Behörde. Der 1. August wie auch die anderen Feiertage sind zu entlöhnen. Sie können auch nicht an dein Ferienguthaben angerechnet werden. Wenn jedoch ein solcher Feiertag auf einen arbeitsfreien Tag fällt (Samstag oder Sonntag), dann kannst du ihn nicht kompensieren (etwa einen Wochentag freinehmen). In den meisten Gesamtarbeitsverträgen (GAV) ist die Lohnfortzahlung für die Feiertage und der Lohnzuschlag für die Arbeit während der Feiertage geregelt. Auskunft geben die Gewerkschaften.

  • Jugendliche haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf mindestens fünf Wochen Ferien. Du musst deiner Berufsbildnerin genügend früh bekannt geben, wann du die Ferien beziehen möchtest. Die Arbeitgeberin bestimmt danach den Zeitpunkt der Ferien, darf diesen aber nach der Bewilligung nicht mehr widerrufen. Mindestens zwei Wochen Ferien musst du zusammenhängend beziehen können. Einige Gesamtarbeitsverträge (GAV) sehen für Jugendliche mehr als fünf Wochen Ferien vor. Jugendurlaub gilt nicht als Ferien. Die Gewerkschaften fordern mindestens sieben Wochen Ferien für Jugendliche. Ferien dürfen nicht ausbezahlt werden. In vielen Betrieben gibt es einen verbindlichen Ferienplan. Wenn du während der Ferien krank wirst, musst du ein Arztzeugnis haben, damit dir die Krankheitstage nicht als Ferien verrechnet werden. Der Betrieb hat das Recht, deine Ferien nach zwei Monaten Abwesenheit wegen Krankheit, Unfall oder Militärdienst um einen Zwölftel zu kürzen und für jeden zusätzlichen Monat um einen weiteren Zwölftel. Eine Kürzung wegen Schwangerschaft und Mutterschaft ist nicht erlaubt.

  • Dank der Gewerkschaften wurden sogenannte flankierende Massnahmen zur Personenfreizügigkeit zwischen der EU und der Schweiz erlassen. Sie sollen die Arbeitnehmerinnen vor Lohndumping und Verschlechterung der Arbeitsbedingungen schützen. Dazu gehört, dass der Bundesrat Gesamtarbeitverträge (GAV) für eine ganze Branche allgemeinverbindlich erklären und der Kanton bei Lohndumping einen befristeten Normalarbeitsvertrag mit Mindestlöhnen erlassen kann. Die Einhaltung der Vorschriften wird durch Inspektorinnen kontrolliert. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) veröffentlicht eine Liste der AVE-GAV und der Normalarbeitsverträge in den Kantonen sowie aller gebüssten Betriebe. Arbeitnehmerinnen, die von Betrieben mit Sitz im Ausland in der Schweiz arbeiten, unterstehen dem Entsendegesetz. Entsandte Arbeitnehmerinnen müssen bei der zuständigen kantonalen Stelle angemeldet werden, bevor sie in die Schweiz kommen. In bestimmten Branchen, die besonders anfällig für Lohndumping sind (Bau, Gastgewerbe, Reinigung, Sicherheit und Bewachung, Handelsreisende), gilt für alle EU-Länder eine sofortige Meldepflicht ab dem ersten Anstellungstag. Die Betriebe verpflichten sich, bei den Arbeitsbedingungen und Löhnen die Mindeststandards in der Schweiz einzuhalten.

  • Du kannst während der Arbeitszeit bis zu einem halben Tag pro Woche Freikurse besuchen. Der Lehrbetrieb muss dir die Zeit dafür bewilligen und darf auch keinen Lohnabzug machen. Er kann aber die Bewilligung zurückziehen, wenn deine Leistungen in der Schule und/oder bei der Arbeit ungenügend sind. Bei Uneinigkeit zwischen dir und der Ausbildnerin entscheidet das kantonale Berufsbildungsamt. Die Berufsfachschulen sind verpflichtet, genügend Freikurse, insbesondere Sprachkurse, anzubieten. So kannst du während der Grundbildung anerkannte Abschlüsse in Fremdsprachen oder in der Informatik erwerben. Diese werden für die Berufsmaturität oder Prüfungen der höheren Berufsbildung angerechnet.

  • Für die Abschlussprüfung muss dir das Unternehmen frei geben, und das ohne Lohnabzug. Das ist auch der Fall, wenn du die Prüfung nach dem Ende der Ausbildung machst, aber immer noch im Unternehmen angestellt bist. Wenn du bei der Prüfung jedoch schon in einem anderen Betrieb bist, entfällt der Lohnanspruch. Vom Gesetz her gibt es keinen Anspruch auf Freizeit zur Vorbereitung der Prüfung. Du kannst aber bei der Ausbildnerin anfragen. Sie entscheidet dann.

  • Neben Freikursen während der obligatorischen Schulzeit bieten viele Berufsfachschulen auch Freizeitkurse bzw. Weiterbildungskurse an. Solche Kurse kannst du freiwillig besuchen. Sie bieten die Möglichkeit, während der Grundbildung eine weitere Fremdsprache zu lernen oder ein Informatik-Zertifikat abzuschliessen. Grössere Schulen führen auch spezielle Kurse für Jugendliche zu Themen wie Persönlichkeitsförderung und Freizeitgestaltung durch. Erkundige dich im Lehrbetrieb, ob dieser einen Kostenbeitrag leistet.

  • Der Lehrvertrag wird für die ganze Zeit der beruflichen Grundbildung abgeschlossen. Eine fristlose Auflösung des Lehrvertrags ist nur bei gewichtigen Gründen möglich. Als wichtige Gründe gelten, wenn du geistig oder körperlich den Anforderungen der Ausbildung nicht gewachsen bist. In diesem Fall muss man dich und deine gesetzliche Vertretung jedoch vor Aussprechen der Kündi- gung anhören. Ein anderer wichtiger Grund ist, wenn sich im Betrieb während der Grundbildung soviel ändert, dass die Ausbildung nicht mehr oder nur unter sehr schwierigen Bedingungen beendet werden kann. Auch du selbst kannst den Lehrvertrag fristlos kündigen. Als wichtiger Grund gilt da, wenn der Berufsbildnerin die beruflichen Fähigkeiten oder die persönliche Eignung für die Ausbildung fehlen. Bei einer Kündigung des Lehrvertrags muss sofort das Berufsbildungsamt und auch die Berufsfachschule informiert werden. Neben diesen besonderen Gründen für eine fristlose Kündigung für Lernende gibt es auch solche, die für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitgeberinnen gelten. Unbestrittene Kündigungsgründe sind, wenn eine Fortsetzung der Arbeit nicht mehr zumutbar ist, zum Beispiel nach strafbaren Handlungen oder wenn die Arbeit dich gesundheitlich schwer schädigt. Bei Uneinigkeit entscheidet das Arbeitsgericht. Wenn der Lehrbetrieb dir ungerechtfertigt kündigt, hast du Anspruch auf die Auszahlung des Lohnes bis zum Ende der Ausbildung, unter Abzug des gleichzeitig in anderer Arbeit erzielten Lohnes. Dazukommen kann eine Entschädigung von maximal 6 Monatslöhnen. Der Richter legt deren Höhe je nach Umständen fest (Schadensmass, Dauer der Arbeitsbeziehung, Schwierigkeit, eine neue Lehrstelle zu finden usw.). Wenn du ohne wichtigen Grund der Arbeit fernbleibst, kann die Arbeitgeberin eine Entschädigung verlangen, die einem Viertel deines Monatslohnes entspricht sowie der Wiedergutmachung jedes zusätzlichen Schadens. Diese Entschädigung muss der Betrieb innerhalb von 30 Tagen nach deinem Arbeitsabbruch mit einer Klage oder einer Betreibung geltend machen, danach hat er keinen Anspruch mehr.

  • Als gefährliche Arbeit gilt jene, die deiner Gesundheit, Ausbildung, dem Jugendschutz oder deiner körperlichen und geistigen Entwicklung schaden könnte. Minderjährige dürfen nicht zu gefährlichen Arbeiten herangezogen werden. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) können für 15- bis 18-Jährige Ausnahmen festlegen, aber nur im Rahmen der Berufsbildung und wenn die gefährliche Arbeit unerlässlich ist, um die Ziele der Ausbildung zu erreichen. Das WBF definiert, welche Arbeiten gefährlich sind. Dabei hat es zu berücksichtigen, dass die Jugendlichen aufgrund mangelnder Erfahrung und Ausbildung nicht über das gleiche Gefahrenbewusstsein verfügen wie die Erwachsenen. Auf gewerkschaftliche Intervention hin sind die Vorschriften des entsprechenden Jugendschutzes verschärft worden. Die ausbildenden Betriebe müssen heute für die Lernenden, die gefährliche Arbeit zu verrichten haben, spezifische Schutzmassnahmen ergreifen.

  • Im Zusammenhang mit der gesetzlich vorgeschriebenen Gleichstellung von Frauen und Männern begegnest du immer wieder Begriffen wie «Gender» oder «Gender Mainstreaming». Gender bedeutet geschlechtstypisch und weist auf Ungerechtigkeiten hin, die durch die unterschiedliche gesellschaftliche Stellung entstehen. «Gender Mainstreaming» setzt sich zum Ziel, dass Frauen und Männer in allen Lebensbereichen dieselben Chancen haben. In der Berufsbildung bestehen bei der Berufswahl und Weiterbildung aber noch grosse Unterschiede: Eine Mehrheit der Frauen wählen kürzere, oft frauentypische Ausbildungen mit weniger Karrieremöglichkeiten. Beim Berufsmaturitätsabschluss und in den Fachhochschulen sind Männer in der Mehrheit. Das Berufsbildungsgesetz schreibt vor, dass die Chancengleichheit gefördert werden muss. Dafür werden Projekte finanziell unterstützt. Berufsbildungsverantwortliche müssen sich während ihrer Ausbildung mit Genderfragen beschäftigen.

  • Gesamtarbeitsverträge werden zwischen Arbeitgebern und Vertreterinnen der Arbeitnehmerinnen eines bestimmten Berufs, einer Branche oder eines Unternehmens verhandelt. Es gibt über 600 GAV, denen rund 1,8 Millionen Beschäftigte unterstellt sind. Der GAV ist national, kantonal oder regional gültig. Im GAV sind Arbeitszeit, Ferien, Bildungsurlaub, Lohn, Rechte und Pflichten, Mitsprache usw. geregelt. Wo keine Gesamtarbeitsverträge bestehen, kann der Kanton zum Schutz der Arbeitnehmerinnen Normalarbeitsverträge mit Mindestlohnvorschriften erlassen. Die Gewerkschaften verlangen, dass Lernende wie die anderen Beschäftigten dem GAV unterstellt sind. Diese Forderung ist noch nicht in allen GAV erfüllt, doch einige enthalten spezielle Vereinbarungen für Lernende. Wenn die Lernenden vom GAV ausgeschlossen sind, gelten für sie die gesetzlichen Bestimmungen. Informationen erhältst du bei der Betriebskommission im Lehrbetrieb oder bei der Gewerkschaft. Ein nicht allgemein verbindlicher GAV gilt grundsätzlich nur für die Mitglieder seiner Vertragsparteien: Nur die Gewerkschaftsmitglieder können sich also auf die Bestimmungen des GAV berufen. Ein allgemeinverbindlich erklärter GAV (AVE-GAV) gilt hin- gegen für alle Arbeitnehmerinnen der betroffenen Bran- che oder Region.

  • Die Eltern, ein Elternteil oder ein gesetzlicher Beistand vertreten dich bis zum vollendeten 18. Lebensjahr. Sie unterzeichnen für dich den Lehrvertrag und verpflichten sich, dich während der Ausbildung zu unterstützen. Sie haben auch die Ausbilderin zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass du einen guten Umgang mit ihr hast. Auch wenn du nicht volljährig bist, kannst du jedoch weniger wichtige Verträge und Verantwortlichkeiten unabhängig der Zustimmung der Eltern eingehen.

  • Der Lehrbetrieb muss für Arbeitssicherheit und Gesundheit der Angestellten sorgen. Zur Gesundheit gehört nicht nur der Schutz vor gefährlichen Arbeiten, sondern auch vor Diskriminierungen und Belästigungen sowie die Unterstützung bei Lernschwierigkeiten in Form von Fördermassnahmen oder Prüfungserleichterungen. In den Berufsfachschulen werden Präventionskampagnen zu Themen wie Sucht, Stress, Drogen, Aids usw. durchgeführt. Internetportale bieten dir die Möglichkeit, Fragen zu Gesundheitsthemen zu stellen und sie vermitteln Adressen von Beratungsstellen.

  • Alle Berufe in den Bereichen Gesundheit, Soziales und Kunst (GSK) werden heute vom Bund geregelt. Neue Berufe, z. B. Fachangestellte Gesundheit (FaGe), Fachfrau Betreuung (FaBe), G werden mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis oder der Berufsmaturität abgeschlossen. Für einige der bisher vom Kanton geregelten GSK-Berufe braucht es weiterhin eine Diplomausbildung an der Höheren Fachschule. Verlangt wird dafür ein Fähigkeitszeugnis oder ein Abschluss der Fachmittelschule. Für die Bereiche Gesundheit, Soziales und Kunst werden auch Studiengänge an den Fachhochschulen angeboten. Diese anerkennen neben der Berufsmaturität auch Bildungsnachweise anderer Institutionen. Informationen über die Zulassungsbedingungen zu den Ausbildungen in den GSK-Berufen geben die Berufsinformationszentren und die Berufsberatungen.

  • In vielen Berufsfachschulen bestehen Massnahmen gegen Gewalt in Form von Vandalismus, politischem Extremismus und Rassismus usw. In der Disziplinarordnung ist festgehalten, dass solche Formen von Gewalt nicht geduldet und Lernende bei schweren Verstössen aus der Schule ausgeschlossen werden. Wenn du selber in der Berufsfachschule oder im Lehrbetrieb Gewalt erlebst, wende dich an die schulinterne Beratungsstelle oder an die Berufsbildnerin. Hilfe bieten auch externe Beratungsstellen, Gewerkschaften und Berufsverbände.

  • Die Gewerkschaften vertreten die Anliegen und Interessen der Arbeitnehmerinnen gegenüber den Arbeitgeberinnen und den Behörden. Alle Arbeitnehmerinnen können einer Gewerkschaft beitreten, also auch Lernende. Deine Ausbildnerin darf dir dies nicht ausreden und schon gar nicht verbieten. Bei Minderjährigen haben auch die Eltern zu unterschreiben. Die Gewerkschaft garantiert dir bei Schwierigkeiten und Streit kostenlose Rechtsberatung und setzt sich für gute Arbeitsbedingungen, bessere Löhne, mehr Lehrstellen und gute Bildungsangebote ein. Sie gibt wichtige Informationen zu Veränderungen in der Berufsbildung und in der Arbeitswelt. Jugendliche haben ein eigenes Internetportal mit Themen und Angeboten und bezahlen weniger Mitgliederbeitrag.
    address Gewerkschaften

  • Die Bundesverfassung garantiert die Gleichstellung zwischen Frauen und Männern. Dazu gehört auch das Recht auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit. Das Gleichstellungsgesetz schreibt vor, dass Frauen und Männer bei der Anstellung, beim Lohn, der Zuteilung der Arbeit und bei der Beförderung gegenüber dem andern Geschlecht nicht benachteiligt werden dürfen. Eine direkte Diskriminierung besteht, wenn du wegen des Geschlechts eine Lehrstelle nicht erhältst, an der Arbeitsstelle andere Arbeiten als die Kollegen verrichten musst oder bei vergleichbarer Erfahrung und Ausbildung weniger Lohn als sie erhältst. Melde eine solche Benachteiligung bei der Betriebskommission. Wenn sich nichts ändert, kannst du bei der Schlichtungsstelle oder vor Gericht verlangen, dass die Diskriminierung festgestellt und beseitigt wird und du entschädigt wirst. Eine solche Feststellungsklage kann innerhalb von fünf Jahren eingereicht werden. Unterstützung geben die Gewerkschaften und Beratungsstellen für die Gleichstellung von Frauen und Männern. Während eines Schlichtungs- und Gerichtsverfahrens sind Klägerinnen immer vor Kündigung geschützt. Informationen zum Gleichstellungsgesetz und die Adressen der Schlichtungsstellen findest du im Internet.

  • Die Gratifikation ist eine besondere Geldleistung des Lehrbetriebs, zum Beispiel auf Jahresende, zu einem Jubiläum oder als Anerkennung der Qualität deiner Arbeit. Sie wird freiwillig ausbezahlt, allerdings nur dann, wenn im Lehrvertrag nicht eine Vereinbarung besteht, dass du automatisch Gratifikationen erhältst. Wenn dein Arbeitsverhältnis zu Ende geht, bevor die Gratifikation ausbezahlt wird (z.B. Weihnachten oder Jahresende), dann hast du Anrecht auf den entsprechenden Anteil der Grati- fikation, sofern dies dein Vertrag vorsieht. Die Gratifikation ist nicht mit dem 13. Monatslohn zu verwechseln. Dieser ist, sofern in deinem Vertrag vorgesehen, Teil des Lohnes und muss vom Lehrbetrieb unabhängig deiner Arbeitsqualität und des Jahresabschlusses ausbezahlt werden.

  • Wenn du deinen Wohnsitz in einem Nachbarland hast, kannst du die Lehre gleichwohl in einem Schweizer Betrieb absolvieren. Leider verbinden viele Betriebe die Anstellung von Grenzgängerinnen, Lernenden wie Berufsleuten, mit Lohndruck. Es ist aber klar: Du hast die gleichen Rechte und Pflichten wie deine lernenden Schweizer Kolleginnen. Dein Lohn ist in Schweizer Franken zu zahlen und du darfst gegenüber deinen Nicht-Grenzgängerinnen-Kolleginnen nicht diskriminiert werden. Schlag auch im Gesamtarbeitsvertrag (GAV) nach, wenn es einen gibt. Viele GAV enthalten nämlich auch Bestimmungen zu den Grenzgängerinnen. Wende dich bei Zweifeln über dein Statut an deine Gewerkschaft oder an das kantonale Berufsbildungsamt.

  • Die Lehre wird im Gesetz als berufliche Grundbildung festgehalten. Die Lernenden machen ihre Grundbildung in einem Lehrbetrieb, einem Lehrbetriebsverbund von verschiedenen Betrieben oder in einer Lehrwerkstätte, die vom Kanton oder einer Organisation geführt wird. Die Grundbildung besteht aus der theoretischen Ausbildung und der beruflichen Praxis im Lehrbetrieb. Als ergänzender Teil der Betriebsausbildung finden überbetriebliche Kurse statt. Die berufliche Grundbildung dauert zwei bis vier Jahre und wird mit einem eidgenössischen Berufsattest, dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis und allenfalls mit der Berufsmaturität abgeschlossen. Auch anerkannte Handels- und Informatikmittelschulen können eine berufliche Grundbildung vermitteln. Die Grundbildung soll den Lernenden bestimmte Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln: berufsspezifische Qualifikationen, um später den Beruf ausüben zu können; Allgemeinbildung, um sich auf dem Arbeitsmarkt behaupten und in die Gesellschaft integrieren zu können; wirtschaftliche, ökologische, soziale und kulturelle Qualifikationen für eine nachhaltige Entwicklung; Selbständigkeit im Denken und die Fähigkeit und Bereitschaft zum lebenslangen Lernen; kritische Meinungsbildung und Entschlussfähigkeit.

  • Handelsmittelschulen (HMS) und Informatikmittelschulen (IMS) bieten die Grundbildung als schulisches Vollzeitangebot an und dürfen eidgenössisch anerkannte Fähigkeitszeugnisse abgeben. Sie müssen ihre Lehrgänge an die Anforderungen anpassen, die für das Fähigkeitszeugnis als Kaufmann/Kauffrau oder Fachmann/Fachfrau Informatik gelten. Und sie müssen gewährleisten, dass du während der Ausbildung Praktika in einem Betrieb machst. Diese Praktika müssen von der Schule organisiert werden. Sie übernimmt die Verantwortung für eine Betreuung und vereinbart Ausbildungsziele. Wenn ein Praktikum länger als sechs Monate dauert, muss mit dem Betrieb ein Vertrag abgeschlossen werden. Der Vertrag gilt erst, wenn er vom Berufsbildungsamt genehmigt ist. Handels- und Informatikmittelschulen benötigen eine Ausbildungsbewilligung. Handelsschulen, welche keine solche Bewilligung haben, geben nur schulinterne Diplome ab.

  • Zur Höheren Berufsbildung gehören die Berufsprüfungen (Fachausweis) und Höheren Fachprüfungen (Diplom) sowie die Höheren Fachschulen. Wenn du die Vorbereitungskurse für die Berufsprüfungen absolvierst, musst du die Kosten in der Regel selbst tragen. Die Gewerkschaften fordern seit Jahren, dass der Staat diese Kurse subventioniert, wie er dies für die Hochschulen tut. Ab 2018 sollte sich die Lage bessern: Jeder Person, die sich den Berufsprüfungen stellt, sollte der Bund einen Teil der Kosten rückvergüten. Zudem sehen gewisse Gesamtarbeitsverträge (GAV) für sich so Weiterbildende Unterstützung vor. Informiere dich dazu bei deiner Gewerkschaft oder beim kantonalen Berufsbildungsamt.

  • Illettrismus ist die Bezeichnung für mangelnde Grundfertigkeiten im Lesen und Schreiben. Gründe dafür, dass Erwachsene trotz obligatorischer Schulpflicht Lese- und Schreibschwierigkeiten haben, gibt es verschiedene: nicht entdeckte Legasthenie, Schulangst, ein schwieriges soziales Umfeld usw. Lesen und Schreiben sind eine wichtige Voraussetzung, um sich im Arbeitsleben gut integrieren zu können. Alle Kantone bieten spezielle Kurse an, in welchen Erwachsene diese Grundfertigkeiten verbessern können. Besondere Kurse wenden sich an Migrantinnen, die nicht lesen und schreiben können, weil sie im Herkunftsland gar nicht oder nur für kurze Zeit eine Schule besuchen konnten.

  • Mehr als ein Fünftel aller Jugendlichen (18- 24 Jahre) ausländischer Herkunft machen nach der obligatorischen keine weitere Ausbildung. Gründe dafür sind nicht nur schulische Schwächen oder Sprachschwierigkeiten, sondern vor allem Diskriminierung. Versuche mit anonymisierten Bewerbungen zeigen, dass ihre Fähigkeiten denen der Schweizer Jugendlichen ebenbürtig sind. Das Berufsbildungsgesetz sieht vor, dass für alle Jugendlichen unabhängig ihrer Herkunft dieselben Chancen gelten müssen. Wenn sie gewisse Bedingungen erfüllen (5 Jahre ununterbrochener Grundschulbesuch in der Schweiz, gut integriert usw.), dann haben künftig auch junge Sans-Papiers Zugang zur Lehre. Mit einem Case-Management, das bereits in der Abschlussklasse der Sekundarschule beginnt, werden Jugendliche mit schwierigen Voraussetzungen bei der Lehrstellensuche begleitet. Berufsbildnerinnen können sich dabei an eine Telefon-Helpline wenden (0800 44 00 88). Das Ziel ist, dass 95 Prozent der Jugendlichen (statt wie heute 89 Prozent) eine Ausbildung in der Sekundarstufe II machen. Jugendliche mit Lernschwierigkeiten, insbesondere auch solche ausländischer Herkunft, können nach dem Schulabschluss in Berufsintegrationsprogrammen schulische Lücken schliessen. Angeboten werden diese Programme vom Kanton, oft zusammen mit Ausländerorganisationen; durchgeführt werden sie auch von Gewerkschaften. Die Angebote richten sich nicht nur an Schulabgängerinnen, sondern an Jugendliche bis etwa 21 Jahren. Was in deinem Kanton angeboten wird, wissen die regionalen Arbeitsvermittlungen (RAV), Gewerkschaften und Jugendberatungsstellen.

  • Der Lehrbetrieb kann verbieten, dass du während der Arbeitszeit private Mails liest und verschickst, im Internet surfst oder private Telefonanrufe erledigst. Er darf aber das Telefon nicht abhören und keine privaten Mails lesen. Bei einem Verdacht auf Missbrauch kann er die gewählten Nummern und Adressen feststellen lassen. In vielen Betrieben gibt es Regelungen, ob und wie lange Internet, E-Mail und Telefon während der Arbeitszeit privat genutzt werden dürfen. Der Betrieb kann den Zugang zu Sites sperren, die nichts mit deiner Ausbildung zu tun haben. Manchmal ist den Mitarbeitenden aber gestattet, während der Pause privat auf dem Netz zu surfen. Wenn privates Surfen auf dem Netz während der Arbeit erlaubt ist, dann ist gewöhnlich um die so verbrachte Zeit länger zu arbeiten. Wenn der Lehrbetrieb annehmen muss, dass du dich nicht an die Vorschriften hältst, darf er Stichproben durchführen. Das Besuchen oder Herunterladen von Sei- ten mit rechtswidrigen Inhalten (Porno oder anderes) kann zu einer fristlosen Kündigung führen. Technisch gesehen ist es jederzeit möglich, deine E-Mails zu lesen und dei- ne Bewegungen im Internet zu überwachen. Wenn du dich nicht an das Verbot privater Kommunikation hältst, kann der Betrieb Sanktionen gegen dich aussprechen. Zugang zum Inhalt deiner Botschaften hat der Betrieb dabei den- noch nicht, da diese als vertraulich gelten. Das gilt jedoch nicht, wenn der Betrieb annehmen muss, dass du etwas Verbotenes getan hast (z. B. Weiterleiten von Daten, die vom Berufs- oder Betriebsgeheimnis geschützt sind). Gibt es deswegen Probleme oder bestehen Beweise, dass das Überwachungsverbot nicht eingehalten wird, wende dich an die Gewerkschaft oder an den Datenschutzbeauftragten.

  • Nach dem 18. Lebensjahr muss der Lehrbetrieb obligatorisch einen Versicherungsbeitrag für die IV vom Lohn abziehen. Auf dem Lohnausweis wird dieser Abzug zusammen mit dem Beitrag an die AHV und die EO ausgewiesen. Die IV bezahlt nach einem Unfall oder einer Krankheit Eingliederungsmassnahmen (bei einem Berufswechsel) und eine Rente, wenn du nur noch teilweise oder gar nicht mehr arbeiten kannst. Jugendliche, die noch nicht volljährig sind, erhalten eine Hilflosenentschädigung. Seit 1995 hat sich die Zahl der IV-Empfänger/innen unter 20 Jahren verdreifacht. Die Höhe der Leistungen indessen hat sich mit dem Gesetz von 2014 und da vor allem wegen der Aufhebung des Karrierezuschlags verschlechtert. Die SGB-Jugendkommission fordert, dass alles unternommen wird, um von Invalidität bedrohten Jugendlichen eine gute Grundausbildung und echte Berufschancen zu verschaffen.

  • Die Jugendkommission des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes verlangt vom Bund Massnahmen, damit Betriebe, Lehrwerkstätten und Fachmittelschulen das Angebot an Ausbildungsplätzen erhöhen. In allen Kantonen sollen kostenlose Brückenangebote als Vorbereitung auf die Grundbildung angeboten werden. Für Jugendliche mit schulischen oder persönlichen Schwierigkeiten wird in allen Kantonen ein «Case-Management Berufsbildung» angeboten. Es hat zum Ziel, sie bereits in der Abschlussklasse der obligatorischen Schule oder im Zwischenjahr mit koordinierten Massnahmen zu fördern, damit sie eine Grundbildung beginnen können. Wenn du Schwierigkeiten bei der Suche nach einer Lehrstelle hast, kannst du dich auch an Beratungsstellen wenden. Spezialisierte Beratungen gibt es für Jugendliche, die den Einstieg in die Grundbildung nicht schaffen oder diese abgebrochen haben. Ein hohes Risiko arbeitslos zu werden, besteht aber auch nach dem Abschluss der Grundbildung. Die SGB-Jugendkommission fordert deshalb, dass Lernende nach Abschluss der Grundbildung für ein Jahr im Lehrbetrieb weiter arbeiten können. Betriebe ohne Lernende sollen für eine bestimmte Zeit in Zusammenarbeit mit der Arbeitslosenversicherung Teilzeitstellen, kombiniert mit Weiterbildung, anbieten. Alle Massnahmen, um den Übergang in die Berufsbildung und in die Arbeitswelt zu erleichtern, sind kantonal organisiert.

  • Für jugendliche Arbeitnehmerinnen gelten besondere gesetzliche Bestimmungen. Die Vorschriften sind in verschiedenen Gesetzen aufgeführt: im Arbeitsgesetz (ArG), in dessen Verordnungen (insbesondere die Jugendschutzverordnung ArGV 5), im Berufsbildungsgesetz (BBG), im Obligationenrecht (OR) und im Unfallversicherungsgesetz (UVG). Dazu gehören vor allem Regelungen zur Arbeitszeit – insbesondere Nachtarbeit und Sonntagsarbeit – und Schutzmassnahmen für die Gesundheit und Sicherheit und bei gefährlicher Arbeit. So dürfen Minderjährige keine gefährlichen Arbeiten leisten, die ihrer Gesundheit, Ausbildung, Sicherheit, physischen und psychischen Entwicklung schaden könnten. Ausnahmen von diesem Verbot sind nur möglich, wenn solche Arbeit unerlässlich ist, um die Ausbildungsziele der Grundbildung zu erreichen. Die Kantone müssen dies jedoch ausdrücklich bewilligen und zuvor die Lehraufsicht informieren. Zudem bleiben bei solchen Abweichungen flankierende Massnahmen vorbehalten. Schau auch im Gesamtarbeitsvertrag (GAV) nach, die GAV enthalten oft bessere Regelungen.

  • Junge Arbeitnehmerinnen und Lernende sind in den Gewerkschaften in besonderen Jugendgruppen organisiert. Diese vertreten die beruflichen und politischen Anliegen von Jugendlichen und beraten sie bei Problemen in der Ausbildung oder am Arbeitsplatz. Wenn es im Lehrbetrieb zu Streitigkeiten kommt, unterstützen sie Jugendliche mit Rechtsberatung und Rechtsschutz. Die Jugendgruppen sind aber auch ein Treffpunkt, um mit anderen Jugendlichen zu diskutieren und für gemeinsame Aktivitäten. Im Internet findest du unter der Gewerkschaft, die deine Berufsgruppe organisiert, die Jugendgruppen in der Region. Die Jugendkommission des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes führt ein eigenes Internetportal mit vielen Tipps und Informationen für junge Arbeitnehmerinnen und Links zu allen Gewerkschaften in der Schweiz und im Ausland.
    address Gewerkschaften

  • Über 65 Jugendorganisationen haben sich zur Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände SAJV zusammengeschlossen. Sie engagieren sich gemeinsam für Themen wie Bildungs- und Sozialpolitik, Mitspracherecht der Jugendlichen, Gesund- heit, Gleichstellung usw. Die SAJV informiert über aktuelle Kampagnen und Projekte und vernetzt viele Jugendorganisationen. Organisationen mit mehr als 500 Mitgliedern, die im ausserschulischen Bereich tätig sind, können vom Bund finanziell gestützt werden. Das gilt für Sprach- und internationalen Austausch oder für Information für Kinder und Jugendliche. Zuständig ist der Dienst für Jugendfragen im Bundesamt für Sozialversicherungen.

  • Wenn du in einer sozialen oder kulturellen Organisation mitarbeitest, hast du das Recht, dafür jedes Jahr eine Woche Jugendurlaub zu beziehen. Der Urlaub wird für die Leitung oder Betreuung von Veranstal- tungen, Lagern, Kursen oder für die eigene Weiterbildung in Freiwilligenarbeit gewährt. Er kann von allen Arbeitnehmerinnen bis zum 30. Altersjahr bezogen werden. Wenn du den Jugendurlaub im Lehrbetrieb mindestens zwei Monate vor Beginn anmeldest, muss er dir dafür freigeben. Du hast aber kein Recht auf Lohn während des Urlaubs, ausser für Leiterkurse von Jugend und Sport (J+S). In einigen GAV ist eine Lohnfortzahlung vereinbart worden. Informationen und spezielle Formulare für die Anmeldung des Ju- gendurlaubs findest du im Internet.

  • In vielen Berufsfachschulen können die Lernenden eine Klassensprecherin oder -vertreterin wählen. Die Klassenvertreterinnen treffen sich regelmässig mit der Schulleitung und besprechen mit ihr Forderungen der Schülerschaft. Sie können auch selber die Einberufung einer Konferenz und die Behandlung eines bestimmten Anliegens fordern. Eine solche Mitbestimmung, die in der Schulordnung geregelt wird, sollte eigentlich in allen Berufsfachschulen möglich sein. Denn das Berufsbildungsgesetz schreibt vor, dass Lernende ein angemessenes Mitspracherecht haben müssen.

  • Wenn der Lehrbetrieb dich nicht ausbildet, dir verbotene Arbeiten überträgt oder gesetzliche Bestimmungen verletzt, kannst du bei der Ausbildungsberaterin oder beim Berufsbildungsamt eine Kontrolle verlangen.

  • Die Krankenversicherung ist obligatorisch. Die Grundversicherung bezahlt alle Pflegeleistungen während Krankheit, Schwangerschaft, Spitalaufenthalten, sowie auch präventive Gesundheitsuntersuchungen. Diese Versicherung ist individuell. Solange du dich in Ausbildung befindest, längstens jedoch bis zum vollendeten 25. Altersjahr,haben im Grundsatz deine Eltern für die Gesundheitskosten und auch die Krankenkassenprämien aufzukommen. Jugendliche bis 25 erhalten bei den Krankenkassen Ermässigungen. Du kannst frei wählen, bei welcher Krankenkasse du eine Versicherung abschliessen willst. Die durch die Grundversicherung gedeckten Leistungen sind im Krankenversicherungsgesetz (KVG) aufgelistet. Sie sind bei jeder Kasse gleich. Im Fall von tiefem Einkommen kann man bei der zuständigen kantonalen Behörde ein Gesuch um Prämienverbilligung einreichen.

  • Bei Krankheit zahlt die Krankenversicherung die Pflegekosten, nicht aber den Lohnausfall. Ohne eine spezielle Regelung muss der Betrieb nur das gesetzliche Minimum an Lohnersatz leisten. Das bedeutet, dass er im ersten Lehrjahr für drei Wochen den Lohn weiter bezahlt, nachher gelten kantonal unterschiedliche Regelungen (Berner, Basler, Zürcher Skala). Viele Betriebe schliessen eine Krankentaggeldversicherung ab, die längere Lohnfortzahlungen leistet. Für diese Versicherung können sie einen Prämienbeitrag vom Lohn abziehen. Die geltende Regelung und der Lohnabzug sind im Lehrvertrag beschrieben. Auch die Gesamtarbeitsverträge (GAV) können Vereinbarungen über die Lohnfortzahlung bei Krankheit enthalten. Informationen, was in deinem Beruf und deinem Kanton üblich ist, und welche Prämienbeiträge beim Lohn abgezogen werden dürfen, erhältst du bei der Gewerkschaft oder beim Berufsbildungsamt. Wenn du nach dem Lehrabschluss vorübergehend einen Job annimmst, bist du in den ersten drei Monaten nicht gegen Krankheit versichert. Viele Firmen schliessen eine kollektive Krankentaggeldversicherung ab, die in der Regel 80 bis 100 Prozent des Lohnes für 720 Tage innerhalb von 900 Tagen deckt. Als Frau solltest du prüfen, ob diese Leistungen auch bei Schwangerschaft gelten.

  • Während der Ausbildung kann dir der Lehrbetrieb nur bei schwerwiegenden Gründen (Fehlen der verlangten körperlichen oder intellektuellen Fähigkeiten, Abschluss nur unter ganz anderen als ursprünglich vorgesehenen Bedingungen möglich) kündigen. Wenn der Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen schliessen muss, gelten die gesetzliche und vertragliche Kündigungsfrist. Arbeitest du nach dem Lehrabschluss im selben Betrieb weiter, wird die Grundbildung bei der Berechnung der Kündigungsfrist dazugezählt. Die Kündigungsregelungen für Arbeitnehmerinnen findest du im Obligationenrecht (OR). Nach der Probezeit beträgt die Kündigungsfrist für Arbeitnehmerin und Arbeitgeberin, wenn nichts anderes im Vertrag steht, im ersten Dienstjahr einen Monat, vom zweiten bis neunten Dienstjahr zwei Monate, nachher drei Monate. Im OR ist auch festgehalten, wann Kündigungen missbräuchlich oder diskriminierend sind und wie lange der Kündigungsschutz bei Krankheit, Mutterschaft oder Militärdienst dauert.

  • Die überbetrieblichen Kurse oder andere obligatorische Kurse der beruflichen Grundbildung sind für dich kostenlos. Auch dann, wenn sie ausserhalb des Lehrbetriebs und der Berufsfachschule stattfinden. Reisespesen und Verpflegung werden in der Regel vom Lehrbetrieb bezahlt. Wenn er die Spesen nicht übernimmt, erkundige dich beim Berufsbildungsamt, wo du Rückerstattung erhältst.

  • Der Lehrbetrieb kann aus wirtschaftlichen Gründen für die Beschäftigten Kurzarbeit einführen. Diese Kurzarbeitszeit gilt aber für Lernende nicht, denn der Lehrvertrag verpflichtet den Betrieb zu einer Vollzeitausbildung. In der Regel geht die Ausbildung also normal weiter. Wenn die Arbeitszeit dennoch vorübergehend kürzer ist, muss der Lehrbetrieb dir weiterhin den vollen Lohn bezahlen und dir garantieren, dass die Ausbildung nicht darunter leidet. Das gilt auch, wenn du für die Dauer der Kurzarbeit in einen anderen Betrieb versetzt wirst. Kurzarbeitstage dürfen dir nicht von den Ferien abgezogen werden. Wenn in der Lohnabrechnung dafür Ferien- oder Lohnabzüge gemacht oder weniger Sozialversicherungsabzüge abgerechnet werden, wende dich ans Berufsbildungsamt oder an deine Gewerkschaft.

  • Die Laufbahnberatung gehört zur öffentlichen Berufs- und Studienberatung des Kantons. Sie bietet einen Info-Service und persönliche Beratung. Die Laufbahnberatung dient vor allem dazu, dich nach dem Lehrabschluss bei Fragen zur beruflichen Weiterbildung, Entwicklungsmöglichkeiten, Umschulung in einen anderen Beruf, Studienwahl, Auslandaufenthalte usw. zu unterstützen. Ab dem 20. Altersjahr ist die Beratung in der Regel kostenpflichtig.

  • Wenn du an Legasthenie (Lese- und Schreibschwäche) oder Dyskalkulie (Schwierigkeit mit Zahlen und mathematischem Verständnis) leidest, hast du Anrecht auf Stützkurse und allenfalls auf eine Prüfungserleichterung bei der Lehrabschlussprüfung. Solche Prüfungserleichterungen werden gewährt, wenn trotz spezieller Förderung der Erfolg bei der Lehrabschlussprüfung (LAP) in Frage gestellt ist. Als Erleichterungen sind mehr Zeit und Pausen möglich, die Prüfungsaufgaben dürfen jedoch nicht verändert werden. Für eine solche Prüfungserleichterung musst du beim Berufsbildungsamt ein Gesuch stellen. Genaue Informationen gibt ein Merkblatt der Deutschschweizer Berufsbildungsämterkonferenz (DBK).

  • Für einen Lehrabbruch kann es verschiedene Gründe geben, zum Beispiel eine falsche Berufswahl, ungenügende Ausbildung, ein schlechtes Verhältnis zur Berufsbildnerin oder auch persönliche Probleme. Wenn du die Grundbildung abbrichst, muss der Lehrbetrieb sofort das Berufsbildungsamt und die Berufsschule informieren. Die Ausbildungsberaterin und die Berufsberatung unterstützen dich bei der Suche nach einem neuen Ausbildungsplatz. In einigen Kantonen gibt es spezielle Anlaufstellen, welche bei einem Lehrabbruch beraten. Wie auch immer: die zuständigen kantonalen Stellen müssen dir im Rahmen des Möglichen helfen, damit du eine deinen Fähigkeiten und Ansprüchen genügende Grundbildung absolvieren kannst. Melde dich sofort beim RAV an, damit du Arbeitslosenentschädigung erhältst und an Berufsintegrationsprogrammen für Stellensuchende teilnehmen kannst.

  • Die Lehrabschlussprüfung (LAP) bzw. das Qualifikationsverfahren für das Fähigkeitszeugnis bzw. die Validierung von Bildungsleistungen (= Anerkennung der beruflichen Erfahrung) kannst du auch ohne Ausbildung in einem Lehrbetrieb machen. Für die Zulassung werden mindestens fünf Jahre berufliche Praxis verlangt. Die meisten Berufsfachschulen führen Vorbereitungskurse durch. Es ist auch möglich, sich direkt beim kantonalen Berufsbildungsamt für das Qualifikationsverfahren anzumelden. Es überprüft, ob alle Anforderungen erfüllt sind und allenfalls andere Ausbildungen bei der Prüfung angerechnet werden.

  • Die LAP oder eine Abschlussprüfung entscheiden, ob du den Fähigkeitsausweis bzw. das Berufsattest erhältst. Für diese Abschlüsse zählen je zur Hälfte die berufliche Praxis mit Berufskenntnissen und die Abschluss- und Erfahrungsnoten in der Schule. In der Verordnung über die Grundbildung in deinem Beruf ist festgelegt, welche Fähigkeiten im Betrieb und welche Schulfächer geprüft werden, ob die Prüfung schriftlich oder mündlich abgelegt wird und in welchen Bereichen die Erfahrungsnoten zählen. Die Prüfung ist mit der Gesamtnote 4 oder dem Vermerk «erfüllt» bestanden. Bei der LAP werden Expertinnen engagiert, die die Arbeiten der Geprüften schriftlich bewerten. Für die Abschlussprüfung der Berufsmaturität und in einigen Berufen auch für das Fähigkeitszeugnis werden in der Schule eine Prüfungsarbeit oder eine selbständige Vertiefungsarbeit (SVA) im Betrieb verlangt, die oft in Gruppen durchgeführt wird. Du kannst Einsicht in die Prüfungsergebnisse verlangen. Der Lehrbetrieb muss dir für die LAP ohne Lohnabzug freigeben. Das gilt auch, wenn du sie wiederholen musst und erst nach dem Ende der Lehrzeit ablegst, aber noch im Lehrbetrieb arbeitest. Keinen Lohnanspruch hast du hingegen, wenn du bereits in einem andern Betrieb angestellt bist.

  • Im Lehrbetriebsverbund sind mehrere Betriebe zusammengeschlossen. So können auch Kleinbetriebe Lernende ausbilden. Die Lernenden arbeiten während der Grundbildung in diesen verschiedenen Betrieben. Die am Verbund beteiligten Unternehmen regeln ihre Beiträge und Verantwortlichkeiten in einem schriftlichen Vertrag. Sie bestimmen den Leitbetrieb, der den Lehrvertrag abzuschliessen hat und den Verbund gegenüber Dritten vertritt. Der Leitbetrieb trägt die Verantwortung dafür, dass die Ausbildung nach Vorschrift abläuft. Er bestimmt eine Ansprechperson für die Lernenden.

  • Einige grosse Betriebe führen eigene Lehrfirmen. Dort arbeiten Lernende aus verschiedenen Berufen selbständig. Sie bieten Dienstleistungen an, verkaufen Wa- ren und führen die Administration. Dabei werden sie von Berufsbildnerinnen betreut. Solche Lehrfirmen gibt es bei Banken, im Verkauf, in Betrieben der Maschinenindustrie und in der IT-Branche.

  • In der Lehrstellenbörse findest du die angebotenen Lehrstellen. Entsprechende Inserate findest du auch in den Zeitungen oder auf Internet. Der Bund und die Organisationen der Arbeitswelt mit den Gewerkschaften fördern die Berufsausbildung mit Auftritten, politischem Lobbying usw.

  • Die Berufsberatung gibt im Internet Informationen, wie du bei der Lehrstellensuche vorgehen kannst. Das sind vor allem Bewerbungstipps, Eignungstests und Möglichkeiten für Zwischenlösungen. Sie führt eine Liste mit Veranstaltungen von Betrieben und Berufsberatungen in deinem Wohnkanton. Im Lehrstellennachweis Lena findest du offene Lehrstellen. Besonders schwierig ist die Suche für ausländische Jugendliche. Sie erhalten bei der Berufsberatung Informationen in ihrer Muttersprache und Hinweise auf spezielle Angebote für Migrantinnen. In einigen Kantonen werden Mentoring-Programme angeboten: Sie stellen dir einen Coach zur Seite, der dich bei der Suche unterstützt.

  • Der Lehrvertrag ist ein besonderer Einzelarbeitsvertrag, der schriftlich zwischen Lernenden, ihrer gesetzlichen Vertretung und der Berufsbildnerin im Lehrbetrieb abgeschlossen wird. Mit dem Vertrag verpflichtet sich die Berufsbildnerin, dich nach Gesetz auszubilden, und der Lernende, für den Lehrbetrieb zu arbeiten. Im Vertrag steht, welchen Beruf du erlernst, wie lange die Ausbildung dauert und ob du die Grundbildung mit Attest, Fähigkeitszeugnis oder Berufsmaturität abschliesst. Ebenfalls geregelt sind die Länge der Probezeit und der Ferien, der Lohn, besondere Lohnabzüge, Spesen für Arbeitsweg, Verpflegung, Unterkunft, Kostenbeiträge an Bücher, Sprachaufenthalte usw. Für den Lehrvertrag gibt es schweizweit ein einheitliches Formular der kantonalen Berufsbildungsämter. Der Lehrvertrag wird für die ganze Dauer der Grundbildung abgeschlossen, auch wenn du den ersten Ausbildungsteil in der Schule absolvierst oder während der Ausbildung in verschiedenen Lehrbetrieben arbeitest. Ausnahmen sind nur dann möglich, wenn eine Garantie besteht, dass die Lernenden nach der Schulbildung eine berufliche Grundbildung absolvieren können. Nach der Unterzeichnung muss der Lehrbetrieb den Vertrag vom kantonalen Berufsbildungsamt genehmigen lassen. Erst dann ist er gültig und darf ohne Zustimmung des Berufsbildungsamtes nicht mehr verändert werden.

  • Ein Wechsel innerhalb des Betriebs von der drei- oder vierjährigen Grundbildung in die zweijährige mit Berufattest muss vom Berufsbildungsamt bewilligt werden. Die Berufsbildnerin stellt den Antrag, die Lehrpersonen der Berufsfachschule können beratend wirken. Schlechte Noten führen also nicht automatisch zu einem solchen Wechsel. Als Grundlage für die Entscheidung dient der Bildungsbericht. Wenn du mit dem Antrag nicht einverstanden bist, hast du das Recht auf ein Gespräch mit der Ausbildungsberaterin. Können sich die Berufsbildnerin und du – oder deine Eltern, wenn du noch nicht volljährig bist – über eine Vertragsänderung nicht einigen, so findet kein Lehrvertragswechsel statt. Ob du von der Grundbildung mit Berufsmatura in jene ohne Berufsmatura wech- seln musst, entscheidet die Berufsfachschule; sie soll aber den Lehrbetrieb in die Entscheidung einbeziehen. Ein solcher Wechsel ist zwingend, wenn du während längerer Zeit den vorgegebenen Notendurchschnitt nicht erreichst.

  • Lehrwerkstätten sind Lernorte, an denen die schulische und die praktische Ausbildung am selben Ort vermittelt werden. Die Ausbildung wird ebenfalls mit dem Fähigkeitszeugnis abgeschlossen und es gelten die gleichen gesetzlichen Bestimmungen wie für die Grundbildung. Lehrwerkstätten gibt es vor allem für Berufe im handwerklichen und gestalterischen Bereich, in der Informatik und in der Industrie, auch als geschützte Werkstätten für Lernende mit einer Behinderung.

  • Die Leistungsziele, die du in der Berufsfachschule und im Lehrbetrieb erreichen musst, sind im Bildungsplan zu deinem Beruf aufgeführt. Der Lehrbetrieb muss dir einen Bildungsplan abgeben. Er gehört zur Verordnung über die Grundbildung in deinem Beruf, wo die allgemeinen Anforderungen im Laufe der Grundbildung und für die Lehrabschlussprüfung geregelt sind.

  • In der Verordnung über die Grundbildung in deinem Beruf steht, ob eine Lerndokumentation geführt werden muss. Ein Teil der Lerndokumentation kann ein Arbeitsbuch sein. Der Betrieb soll dir während des normalen Arbeitstags genügend Zeit geben, um die Lerndokumentation zu führen. Die Berufsbildnerin ist verpflichtet, diese mindestens einmal pro Semester zu kontrollieren und zu unterschreiben. Sie informiert dich, ob sie für die Lehrabschlussprüfung bewertet wird.

  • Das Berufsbildungsgesetz bezeichnet Lehrlinge als Lernende. Damit sind alle Jugendlichen gemeint, welche eine berufliche Grundbildung im Lehrbetrieb, in einer Lehrwerkstätte, einer Handels- oder einer Informatikmittelschule machen.

  • Als Lernorte bezeichnet das Berufsbildungsgesetz alle Orte, an denen berufliche Grundbildungen vermittelt werden. In der Regel sind das der Lehrbetrieb, die Be- rufsfachschule und die überbetrieblichen Kurse. Spezielle Lernorte sind Lehrwerkstätten, Lehrbetriebsverbünde und Handels- oder Informatikmittelschulen. Wenn deine Ausbildnerin dir Arbeit ausserhalb dieser Lernorte zuweist, dann hat sie für Transport- und Unterkunftskosten aufzukommen.

  • Dein Arbeitgeber muss dir den Lohn gegen Ende jeden Monats auszahlen. Wenn du in Not bist, hast du ein Anrecht auf vorzeitige Lohnauszahlung, dies in der Höhe der bereits geleisteten Arbeitszeit. Wenn sich dein Arbeitsort in der Schweiz befindet, ist dir der Lohn in Schweizer Franken zu entrichten. Der SGB führt auf dem Netz einen Lohnrechner, der die Funktionen Branche, Alter, Betriebsjahre, Ausbildung, Stellenanforderung, hierarchische Position und Region berücksichtigt. Damit kannst du den jeweils üblichen Lohn annähernd bestimmen. Wenn du zu arbeiten verhindert bist, muss dir der Arbeitgeber während des ersten Anstellungsjahres den Lohn während drei Wochen bezahlen. Diese Dauer verlängert sich bei längerer Anstellung. Wenn der Arbeitgeber eine Erwerbsausfalls- versicherung (hinsichtlich kollektiver Krankenversicherung) abgeschlossen hat, erhältst du deinen Lohn im Fall einer längeren Krankheit in der Regel während 720 Tagen (innert einer Periode von 900 Tagen), meist in der Höhe von 80 bis 100 Prozent.

  • Der Lohn ist im Lehrvertrag festgelegt. Im Internetportal der Gewerkschaftsjugend findest du Lohnempfehlungen und Informationen zum Lohn. Nicht erlaubt sind während der Grundbildung Lohnzahlungen in Form von Akkordlohn oder flexible Leistungslöhne mit Boni. Einen gesetzlich vorgeschriebenen Lohn für Lernende gibt es nicht. Viele Berufsverbände legen Richtlinien zu Mindestlöhnen für Lernende fest, die aber für den Lehrbetrieb nicht verpflichtend sind. Hingegen muss er ent- sprechende Lohnregelungen des Gesamtarbeitsvertrags einhalten, falls vorhanden. Als Naturallohn kann er Kost und Logis verrechnen. Lernende haben kein Anrecht darauf, dass sie wie die anderen Beschäftigten im Betrieb am Jahresende Lohnerhöhungen oder den Teuerungsausgleich erhalten. Bezahlt werden muss nur der vertraglich festgelegte Lohn. Das gilt auch für den 13. Monatslohn. Die Gewerkschaft setzt sich dafür ein, dass er allen Lernenden bezahlt wird. Wenn du mehr Lohn erhältst, als im Vertrag steht, gilt der höhere Lohn automatisch als Vertragslohn und darf nur mit deiner Einwilligung wieder gesenkt werden.

  • Die Eltern können verlangen, dass du von deinem Lohn etwas zu Hause abgibst und so zu deinem Unterhalt beiträgst. Wenn es deswegen Streit gibt, helfen die Budgetberatungsstellen. Um die Höhe des Beitrags festzulegen, werden alle Kosten vom Lohn abgezogen, die du selber übernimmst. Für die Kostenrechnung gibt es spezielle Budgetvorlagen im Internet. Für die Abgaben nach dem Lehrabschluss, wenn du einen vollen Lohn beziehst, gibt es bei den Budgetberatungen Richtlinien, wieviel die Eltern für Wohnen, Mahlzeiten, Reinigung und Wäsche verlangen können.

  • Der Lehrbetrieb muss dir den Lohn monatlich bezahlen, normalerweise am Ende des Monats, ausser es seien im Arbeitsvertrag kürzere Fristen festgehalten. Ausbezahlt wird dir der Nettolohn. Das heisst, vom vertraglich festgelegten Bruttolohn werden dir nach der Volljährigkeit die Sozialversicherungsbeiträge für AHV, IV, EO und Arbeitslosenversicherung (ALV) abgezogen. Die Abzüge müssen auf der Lohnabrechnung ausgewiesen sein. Ebenfalls aufgeführt sind darin Spesen, die du für Be- rufsauslagen erhältst, und alle geleisteten Überstunden. Lohnanteile wie Kost und Logis sollten separat aufgeführt sein. Am Ende des Jahres erhältst du eine Lohnabrechnung für die Steuern, die den Bruttolohn, die Sozialversicherungsabzüge, den Nettolohn und die Spesen für das ganze Jahr belegt.

  • Der Lehrbetrieb darf nur Lohnabzüge machen, die im Lehrvertrag festgelegt sind. Die obligatorische Schulausbildung ist gratis. Nicht erlaubt sind Abzüge für den Besuch der Berufsfachschule, der Freikurse und der überbetrieblichen Kurse. Er kann dir auch dann den Lohn nicht kürzen, wenn deine Leistungen schlecht sind, du viele Krankheitsabsenzen hast oder er mit deinem Auftreten nicht einverstanden ist, zum Beispiel mit der Frisur, einem Piercing oder der Kleidung. Abzüge sind nur erlaubt, wenn du unentschuldigt nicht zur Arbeit kommst oder dem Betrieb absichtlich einen Schaden zufügst. Bei Uneinigkeit muss das Arbeitsgericht entscheiden, ob und um wie viel der Betrieb den Lohn kürzen darf.

  • In vielen Berufen und Wirtschaftszweigen mit Gesamtarbeitsverträgen (GAV) bestehen Mindestlohnvorschriften. Für einige Berufe ohne GAV regeln dies Normalarbeitsverträge (NAV). Mindestlöhne sind auch wichtig, um Lohndumping bekämpfen zu können. Für Branchen und Betriebe ohne GAV oder NAV gibt es keinen gesetzlichen Mindestlohn. Will man da Lohndumping bekämpfen, muss man auf die üblichen Löhne abstellen. Um diese zu ermitteln, führt der SGB im Internet einen Lohnrechner, der fast alle Branchen umfasst. Damit kannst du errechnen, was in deinem Berufsumfeld an Lohn üblich ist (in Funktion von Ausbildung, Erfahrung, Alter und Aufgabe). Der GAV-Service der Unia bietet dir viel Infos über die Mindestlöhne in den GAV. Frauen müssen bei der Lohnfrage besonders aufpassen. Denn immer noch und trotz Gleichstellung werden sie bei den Löhnen diskriminiert.

  • Von Lohndumping spricht man, wenn orts-, berufs- oder branchenübliche Löhne wiederholt und in missbräuchlicher Weise unterschritten werden. Wiederholt bedeutet, dass mehrere Betriebe oder ein Grossbetrieb mehreren Arbeitnehmenden zu tiefe Löhne auszahlen. Wenn da, wo solcher Lohnmissbrauch betrieben wird, kein GAV besteht, der Mindestlöhne definiert, kann die kantonale Behörde oder die Bundesbehörde einen befristeten Normalarbeitsvertrag erlassen, der Mindestlöhne nach Region oder Ort vorschreibt. Was Missbrauch ist, bestimmen die Behörden.

  • Die gesetzliche Pflicht zum Militärdienst gilt auch während der beruflichen Grundbildung. Für die RS bezahlt die EO eine Grundentschädigung von 62 Franken pro Tag. Wenn die Entschädigung weniger als 80 Prozent deines Lohnes beträgt, übernimmt der Betrieb die Differenz. Fällt das Aufgebot für den Militärdienst in die Zeit der Lehrabschlussprüfung, können Lernende ein Gesuch um Verschiebung stellen. In der Regel wird das Gesuch berücksichtigt, doch ein Anspruch darauf besteht nicht. Der Betrieb muss allen Beschäftigten für die Erfüllung gesetzlicher Pflichten wie Militärdienst, Zivildienst, Zivilschutz, Ausübung eines öffentlichen Amtes frei geben. Im ersten Jahr der Anstellung wird der Lohn während drei Wochen weiter bezahlt, ab dem zweiten Jahr gelten kantonal un- terschiedliche Fristen. Während des Militärdienstes darf der Betrieb nicht kündigen. Dauert der Dienst mehr als elf Tage, gilt vier Wochen vor- und nachher ein Kündigungsverbot.

  • Du darfst erst ab voll- endetem 15. Altersjahr fest zu arbeiten beginnen. Wenn du zwischen 15 und 18 bist, darf die Dauer deiner Arbeit nicht länger sein als die der andern im Betrieb Beschäftigten und sie darf keinesfalls 9 Stunden pro Tag überschreiten, Überstunden und Zeitaufwand für Kurse einberechnet. Es ist verboten, Minderjährige im Kundendienst von Unterhaltungsbetrieben (Cabaret, Nachtklub, Dancing, Diskothek, Bar) einzusetzen. Unter 16-Jährige dürfen nicht in Hotels, Restaurants und Cafés beschäftigt werden, ausser es sei im Rahmen einer beruflichen Grundausbildung. In den Kantonen, in welchen die obligatorische Schulpflicht vor Alter 15 zu Ende gehen kann, kann 14-Jährigen via Verord- nung eine spezielle Arbeitsbewilligung erteilt werden. Ab Alter 13 kann man dich mit Botengängen und leichten Arbeiten beauftragen. Während der Schulzeit darfst du nicht länger als 3 Stunden pro Tag resp. 9 Stunden pro Woche arbeiten. In den Schulferien darfst du höchstens während der Hälfte der Ferien arbeiten, maximal 8 Stunden pro Tag und 40 Stunden pro Woche, zwischen 06.00 und 18.00, mit einer Pause von mindestens einer halben Stunde, wenn die Arbeit länger als 5 Stunden ist. Wenn du jünger als 13 bist, kann man dich nur für kulturelle, künstlerische, sportliche oder Werbetätigkeiten beschäftigen. Eine solche Arbeit ist den Behörden jedoch zu melden. Sie darf maximal 3 Stun- den pro Tag resp. 9 Stunden pro Woche betragen.

  • Das Gesetz sieht keinen Mindestlohn vor. Die Gesamtarbeitsverträge (GAV) hingegen enthalten oft Mindestlöhne, die für das Unternehmen verpflichtend sind.

  • Lernende haben im Lehrbetrieb und in der Berufsfachschule ein Mitspracherecht. In den Berufsfachschulen und in grösseren Betrieben bestimmen sie Klassensprecherinnen bzw. Vertreterinnen der Lernenden, welche ihre Interessen wahrnehmen. Das OR und das Fusionsgesetz verpflichten die Arbeitgeberinnen, die Vertretungen der Beschäftigten im Fall von Fusionen, Unterneh- mensverkäufen, Massenentlassungen oder Sozialplänen anzuhören. Das Mitwirkungsgesetz sieht gewisse Anhörungsrechte für die Vertretungen der Beschäftigten bei wichtigen Entscheiden des Arbeitgebers vor. Die Gewerkschaften fordern, dass in Betrieben mit einer bestimmten Anzahl Lernender diese auch eine Vertretung in die Betriebskommission wählen können.

  • Mobbing meint das Verhalten von Vorgesetzen oder Mitarbeitenden, die damit eine Person im Betrieb während längerer Zeit andauernd destabilisieren wollen. Das Wort kommt vom Englischen «to mob» und heisst anpöbeln, schikanieren. Auch sexistische Bemerkungen und Belästigungen können eine Form von Mobbing sein. Wenn du im Lehrbetrieb von einem Vorgesetzten oder einem anderen Beschäftigten gemobbt wirst, wende dich an die Berufsbildnerin, an die Betriebskommission oder an die Ausbildungsberaterin des Berufsbildungsamtes. In den meisten Berufsfachschulen gibt es eine Anlaufstelle für Konfliktlösung. Unterstützung bieten auch Beratungsstellen, die auf Mobbing spezialisiert sind. Im Internet findest du Informationen, wie du dich bei Mobbing verhalten sollst und wo du in deiner Region Beratung erhältst. Ein besonderer Schutz vor Mobbing ist gefragt, wenn Mitarbeiterinnen Missstände im Sinne von rechtlich unkorrektem und kriminellem Handeln im Betrieb öffentlich machen.

  • Die Grundbildung kann auch in Form von verschiedenen Modulen absolviert werden. Jedes Modul wird für sich abgeschlossen. Eine bestimmte Anzahl von Modulen berechtigt dazu, die Lehrabschlussprüfung (LAP) zu machen. Solche Modulausbildungen werden vor allem von Personen absolviert, welche die Grundbildung nachholen. In bestimmten Berufen können sich Lernende mit Modulen eine Ausbildung mit persönlichen Schwerpunkten zusammenstellen. Sie absolvieren die Module in verschie- denen Betrieben und an der Berufsfachschule. Für die LAP wird eine bestimmte Anzahl von Grund- und Aufbaumodulen verlangt. Solche Modulausbildungen gibt es zum Beispiel in der Informatik.

  • Eine besondere Form von Zwischenlösung nach dem Schulabschluss oder nach einem Lehrabbruch ist das Motivationssemester. Es dauert zwischen 6 Monaten und einem Jahr. Finanziert wird es von der Arbeitslosenversicherung, deshalb bist du während des Motivationssemesters bei der regionalen Arbeitsvermittlung (RAV) als arbeitslos angemeldet. Während des Motivationssemesters arbeitest du in einem Betrieb und erhältst Lohn, daneben besuchst du meistens an einem Tag spezielle Kurse, um Lücken in der Allgemeinbildung zu schliessen und dich auf den Beruf vorzubereiten.

  • Alle erwerbstätigen Mütter, auch Lernende, erhalten nach der Geburt des Kindes 14 Wochen Mutterschaftsurlaub. Während dieser Zeit sind sie versichert: Die Erwerbsersatzordnung (EO) und die Arbeitgeberin bezahlen 80 Prozent des letzten Lohnes. Das gilt für alle Arbeitnehmerinnen, wenn sie seit neun Monaten die Sozialversiche- rungsbeiträge an die EO bezahlt haben und vor der Geburt mindestens fünf Monate erwerbstätig waren. Für junge Frauen unter 18 Jahren genügt es, wenn sie einen Beruf erlernen oder erwerbstätig sind. In einigen Gesamtarbeitsverträgen (GAV) sind auch längere Mutterschaftsurlaube vereinbart. Während der Schwangerschaft und für die folgenden 16 Wochen nach der Geburt gilt ein Kündigungsverbot. Eine trotzdem ausgesprochene Kündigung ist nichtig. Während dem ersten Lebensjahr deines Kindes muss dir für das Stillen am Arbeitsplatz oder das Abpumpen der Milch ein entsprechend abgeschirmter Ort zur Verfügung stehen. Die Zeit, die du dafür brauchst, gilt als Arbeitszeit. Du kannst so maximal 90 Minuten pro Arbeitstag anrechnen lassen, sofern dieser mehr als 7 Stunden beträgt. Wenn wegen der Mutterschaft der Lehrabschluss gefährdet ist, kann das Berufsbildungsamt eine Verlängerung der Ausbildungszeit bewilligen.

  • Die berufliche Grundbildung soll Lernenden die Fähigkeit vermitteln, zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen. Dazu gehört auch, dass sie ökologische und soziale Kenntnisse erwerben. Diese Bildung für Nachhaltigkeit ist im Berufsbildungsgesetz und im Fachhochschulgesetz vorgeschrieben. Die UNO hat die Jahre 2005 bis 2014 zum Jahrzehnt der «Bildung für eine nachhaltige Entwicklung» bestimmt. Jugendverbände und Umweltorganisationen fordern nun ein nationales Bildungsprogramm für Nachhaltigkeit, das auch für die Berufsfachschule gelten soll.

  • Jugendliche Arbeitnehmerinnen dürfen bis zum 18. Altersjahr nicht nachts beschäftigt werden. Als Nachtarbeit gilt für 16- bis 18-Jährige die Arbeitszeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr. Für bestimmte Berufe, für die Nachtarbeit zur Ausbildung gehört, gibt es Ausnahmebewilligungen. Sie sind aufgelistet in der Verordnung des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung über die Ausnahmen zum Verbot der Nacht- und Sonntagsarbeit in der beruflichen Grundbildung. Weitere Ausnahmen sind möglich, wenn Schäden aufgrund unvorhersehbarer Ereignisse zu beheben sind. Auf alle Fälle darf Nachtarbeit nicht länger als 9 Stunden pro Nacht dauern. Ausdrücklich verboten sind für Minderjährige Arbeitseinsätze in Nachtlokalen, Dancings, Diskotheken und Barbetrieben. Die Nachtarbeit darf den Besuch der Berufsfachschule nicht beeinträchtigen. Wenn du während der Grundbildung regelmässig nachts arbeiten musst und deshalb Schwierigkeiten in der Schule hast, melde dich bei der Gewerkschaft. Das Arbeitsgesetz regelt die Arbeitszeit während der Nacht. Für dau- ernde oder regelmässige wiederkehrende Nachtarbeit (ab 25 Nächten im Jahr) muss der Betrieb einen Lohnzuschlag von mindestens 25 Prozent und einen Zeitzuschlag von 10 Prozent gewähren. Der Betrieb braucht eine Bewilligung für Nachtarbeit. Bis zu 10 Nächten im Jahr wird diese vom Kanton erteilt, dauernde und regelmässige wiederkehrende Nachtarbeit bewilligt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Es kontrolliert auch, ob die vorgeschriebenen ärztlichen Untersuchungen durchgeführt werden. Für Nachtarbeitseinsätze gilt, dass eine tägliche Ruhezeit von 12 Stunden gewährleistet werden muss, und es gelten besondere Regelungen zum Schutz der Gesundheit wie zum Beispiel regelmässige ärztliche Untersuchungen. Für Betriebe des öffentlichen Dienstes (vor allem für die von Nachtarbeit besonders betroffenen Spitäler) gelten andere Regelungen.

  • Es gibt Lehrbetriebe, die mit den Lernenden neben dem Lehrvertrag spezielle Vereinbarungen abmachen. Vereinbarungen können Urlaube, Kostenübernahmen für Sprachaufenthalte usw. betreffen. Nicht erlaubt sind Nebenabreden, die gegen gesetzliche Vorschriften verstossen, wie zum Beispiel, dass du keine Freikurse besuchst oder die Vorbereitung auf die Berufsmaturität nicht während der Grundbildung absolvieren kannst. Solche Vereinbarungen müssen auch dann nicht eingehalten werden, wenn das Berufsbildungsamt den Lehrvertrag mit diesen Zusatzvereinbarungen genehmigt hat.

  • Der Lehrbetrieb muss einverstanden sein, wenn du einem bezahlten Nebenjob nachgehst. Dieser Nebenjob darf deinen Betrieb nicht konkurrenzieren. Deine Ausbildung im Betrieb und in der Berufsfachschule darf nicht darunter leiden. Es muss auch gewährleistet sein, dass die durch Gesetz vorgeschriebene Gesamtarbeitszeit nicht überschritten wird und du auch im Nebenjob versichert bist. Wenn du nach dem Lehrabschluss Nebenjobs annimmst, solltest du immer darauf achten, dass die Sozialversicherungsleistungen korrekt abgerechnet werden und dir ein Arbeitszeugnis ausstellen lassen.

  • Normalarbeitsverträge bündeln minimale Vorschriften für einzelne Arbeitsverhältnisse in gewissen Branchen (zur Zeit v.a. Land- und Hauswirtschaft), die keinen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) kennen. Sie garantieren Mindeststandards bei den Arbeitsbedingungen und Löhnen. Normalarbeitsverträge werden vom Bund oder vom Kanton bewilligt. Der Bund kann Normalarbeitsverträge für einen ganzen Wirtschaftszweig oder einen Beruf als allgemeinverbindlich erklären.

  • Während der Grundbildung werden Leistungen und Kenntnisse bewertet. Die Kriterien dafür müssen objektiv und transparent sein und Chancengleichheit sichern. In der Berufsfachschule werden diese Bewertungen meistens in Noten ausgedrückt, im Lehrbetrieb und in den überbetrieblichen Kursen werden auch Bewertungsformulare mit Leistungsbeurteilungen verwendet. Für die Bewertung der Lehrabschlussprüfung (LAP) dürfen nur ganze und halbe Noten (bis 6, 4 = «genügend») verwendet werden. In der Verordnung über die Grundbildung in deinem Beruf steht, wie die schriftlichen und mündlichen Teile bewertet werden und die Gesamtnote errechnet wird, welche Erfahrungsnoten zählen und wie eine Prüfungsarbeit angerechnet wird. Für das Fähigkeitszeugnis werden in der Regel die Erfahrungsnoten der letzten vier Semester, für das Berufsattest der letzten zwei Semester berücksichtigt. Wenn du während der Ausbildung oder an der LAP mit bestimmten Noten nicht einverstanden bist, kannst du dagegen Einsprache erheben. Erfolgversprechend ist dies, wenn du eine Ungleichbehandlung gegenüber anderen belegen kannst. Informationen zum Einspruchs- oder Rekursverfahren gibt das Schulsekretariat.

  • Das Obligationenrecht regelt den Abschluss von Verträgen. Darunter figurieren auch die Arbeitsverträge in der Privatwirtschaft (OR 319-342) und der als spezieller Arbeitsvertrag konzipierte Lehrvertrag (OR 344-346a).

  • Als Organisationen der Arbeitswelt (OdA) bezeichnet das Berufsbildungsgesetz die Sozialpartner, d.h. Gewerkschaften und Verbände der Arbeitnehmerinnen sowie Berufs- und Unternehmerverbände der Arbeitgeberinnen. Die OdA übernehmen im Auftrag des Kantons die Organisation und Durchführung überbetrieblicher Kurse und führen Abschlussprüfungen durch. Sie steuern zusammen mit dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und den Kantonen die Berufsbildung. Für die Finanzierung der Grundbildung im Betrieb können sie Berufsbildungsfonds einrichten. Sie können vom SBFI eine Bildungsverordnung für einen bestimmten beruflichen Bereich verlangen.

  • Die Ausbildung an den Pädagogischen Hochschulen wird von den Kantonen geregelt. Es gibt zur Zeit 19 pädagogische Hochschulen resp. Ausbildungsstätten für Lehrende. Mit der Berufsmaturität oder dem Diplom einer Fachmittelschule ist die Ausbildung als Kindergärtnerin, Primar- oder Sekundarlehrerin möglich. An den meisten Schulen musst du eine Aufnahmeprüfung machen oder einen Vorkurs besuchen.

  • Eine Kommission gilt als paritätisch, wenn sie sich gleich stark aus den Vertretungen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer zusammensetzt. Solche Kommissionen gibt es auch in der Berufsbildung, zum Beispiel die Berufsfachschulkommission und die Aufsichtskommission für die Grundbildung im Betrieb. Das Ziel paritätischer Kommissionen sind Vereinbarungen, die sowohl im Interesse der Lernenden wie der ausbildenden Betriebe sind.

  • Nach dem Abschluss der Berufsmaturität besteht die Möglichkeit, eine Aufnahmeprüfung für die Zulassung an die Universitäten und an die ETH zu machen. Im Passerellereglement der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) sind die Zulassungsbedingungen, Prüfungsfächer und die Bewertung geregelt. Geprüft werden Sprachen (zwei Landessprachen oder eine Landessprache und Englisch), Mathematik, Naturwissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften. Verschiedene Schulen bieten Vorbereitungen auf die Prüfung an. In der Regel dauern sie zwei Semester.

  • Du hast ein Recht auf Pausen während des Arbeitstages im Lehrbetrieb. Bei einem Arbeitstag von fünfeinhalb Stunden muss die Pause mindestens 15 Minuten, bei sieben Stunden 30 Minuten und bei 9 Stunden 60 Minuten dauern. Wenn es dir nicht erlaubt ist, während der Pause den Arbeitsplatz (sei es innerhalb oder ausserhalb des Betriebes) zu verlassen, dann gilt die Pausenzeit als Arbeitszeit. Die Mittagspause sollte aus gesundheitlichen Gründen nicht weniger als 45 Minuten dauern.

  • Persönlichkeitsschutz bedeutet, dass du in deiner Würde, deinem Privat- und Intimleben, geachtet werden musst. Das Gesetz verpflichtet den Betrieb, die Persönlichkeitsrechte der Angestellten zu schützen. An diese Verpflichtung müssen sich aber auch alle Arbeitnehmerinnen gegenseitig halten. Bei Verletzungen des Persönlichkeitsschutzes, zum Beispiel durch Gewalt, Drohungen und Belästigungen aller Art, muss die Arbeitgeberin eingreifen. Deine Arbeitgeberin kann dir zu Aussehen und Kleidung nur dann Vorschriften machen, wenn eine direkte Auswirkung auf die Arbeit (Kontakt mit Kunden und Partner-Unternehmen) besteht. Personenkontrollen wie die Überwachung des Arbeitsplatzes oder der Leistung und Drogentests sind nur nach bestimmten Vorschriften und mit der ausdrücklichen Einwilligung der Beschäftigten zulässig. Du musst Zugang zu den gesammelten Daten haben. Der Betrieb darf Personalakten über Beschäftigte anlegen, doch dürfen sie keine Eintragungen über das Privatleben, deine sexuelle Orientierung, die Gesundheit, die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft oder abwertende Bemerkungen zur Person enthalten. Für jede persönliche Auskunft muss die Arbeitgeberin die Einwilligung des Beschäftigten haben.

  • Mit der Volljährigkeit (ab 18 ) erhältst du als Schweizerin alle aktiven und passiven politischen Rechte, das heisst, du kannst an Abstimmungen und Wahlen teilnehmen, Referenden und Volksinitiativen unterzeichnen und dich selber von einer Partei oder Gruppierung zur Wahl aufstellen lassen. Für Ausländerinnen besteht nur in wenigen Kantonen, nämlich in Genf, Neuenburg, Freiburg, Appenzell Ausserrhoden, Graubünden,- Jura und in der Waadt, ein politisches Mitspracherecht auf Gemeinde - und teilweise auf Kantonsebene. Politische Vorstösse, dass Jugendliche ab 16 Jahren politisch mitreden können, scheiterten, ausser in Glarus. Für junge Erwachsene, die sich politisch engagieren wollen, gibt es kantonale Jugendparlamente und Jugendräte (in einigen Grossstädten), eine eidgenössische Jugendsession, Mitwirkungsmöglichkeiten über Jugendverbände oder Jugendmedien. In diesen speziellen Foren werden Themen aufgegriffen, die Jugendliche direkt betreffen.

  • Es gibt verschiedene Arten von Praktika. Solche können vor, während oder nach der beruflichen Grundausbildung stattfinden. Praktika mit mickrigem Lohn, ohne wirkliche Ausbildung und ohne spätere Anstellungschancen bekämpfen die Gewerkschaften grundsätzlich als missbräuchlich. Das Praktikum darf nicht zu einem inhaltlosen Ersatz der Berufslehre werden. Für Jugendliche in Schwierigkeiten sind betriebliche Praktika akzeptierbar, wenn sie im Rahmen kantonal geplanter Massnahmen (Übergangslösungen) erfolgen und von zielgerichteter Bildung flankiert sind. Während der Grundbildung sind in den Handels- und Informatikmittelschulen berufliche Praktika obligatorisch. Wenn sie länger als sechs Monate dauern, muss die Schule eine Genehmigung der kantonalen Behörde einholen und einen schriftlichen Vertrag mit dem Praktikumsbetrieb abschliessen. Auch wenn Jugendliche ein befristetes Praktikum machen, aber nicht arbeitslos gemeldet sind, gelten Mindestlohnansätze. Nach deinem Lehrabschluss bist du ausgebildet, und ein Praktikum in der bisherigen Branche ist nicht gerechtfertigt, ausser du willst z. B. neue sprachliche Kompetenzen erwerben. Die Gewerkschaften sind klar dafür, dass alle Praktika zeitlich begrenzt werden müssen (maximal 12 Monate). Die Ziele der Ausbildung und die Betreuung müssen im Arbeitsvertrag klar festgelegt sein. Für ein solches Praktikum, das die Ausbildung voranstellt, ist ein Mindestlohn von 2000 Franken angezeigt. Wenn du schon über eine gewisse Selbständigkeit in der Berufsarbeit verfügst, dann sollte dein Monatslohn mindestens 3000 Franken betragen oder dem Mindestlohn der Branche entsprechen.

  • Als prekäre Arbeit werden rechtlich nur schwach geschützte Arbeitsverhältnisse bezeichnet. Dazu gehören befristete Arbeitsverträge, Arbeit auf Abruf, Scheinselbständigkeit, Niedriglohnjobs sowie jede Form von informeller Arbeit ohne Rechtsschutz. Prekäre Arbeitsverhältnisse sind nicht existenzsichernd; sie erschweren die Integration in ein soziales Netz und erlauben keine autonome Zeitgestaltung. Die Gewerkschaften bekämpfen prekäre Arbeit mit der Forderung nach Mindestlöhnen, sozialer Absicherung und gesetzlichen Regelungen für Arbeit auf Abruf.

  • Die Probezeit wird im Lehrvertrag geregelt. Sie darf nicht kürzer als einen Monat und nicht länger als drei Monate dauern. Vor Ablauf der Probezeit kann der Lehrbetrieb diese ausnahmsweise auf maximal sechs Monate verlängern, wenn du einverstanden bist, und das Berufsbildungsamt einwilligt. Steht im Lehrvertrag nichts zur Probezeit, gelten drei Monate. Während der Probezeit können beide Vertragspartner den Lehrvertrag mit einer Kündigungsfrist von sieben Tagen kündigen. Wenn du nach Lehrabschluss im selben Betrieb weiter arbeitest, gilt keine Probezeit. Das ist wichtig, weil während der Probezeit die Kündigungsfrist nur sieben Tage beträgt.

  • Die Prüfungsexpertinnen führen die Abschlussprüfungen in der Grundbildung durch. Sie werden vom Kanton bestimmt. Während der Prüfungen in der Berufsfachschule und im Lehrbetrieb müssen sie Resultate und Beobachtungen und auch Einwände der Lernenden schriftlich festhalten. Für die Zulassung als Prüfungsexpertin braucht es eine vorgeschriebene Ausbildung.

  • Der Kanton oder das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) bestimmen zusammen mit nationalen Organisationen der Arbeitswelt die Prüfungskommissionen. Diese führen die Qualifikationsverfahren für die verschiedenen Berufsabschlüsse in der Grundbildung durch. Sie legen die Anforderungen an die Prüfung und die Bewertungen fest und überwachen den Ablauf.

  • Alle Prüfungen, die in der Grundbildung und Höheren Berufsbildung gemacht werden müssen, bezeichnet das Berufsbildungsgesetz als Qualifikationsverfahren. Zum Qualifikationsverfahren für das Berufsattest oder das Fähigkeitszeugnis gehören Teilprüfungen, Standortbestimmungen, Prüfungsarbeiten und die Lehrabschlussprüfung (LAP). Die Qualifikationsverfahren werden in der Verordnung über die berufliche Grundbildung für deinen Beruf geregelt. Für Qualifikationsverfahren der Grundbildung dürfen keine Prüfungsge- bühren verlangt werden. Alle für dich wichtigen Prüfungsbestimmungen findest du in der Verordnung zum Beruf. Personen, die zuvor keine Lehre absolviert haben und einen gewissen Minimalstandard erfüllen (v.a. mehrjährige Erfahrung im entsprechenden Beruf), können die Prüfung direkt absolvieren oder ein besonderes Qualifizierungsverfahren in Anspruch nehmen (sog. «Validierung von Bildungsleistungen»).

  • Der Rahmenlehrplan schreibt vor, welche Allgemeinbildung für den Beruf resp. für die Berufsmatura erlernt werden muss. Er hält die Mindestvorschriften für die Schulen fest. So wird zum Beispiel der Unterricht der Fremdsprachen nach europäischen Richtlinien vereinheitlicht. Solche Vorschriften sind wichtig, denn sie erleichtern die Anerkennung von Kenntnissen, die im Rahmen einer Umschulung oder Weiterbildung erworben worden sind.

  • Kein Mensch darf aufgrund seiner Hautfarbe, Nationalität, Religion und seines Geschlecht diskriminiert werden. Wenn andere am Arbeitsplatz oder in der Berufsfachschule rassistische Bemerkungen zu deiner Person machen oder dich wegen Besonderheiten deiner Kultur auslachen und anpöbeln, verletzen sie damit den Persönlichkeitsschutz. Informiere die Berufsbildnerin, die Klassenlehrerin oder die Schulleitung. Der Lehrbetrieb und die Berufsfachschule müssen Massnahmen ergreifen, dass solche Diskriminierungen aufhören. Wenn das Problem trotzdem anhält, wende dich an die Lehraufsicht oder an die Gewerkschaft. Dort findest du auch Unterstützung, wenn während des Bewerbungsverfahrens für eine Lehrstelle oder Arbeitsstelle rassistische Bemerkungen gemacht werden oder du eine Stelle nicht erhältst, weil du Ausländerin bist. Im Internet findest du bei der Fachstelle für Rassismusbekämpfung Anlauf- und Beratungsstellen in deiner Region. Aufrufe zu Hass und Diskriminierung aufgrund von Ethnie oder Religion (auch Propaganda für solche Ideologie oder Beteiligung an solchen Aktionen) sind zudem strafbar (Bussen und /oder Freiheitsentzug).

  • In vielen Betrieben und in den Berufsfachschulen ist das Rauchen am Arbeitsplatz und in den Schulräumen verboten oder auf bestimmte Räume beschränkt. Doch nicht überall bestehen solche Vorschriften. Der Lehrbetrieb ist gesetzlich verpflichtet, nach Möglichkeit für den Schutz der Nichtrauchenden zu sorgen. Wenn du dich durch das Rauchen anderer Beschäftigter belästigt fühlst, kannst du bei der Arbeitgeberin verlangen, dass sie an einem andern Ort oder nur noch während der Pause rauchen. In allen geschlossenen öffentlichen Räumen gilt zudem ein Rauchverbot.

  • Lernende haben auch Rechte. Die wichtigsten sind der Anspruch auf eine fachgemässe und umfassende Ausbildung, der Besuch von Frei- und Stützkursen, Anspruch auf Lohn und fünf Wochen Ferien.

  • Alle Gewerkschaften bieten ihren Mitgliedern eine kostenlose Rechtsberatung für arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen an. Zu Rechtsfragen, die deine Ausbildung, den Lehrvertrag und Probleme im Lehrbetrieb betreffen, kannst du dich auch beim kantonalen Berufsbildungsamt beraten lassen, für andere rechtliche Probleme gibt es öffentliche Rechtsberatungsstellen. Kläre bei einem Gerichtsfall immer ab, ob du Anrecht auf Rechtsberatung hast. Diese kann dich beraten und beispielsweise durchsetzen, dass deine Kosten für den Rechtsanwalt vom Staat bezahlt werden. Entschieden wird dies vom Gericht, und nur dann, wenn du belegen kannst, dass du und deine Eltern über zu wenig Geld verfügen, um einen Rechtsanwalt zu bezahlen.

  • Bei anhaltenden Auseinandersetzungen mit der Ausbildnerin kann ein Streit auch mal vor Gericht ausgetragen werden. Eine kompetente rechtliche Beratung und Unterstützung ist dann angezeigt. Solche Verfahren sind oft langwierig und teuer. Wenn du bereits Gewerkschaftsmitglied bist, erhältst du kostenlosen Rechtsschutz. Während eines Schlichtungs- oder Gerichtsverfahrens vertritt dich eine Rechtsanwältin, die von der Gewerkschaft bezahlt wird.

  • Die Regionalen Arbeitsvermittlungen (RAV) sind für dich zuständig, wenn du arbeitslos bist, also nach dem Abschluss der obligatorischen Schulpflicht keine Lehrstelle oder nach dem Lehrabschluss keine Stelle findest. Bei der RAV in deiner Region kannst du Leistungen der Arbeitslosenversicherung beantragen. Die RAV muss dich bei der Stellensuche mit arbeitsmarktlichen Massnahmen (AMM) unterstützen. Dazu gehören Informations- und Weiterbildungskurse. Für junge Arbeitslose gibt es spezielle Bildungs- oder Berufspraktika und Beschäftigungsprogramme. Arbeitslosen, die Schwierigkeiten haben, eine Stelle zu finden, wird in einigen RAV ein Coach zugewiesen. Informationen erhältst du bei den RAV und bei der gewerkschaftlichen Arbeitslosenkasse.

  • Die Bundesverfassung legt Religionsfreiheit in der Schweiz als Grundrecht fest. Die staatlichen Schulen sind beim Unterricht zur religiösen Neutralität verpflichtet. Der Umgang mit den verschiedenen Religionsgemeinschaften wird kantonal geregelt. Der Kanton legt Richtlinien für die Dispensation vom Schulunterricht an hohen Feiertagen fest. Bis zum vollendeten 16. Altersjahr entscheiden deine Eltern über deine religiöse Erziehung. Ab 16 kannst du das selber bestimmen.

  • Die vorgeschriebene Ruhezeit für Lernende und jugendliche Arbeitnehmerinnen beträgt mindestens zwölf aufeinanderfolgende Stunden. Die Arbeitszeit und der Unterricht an der Berufsfachschule dürfen nicht mehr als neun Stunden betragen. Im Lehrbetrieb muss die Arbeitszeit mit allen Pausen innerhalb von maximal zwölf Stunden liegen. Bist du minderjährig, ist dir Nachtarbeit untersagt: unter 16-Jährige können maximal bis 20 Uhr arbeiten, 16- bis 18-Jährige bis 22 Uhr. Am Tag vor der Berufsschule oder vor überbetrieblichen Kursen dürfen Minderjährige maximal bis 20 Uhr beschäftigt werden. Ausnahmen von diesen Verboten sind nur möglich, wenn sie durch Verordnung vorgesehen sind. Für regelmässige Nachtarbeit muss der Betrieb einen Zeitzuschlag von 10 Prozent gewähren.

  • Samstagsarbeit ist gesetzlich möglich und gilt als normale Arbeitszeit. Für Lernende muss sie aber zur Ausbildung gehören und mit Freizeit während der Woche kompensiert werden. Dieses Anrecht gilt nicht mehr, wenn die Woche einen Feiertag enthält. In einigen Berufen gelten zudem spezielle Regelungen. Auskunft findest du beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), beim Berufsbildungsamt oder bei deiner Gewerkschaft. Im Gesamtarbeitsvertrag (GAV) ist die Samstagsarbeit zumeist geregelt, dabei auch die Frage, ob der Betrieb dir einen Lohn- oder Zeitzuschlag geben muss.

  • Im Lehrbetrieb und während auswärtiger Arbeit müssen genügend sanitäre Anlagen für die Beschäftigten vorhanden sein. Der Kanton ist verpflichtet zu prüfen, ob die Betriebseinrichtung für die Ausbildung von Lernenden genügt. Für einige Berufe wurden im Gesamtarbeitsvertrag Mindestvorschriften erlassen.

  • Grundsätzlich dürfte ein Sans Papiers, also ein ausländischer Mensch ohne Aufenthaltsbewilligung, in der Schweiz eigentlich keine Lehre machen. In Härtefällen sind jedoch unter gewissen Voraussetzungen Ausnahmen möglich. Wer dies verlangt, muss zuvor in der Schweiz während 5 Jahren ununterbrochen die Grundschule besucht haben. Ausbildungen ohne Erwerbscharakter wie Stage, Motivationssemester, Vorlehre werden dabei gleich behandelt. Verlangt wird zudem eine gute Integration und Respekt der öffentlichen Ordnung (keine Strafverurteilung). Die Eltern und Geschwister des Sans-Papiers-Lernenden können bei dieser Gelegenheit, wenn sie finanziell unabhängig sind, ebenfalls eine Aufent- haltsbewilligung beantragen.

  • Das Kürzel bedeutet «Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation». Das SBFI gehört zum Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF). Es ist für die gesamte Berufsbildung zuständig: für die berufliche Grundbildung, die höhere Berufsbildung und die berufsorientierte Weiterbildung bis zu den Hochschulen. Im SBFI werden die Verordnungen über die Grundbildung in allen Berufen erstellt und die Bildungspläne für den Lehrbetrieb und Rahmenlehrpläne für die Berufsfachschulen bewilligt. Das SBFI bietet im Internet Informationen zur beruflichen Grundbildung an. Dazu gehören gesetzliche Bestimmungen, ein Berufsverzeichnis mit allen Verordnungen und Informationen zu wichtigen Änderungen.

  • Der Lehrbetrieb setzt voraus, dass du mit technischen Geräten und Werkzeugen sorgfältig umgehst. Wenn trotzdem ein Schaden entsteht, gibt es gesetzliche Vorschriften, wie die Schuld dafür bemessen wird. Verursachst du einen Schaden, weil du eine vertragliche Verpflichtung missachtest, wird angenommen, du seist schuld. Willst du belegen, dass du für den Schaden nicht verantwortlich bist, dann musst du nachweisen, dass die Anleitung des Chefs oder seine Überwachungspflicht angesichts der Risiken ungenügend war oder dass deine technischen Kenntnisse nicht ausreichend waren.

  • Schnupperlehren helfen bei der Berufswahl. Zulässig sind sie in der Regel ab 14 Jahren. Für 13- und 14-Jährige darf ein Schnupperarbeitstag maximal acht Stunden dauern, die zwischen 6 Uhr morgens und 18 Uhr abends liegen müssen. Für 15- bis 18-jährige Schnuppernde gelten maximal neun Stunden, maximal bis 20 Uhr (unter 16-Jährige) resp. 22 Uhr (unter 18-Jährige). Für kurze Schnupperlehren gibt es keinen Lohn, doch bei längeren Einsätzen muss die Firma eine Entschädigung zahlen. Die Schnupperlehre darf höchstens zwei Wochen dauern. Informationen dazu gibt die Gewerkschaft.

  • Nach dem 18. Geburtstag gehst du alle Verträge auf eigenes Risiko ein. Du musst also auch Schulden selber zurückzahlen. Am häufigsten entstehen Schulden, weil Telefon- und Krankenkassenrechnungen nicht bezahlt, Bankkonten oder Kreditkarten überzogen und hohe Monatsraten für Leasing abgeschlossen werden. Mit dem kleinen Ausbildungslohn wachsen sich solche Schulden schnell zum Problem aus. Wenn du nach einer Betreibung nicht sofort bezahlst, kann der Lohn gepfändet werden. Kannst du Schulden nicht innerhalb dreier Monate zurückzahlen, brauchst du eine Beratung. In allen Kantonen gibt es Budget- und Schuldenberatungsstellen.

  • Die Schulordnung oder das Schulreglement der Berufsfachschule regelt Pflichten und Rechte der Lernenden. Sie erlässt Bestimmungen zu Pünktlichkeit, Rauchverbot, Absenzen, Bussen, Beschwerdemöglichkeiten und Mitspracherechten, aber etwa auch zum Gebrauch des Smartphones während der Schulzeit. Meistens schreibt sie auch Grundregeln des Zusammenlebens vor wie zum Beispiel, dass Anwendung von Gewalt und rassistische Äusserungen auf dem Schulareal nicht geduldet werden. In der Schulordnung oder auf einem separaten Merkblatt sind alle schulinternen Beratungsmöglichkeiten und Ansprechpersonen für Konflikte und Beschwerden aufgeführt.

  • Der schulpsychologische Dienst betreut auch Jugendliche in der Grundbildung. Der schulärztliche Dienst, das Berufsbildungsamt, die Berufsfachschule oder die Berufsberatung können bei Schwierigkeiten den schulpsychologischen Dienst beiziehen. Dieser bietet Abklärung, Beratung und Betreuung an, macht Gutachten und führt Gespräche mit Eltern, Lehrerinnen, Ausbildnerinnen usw. Der schulpsychologische Dienst ist kantonal geregelt.

  • Der Besuch der Berufsfachschule ist obligatorisch und kostet während der Grundbildung und der Vorbereitung auf die Berufsmaturität nichts. Der Schulunterricht muss möglichst zusammenhängend an ganzen oder mindestens halben Tagen stattfinden. Ein Schultag darf nicht mehr als neun Lektionen beinhalten, dazu zählen auch am selben Tag stattfindende Frei- oder Stützkurse. Der Besuch dieser Kurse darf insgesamt nicht mehr als einen halben Tag pro Woche beanspruchen. Die Berufsfachschule kann dich vom Schulunterricht dispensieren, wenn du bereits eine Ausbildung oder die geforderten Kenntnisse in einem Fach nachweisen kannst. Sie ist verpflichtet, Ansprechpersonen zu bestimmen, welche die Lernenden beraten.

  • Während der Schwangerschaft darfst du dich bei Beschwerden von der Arbeit entfernen. Du musst dies allerdings melden. Betriebe müssen für schwangere Arbeitnehmerinnen die Arbeit anpassen: Nachtarbeit, soweit sie überhaupt zulässig ist, ist in Tagesarbeit umzuwandeln. Schwangere dürfen keine schwere körperliche und keine gefährliche Arbeit verrichten, etwa in einer Umgebung, für die besondere Schutzmassnahmen nötig sind. Arbeit im Stehen ist so weit als möglich zu reduzieren, der Betrieb muss dir weitgehend eine Arbeit im Sitzen zuweisen. Der Lehrbetrieb darf dir wegen der Schwangerschaft nicht kündigen, auch nicht während der 16 Wochen nach der Geburt. Kündigt der Betrieb trotzdem, so ist dies nichtig. Das Unternehmen muss dich vielmehr unterstützen, dass du trotz Schwangerschaft die Grundbildung beenden kannst, die deswegen auch länger dauern kann. Nach der Geburt des Kindes hast du Anrecht auf 14 Wochen bezahlten Mutterschaftsurlaub zu 80 Prozent des Lohnes. Bei den sozialmedizinischen Diensten deines Kantons oder der Mütterberatung am Wohnort erhältst du Beratung. Während dem ersten Lebensjahr deines Kindes muss dir für das Stillen am Arbeitsplatz oder das Abpumpen der Milch ein entsprechend abgeschirmter Ort zur Verfügung stehen. Die Zeit, die du dafür brauchst, gilt als Arbeitszeit. Du kannst so maximal 90 Minuten pro Arbeitstag anrechnen lassen, sofern dieser länger als 7 Stunden dauert.

  • Wer gegen Bezahlung arbeitet, ohne dies den Sozialversicherungen zu melden, verrichtet Schwarzarbeit. Auch Überstunden sind Schwarzarbeit, wenn sie nicht in der Lohnabrechnung aufgeführt oder nicht mit Zeit kompensiert werden. Nebenbeschäftigungen musst du bei der Sozialversicherung und auch bei der Berufsbildnerin anmelden. Nur wenn der gesamte Jahreslohn weniger als 2300 Franken beträgt, ist diese Anmeldung freiwillig – ausser wenn du in einem Privathaushalt beschäftigt bist (hier beträgt die Grenze für unter 25-Jährige 750 Franken). Auch nach der Grundbildung solltest du keinen Arbeitsvertrag eingehen, in dem die Sozialversicherungsabzüge nicht geregelt sind. Denn an einem solchen Arbeitsplatz besteht kein Schutz, weder hinsichtlich Arbeits- und Ruhezeit, Kündigungsfrist, Mindestlohn noch bei Verlust der Arbeit oder Unfall. Nach einer Kontrolle wird nicht nur die Arbeitgeberin sondern auch die Arbeitnehmerin bestraft. Gebüsst wirst du auch, wenn du die obligatorischen Sozialversicherungsbeiträge und die Einkommenssteuern nicht bezahlt hast.

  • Zur Sekundarstufe II («nachobligatorische» Ausbildung) gehören die Grundbildung in einem Lehrbetrieb, schulische Vollzeitangebote der Grundbildung, Fachmittelschulen, allgemeinbildende Schulen, Gymnasien und Fachmittelschulen. Als Tertiärstufe bezeichnet man einerseits die Universitäten und Fachhochschulen, anderseits die Höhere Berufsbildung mit Berufsprüfungen, Höheren Fachprüfungen und Höheren Fachschulen.

  • Im Internet findest du Informationen zu den Themen Sexualität, sexuelle Orientierung, Homosexualität, Verhütung, sexuell übertragbare Krankheiten, Schwangerschaft, aber auch zu Themen wie Liebeskummer, Beziehungsstress, Schüchternheit. Oft kannst du dabei anonym Fragen stellen und dich bei Problemen beraten lassen. Ausserdem findest du Adressen von Beratungsstellen, Fachpersonen, Chats.

  • Einschlägige Witze, sexistische Bemerkungen über dein Aussehen oder deine Kleidung, Anspielungen auf dein Privatleben oder unnötige Berührungen gelten als sexuelle Belästigungen, wenn du dich klar dagegen aussprichst. Du musst dir solche Belästigungen nicht von Kollegen und schon gar nicht von Vorgesetzten gefallen lassen. Bringt ein Gespräch mit der betreffenden Person keine Veränderung, wende dich an die Berufsbildnerin oder an die Personalverantwortliche im Lehrbetrieb. Grössere Betriebe bestimmen Ansprechpersonen, an die sich die Angestellten bei Diskriminierungen und sexueller Belästigung wenden können. Diese Personen dürfen Informationen nur mit deiner Einwilligung weitergeben. Das Gleichstellungsgesetz regelt, was als sexuelle Diskriminierung gilt und mit welchen Folgen zu rechnen ist. Aufgeführt sind sexistische Bemerkungen, sexuelle Berührungen, das Einfordern sexueller Leistungen für eine Gefälligkeit oder mit Drohungen, Gewaltanwendung usw. Ebenfalls verboten sind entwürdigende Behandlungen wegen des Geschlechts. Nach Gesetz muss die Betriebsleitung alle Beschäftigten darüber informieren, dass solche Diskriminierungen nicht geduldet werden. Erhältst du nach einer Belästigung im Lehrbetrieb keine Unterstützung, kannst du dich an die Gewerkschaft oder direkt an die Schlichtungsstelle wenden. Diese kantonalen Stellen, die meistens als Schlichtungsstellen für Gleichstellungs- oder für Diskriminierungsfragen bezeichnet werden, klären die Sachlage ab und verlangen vom Betrieb wenn nötig die Beseitigung und eine Entschädigung.

  • Du darfst erst ab vollendetem 15. Lebensjahr arbeiten. Bist du zwischen 15 und 18 Jahre alt, dann darf deine Arbeitszeit die der übrigen im Betrieb Beschäftigten nicht übersteigen. Keinesfalls darf sie mehr als neun Stunden pro Tag betragen, Überstunden und obligatorische Kurse eingeschlossen. In den wenigen Kantonen, wo das Ende der obligatorischen Schulpflicht vor dem vollendeten 15. Altersjahr möglich ist, kann über 14-Jährigen via Verordnung erlaubt werden, zu speziellen Bedingungen zu arbeiten. Ab dem vollendeten 13. Altersjahr kann man dich mit Botengängen und leichten Arbeiten im Bereich von Kultur, Kunst (Festival), Sport oder Werbung beschäftigen. In den Schulferien darfst du höchstens während der Hälfte der Ferien arbeiten, maximal 8 Stunden pro Tag und 40 Stunden pro Woche, zwischen 6 und 18 Uhr. Auch wenn du nur einen ganz kurzen Sommerjob hast, muss dich der Arbeitgeber gegen Unfall versichern. Wenn du mehr als 8 Stunden pro Woche arbeitest, dann deckt diese Versicherung sowohl Berufs- wie Nichtberufsunfälle ab. Bei weniger als 8 Stunden pro Woche sind nur Berufsunfälle gedeckt. Du hast auch bei deinen Sommerjobs anteilmässiges Anrecht auf Ferien (5 Wochen bis 20 Jahre, 4 Wochen ab 20 Jahren). Wenn du die Ferien nicht in Zeit nimmst, dann sind sie dir mit einem Zuschlag auf dem Lohn abzugelten (10.64 Prozent bis 20 Jahre, 8.33 Prozent ab 20 Jahren).

  • Sonntagsarbeit (von Samstag 23 Uhr bis Sonntag 23 Uhr) ist für Minderjährige verboten. Betriebe, die am Sonntag arbeiten wollen, benötigen eine Bewilligung. Nur für Bahnhöfe und Flughäfen gilt Sonntagsarbeit als bewilligt. In einer Verordnung des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) ist aufgeführt, welche Betriebe am Sonntag arbeiten dürfen und welche Regelungen lediglich für Bahnhöfe und Flughäfen gelten. Die Gewerkschaften reden mit, ob und in welchem Umfang Betriebe von der Bewilligungspflicht befreit werden können. Für Lernende unter 18 Jahren legt die «WBF-Verordnung über die Ausnahmen zum Verbot der Nachts- und Sonntagsarbeit in der beruflichen Grundbildung» Ausnahmen für bestimmte Berufe fest, für die ohne Sonntagsarbeit das Berufsziel nicht erreicht werden kann. Ausnahmen kann es auch bei unvorhergesehenen Schäden geben. Dauernde und regelmässig wiederkehrende Sonntagsarbeit muss das Seco bewilligen, vorübergehende Sonntagsarbeit (bis zu 6 Sonntage pro Jahr) der Kanton. Sonntagsarbeit (wenn sie länger dauert als 5 Stunden) ist für Lernende unmittelbar nach der 12-stündigen Ruhezeit durch einen Ruheausgleichstag (24 Stunden), der auf einen Arbeitstag fällt, zu kompensieren. Für vorübergehende Sonntagsarbeit (bis sechs Sonntage pro Jahr) ist ein Stundenlohnzuschlag von 50 Prozent zu entrichten. Gesamtarbeitsverträge enthalten auch Regelungen mit höheren Lohnzuschlägen.

  • Die Bundesverfassung gibt Anspruch auf Hilfe und Betreuung in einer Notlage und auf die Mittel, um ein menschenwürdiges Leben zu führen. Zwischen vier bis fünf Prozent der 18 bis 25-Jährigen sind auf Sozialhilfe angewiesen. Wenn du in einer finanziellen Notlage steckst, ist die kantonale Sozialhilfe zuständig. Die Leistungen richten sich nach den Richtlinien der Schweizerischen Konferenz der Sozialhilfe (SKOS), die von den meisten Kantonen eingehalten werden. Neben dem absoluten Existenzminimum soll die Sozialhilfe auch die Teilhabe am Sozial- und Arbeitsleben ermöglichen. Die SKOS empfiehlt, dass zur Grundsicherung, zu der Wohnkosten und medizinische Grundversorgung gehören, auch eine Lebensunterhaltspauschale bezahlt wird. Diese soll man selbständig verwalten können. Für eine Person beträgt sie 986 Franken. Dazu kommen die Wohnungskosten und die medizinische Grundversorgung. Vollzeit-Erwerbstätigen über 16 Jahren wird ein Freibetrag von 400 bis 700 Franken auf das Be- rufseinkommen gewährt. Die Sozialhilfe übernimmt auch Aus- und Umbildungskosten. Für junge Sozialhilfeemp- fängerinnen gibt es Arbeitsintegrationsmassnahmen, die besucht werden müssen. Ausserdem kann das Sozialamt verlangen, dass sie statt eine eigene Wohnung ein günsti- ges WG-Zimmer bewohnen. Wer sich nicht aktiv um Arbeit bemüht, muss mit Leistungskürzungen bis zu 15 Prozent rechnen. Solche Änderungen müssen durch die zustän- dige Stelle offiziell mitgeteilt und begründet werden. Der Entscheid muss eine Einsprachefrist enthalten. Sozialhilfe muss zurückerstattet werden, wenn Einnahmen nicht an- gegeben wurden. In einigen Kantonen gilt das auch, wenn man durch Erbschaft oder Lotteriegewinn zu Vermögen kommt.

  • Als Sozialleistungen werden die finanziellen Beiträge bezeichnet, welche der Betrieb für dich bezahlt. Einige Sozialleistungen wie AHV/IV/EO, ALV und BVG sind vom Gesetz vorgeschrieben, zu anderen verpflichtet der Gesamtarbeitsvertrag. Einige Betriebe bezahlen auch freiwillige Leistungen an die Krankenkassenprämien und übernehmen deine Prämie für die Krankentaggeldversicherung.

  • Während der Ausbildung muss der Betrieb für auswärtige Arbeitseinsätze und den Besuch der überbetrieblichen Kurse je nach Distanz Reisespesen, Verpflegung, Unterkunft und weitere Unterhaltsspesen bezahlen. Der Betrieb kann Lernenden einen freiwilligen Beitrag an die Kosten in der Berufsfachschule für Bücher, Exkursionen, Sprachaufenthalte und Projektwochen leisten. Wenn nichts darüber im Lehrvertrag steht, frage vor Beginn der Ausbildung nach, wie die Beteiligung an diesen Kosten geregelt ist. Generell gilt, dass die Arbeitgeberin alle Kosten, die während der Ausübung einer Arbeit anfallen, bezahlen muss: zum Beispiel Zugticket, Essen, obligatorisch vorgeschriebene Weiterbildung, Schutzkleidung und notwendige Arbeitsgeräte. Vertragliche Abmachungen, welche solche Spesen den Arbeitnehmerinnen belasten, sind nichtig.

  • Das Gesetz schreibt vor, dass du während der Grundbildung an der Berufsfachschule Turnen und Sportunterricht besuchen musst. Dieser Unterricht wird im Bundesgesetz zur Förderung von Turnen und Sport geregelt. Für einen Tag Pflichtunterricht ist eine Lektion vorgeschrieben, ab eineinhalb Tagen zwei Lektionen. In vielen Schulen finden neben dem Turnunterricht auch freiwillige Sportanlässe statt. Wenn du selber eine Ausbildung als Leiterin Jugend und Sport machst oder in J+S-Kursen und -Ferienlagern mitarbeitest, erhältst du zusätzlich zu den Ferien eine Woche Jugendurlaub (nicht bezahlt).

  • In einigen Grundbildungen oder Betrieben sind Sprachaufenthalte im In- oder Ausland möglich. Die Kosten müssen von den Lernenden bezahlt werden. Informiere dich zu Beginn der Ausbildung, wie das geregelt wird. Die Sprachaufenthalte finden meist während den Ferien statt. Deshalb fordern Gewerkschaften und Berufsverbände, dass die Ferien der Lernenden von heute fünf auf sieben Wochen erhöht werden.

  • In der beruflichen Grundbildung ist das Erlernen einer Fremdsprache obligatorisch. Für das Fähigkeitszeugnis und die Berufsmaturität werden in der Regel zwei Fremdsprachen verlangt. Schülerinnen mit guten Noten können zusätzlich zum obligatorischen Unterricht Freikurse besuchen. Die Berufsfachschulen bieten alle anerkannten Sprachzertifikate und -Abschlüsse an, zum Beispiel das First Certificate oder Advanced English, das Delf in Französisch und das DILC in Italienisch. Für den Nachweis der erlernten Sprachen dient das europäische Sprachenportfolio, das an allen Berufsfachschulen eingeführt werden soll. Es gilt in der ganzen EU und einigen anderen Ländern und erleichtert die Anerkennung deines Diploms, wenn du im Ausland Sprachkurse machst.

  • Das Seco ist zuständig für Arbeits- und Wirtschaftsfragen, das heisst für Arbeitnehmerschutz, Arbeitszeitbewilligungen, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Arbeitsvermittlung usw. Es überwacht die Einhaltung aller Massnahmen, welche diese Bereiche betreffen, und ist Anlaufstelle für Beschwerden bei Schwarzarbeit, mangelnder Sicherheit, Lohndumping. Zudem hat es die Arbeitsinspektorate und die Arbeitslosenversicherung zu überwachen.

  • In der Grundbildung mit Fähigkeitszeugnis können Standortbestimmungen durchgeführt werden. Sie geben die Grundlage für einen Wechsel in die Grundbildung mit Berufsattest, eine Lehrverlängerung oder den Abschluss mit Berufsmaturität. Die Berufsfachschule entscheidet und gibt dem Lehrbetrieb und dem Berufsbildungsamt eine Empfehlung ab. Diese müssen mit dem Wechsel in eine andere Grundbildungsstufe einverstanden sein. Die Standortbestimmung dient auch als Grundlage für die Wahl von Freikursen oder die Empfehlung von Stützkursen.

  • Während der Grundbildung kann es vorkommen, dass du die Lehrstelle verlierst, weil der Betrieb schliesst. Das Berufsbildungsamt muss dich dann bei der Suche nach einer andern Lehrstelle oder einer Stelle unterstützen. Doch es besteht kein Recht auf eine andere Stelle. Auch nach dem Lehrabschluss ist der Lehrbetrieb nicht verpflichtet, dich weiter zu beschäftigen oder dir bei der Stellensuche behilflich zu sein. Im letzten Ausbildungsjahr hast du in den letzten beiden Monaten vor dem Abschluss das Recht auf bezahlten Urlaub (Stunden oder Tage), um dich an einer Stelle vorzustellen, an Bewerbungsverfahren teilzunehmen und dich darauf vorzubereiten.

  • Mit deinem ersten Einkommen geht die Pflicht einher, dieses in deiner eigenen Steuererklärung anzugeben. Bist du noch minderjährig, musst du lediglich dein Einkommen angeben. Dein Vermögen führen deine Eltern noch in ihrer Steuererklärung auf. Erst nach deinem 18. Geburtstag musst du auch dein Vermögen selber versteuern. Bevor du auf dein Einkommen tatsächlich Steuern bezahlen musst, muss dieses eine gewisse Höhe erreichen. Jeder Kanton legt dabei selber fest, bis zu welcher Höhe dein Einkommen noch steuerfrei ist. Einige Kantone gewähren Minderjährigen in Ausbildung ausserdem pauschale Spezialabzüge. Auch wenn du mit deinem Einkommen den von deinem Kanton festgelegten Mindestbetrag noch nicht erreichst, musst du jedoch trotzdem deine Steuererklärung ausfüllen und fristgerecht einreichen. Ansonsten wirst du von der Steuerbehörde gebüsst und dein Einkommen geschätzt. Dabei fallen die Steuern oftmals höher aus als wenn du deine Steuererklärung fristgerecht abgeschickt hättest.

  • Für die Kosten während der Grundbildung in einer Vollzeitschule oder für Weiterbildungen kannst du Stipendien beantragen. Stipendien müssen nicht zurückbezahlt werden. Wie hoch sie sind, hängt vom Einkommen der Familie, der eigenen Lebenssituation, den Leistungen in der Ausbildung usw. ab. Ausser Stipendien kannst du auch Ausbildungsdarlehen beziehen, die für eine bestimmte Zeit zinslos sind. Stipendien und Darlehen werden vom Kanton gewährt. Es gibt aber auch Stiftungen von Betrieben, Institutionen und Berufsverbänden, die Ausbildungsbeiträge leisten. Informationen geben die Berufs- Laufbahn und Studienberatung im Kanton und die Gewerkschaften. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) führt ein Stiftungsverzeichnis.

  • Wenn du trotz Verwarnung die Berufsfachschule oder die überbetrieblichen Kurse nicht besuchst, können Strafen verhängt werden. Die Reglemente der Berufsfachschulen enthalten entsprechende Bestimmungen. Deine Ausbildnerin und die Verantwortliche für die überbetrieblichen Kurse können ebenfalls Strafen aussprechen. Wenn du mit einer Strafe nicht einverstanden bist, kannst du dich an das Berufsbildungsamt wenden. Es wird vermitteln und helfen, nach Lösungen zu suchen.

  • Wenn sie streiken, verweigern Arbeitnehmerinnen die Arbeit. Der Streik erlaubt ihnen so, ihre Ansprüche und Forderungen kollektiv zu verteidigen resp. durchzusetzen. Dieses Recht ist in der Bundesverfassung festgelegt. Ein Streik ist erst zulässig, wenn die vorangehenden Verhandlungen gescheitert sind. Er muss Arbeitsbeziehungen betreffen. Der Streik ist quasi das letzte Mittel und er muss angemessen geführt werden. In der Regel suchen die Sozialpartner gemeinsame Lösungen in Verhandlungen. Doch die Verbände der Arbeitnehmenden können zum Streik aufrufen, wenn Verhandlungen einseitig abgebrochen, Gesamtarbeitsverträge gekündigt oder massive Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen und Massenentlassungen angekündigt werden. Während längerer Streiks erhalten Gewerkschaftsmitglieder eine finanzielle Unterstützung. Der Betrieb darf Beschäftigten wegen der Teilnahme an einem Streik nicht kündigen. Das Bundesgericht hat solche Kündigungen als missbräuchlich bezeichnet. Ein Recht auf Wiederanstellung besteht allerdings nicht, sondern es kann nur eine Entschädigung gefordert werden.

  • Im Lehrbetrieb kann es zwischen dir und der Berufsbildnerin wegen der Ausbildung oder aus anderen Gründen wie kulturellen Unterschieden, persönlichen Problemen, Stress usw. zu Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten kommen. Sind solche Streitigkeiten häufig, wende dich zusammen mit den Eltern bzw. deiner gesetzlichen Vertretung an die Ausbildungsberaterin beim kantonalen Berufsbildungsamt. Sie ist verpflichtet, zu vermitteln und gemeinsam mit dir und dem Lehrbetrieb nach Lösungen zu suchen, damit du die Ausbildung weiterführen kannst. Ist der Grund für die Streitigkeiten ein Verbot des Lehrbetriebs, Freikurse oder Stützkurse zu besuchen, so entscheidet das Berufsbildungsamt über die Teilnahme.

  • Wenn du dich in der Berufsfachschule oder im Lehrbetrieb häufig wegen schlechter Leistungen gestresst und unter Druck fühlst oder unter Prüfungsangst leidest, wende dich an die Beratungsstelle der Schule. Eine Entlastung können Stützkurse bieten. In einigen Schulen gibt es Lehrpersonen, die Kurse in Lerntherapie gemacht haben und dich beraten können. Im Lehrbetrieb besteht die Möglichkeit, dass du während der Arbeit mehr Zeit erhältst, um für den berufsbildenden Unterricht zu lernen, und dich Mitarbeitende in bestimmten Fächern unterstützen. Wenn du wegen Problemen am Arbeitsplatz oder Zuhause unter Stress leidest, solltest du dich bei einer Fachstelle beraten lassen.

  • Bei Lernschwierigkeiten kannst du an der Berufsfachschule Stützkurse belegen. Die Berufsfachschule ordnet die Kurse an und bespricht sie mit dir und der Berufsbildnerin. Du kannst aber auch selber fragen, ob du solche Kurse besuchen kannst. Der Lehrbetrieb muss dir für den Besuch der Kurse bis zu einem halben Tag pro Woche frei geben und darf keine Lohnabzüge machen. Wenn die Berufsbildnerin oder die Berufsfachschule mit deinem Wunsch, Stützkurse zu besuchen, nicht einverstanden ist, entscheidet das Berufsbildungsamt. Der Kanton muss dafür sorgen, dass die Berufsfachschule oder eine private Organisation genügend Stützkurse anbieten. Die Entscheidung, wie Stützkurse organisiert sind, liegt beim Kanton. Er muss private Anbieterinnen kontrollieren. Für angeordnete Stützkurse darf von dir kein Schulgeld, jedoch die Bezahlung der Lehrmittel verlangt werden. In der zweijährigen Grundbildung mit Berufsattest hast du die Möglichkeit, dass dir bei Lernschwierigkeiten eine fachkundige individuelle Begleitung zur Seite gestellt wird.

  • Eine Sucht besteht, wenn du regelmässig rauchst, kiffst, Medikamente gegen Stress schluckst, alkoholische Getränke oder Drogen konsumierst. Auch bestimmte Beschäftigungen können süchtig machen, so etwa wenn du die ganze Freizeit an Spielautomaten, am Smartphone oder am Computer verbringst. Manchmal kommen auch krankhafte Essstörungen vor (Bulimie, Anorexie). Oft sind mit einer Sucht weitere Probleme wie schlechte Schulleistungen, Schulden, viele Krankheitsabsenzen usw. verbunden. Hilfe und Unterstützung bieten Jugend- oder Suchtberatungsstellen. Im Notfall kannst du dich an das Telefon 147 wenden. Der Lehrbetrieb darf dir wegen einer Sucht nur dann kündigen, wenn die Arbeit oder die Sicherheit im Betrieb darunter leiden. Bei einem Suchtverdacht kann er aber deine Eltern bzw. gesetzlichen Vertreter und das Berufsbildungsamt informieren und verlangen, dass du dich beraten lässt.

  • Während der Grundbildung werden bestimmte Teilgebiete bereits vor der Lehrabschlussprüfung abgeschlossen und geprüft. Bei ungenügender Fachnote können sie zweimal wiederholt werden, spätestens aber während der Abschlussprüfung.

  • Für Teilzeitarbeit gelten dieselben rechtlichen Regelungen wie für Vollzeitarbeit. Die wöchentliche Arbeitszeit muss im Arbeitsvertrag angegeben sein. Neben fixen Arbeitszeiten kann auch eine Jahresteilzeitarbeit vereinbart werden. Bei unregelmässig anfallender Arbeit sollte vertraglich abgemacht sein, dass die Einsätze mindestens zwei Wochen im Voraus festgelegt werden und eine Mindestarbeitszeit garantiert ist. Bei Teilzeitarbeit besteht derselbe Anspruch auf Ferien wie für Vollzeitarbeitende im Betrieb, mindestens aber auf vier Wochen. Wenn du Teilzeit arbeitest, solltest du vertraglich vereinbaren, dass dir für Überstunden über die vereinbarte Arbeitszeit hinaus Zuschläge (in Geld oder Zeit) entrichtet werden. Achte auch darauf, dass dir der Koordinationsabzug für die berufliche Vorsorge (BVG) nach Anstellungspensum abgestuft wird, um deine Rentenansprüche zu verbessern.

  • Wenn du temporär arbeitest, ist die Temporärfirma deine Arbeitgeberin. Sie braucht eine Bewilligung für den Arbeitsverleih und ist verpflichtet, dir einen schriftlichen Arbeitsvertrag auszuhändigen. Wenn der Arbeitsvertrag unbefristet ist, gelten kürzere Kündigungsfristen: in den ersten drei Monaten 2 Tage, ab dem 4. Monat 7 Tage, ab dem 7. Monat gelten die normalen Kündigungsfristen für unbefristete Arbeitsverträge. Lohn und Arbeitszeit richten sich nach dem Gesamtarbeitsvertrag (GAV). Für Betriebe ohne Branchen-GAV regelt ein allgemeinverbindlicher GAV Mindestlöhne und die Dauer der Erwerbsausfallversicherung bei Krankheit. Für Temporärarbeitende, die Beiträge an die berufliche Vorsorge (BVG) entrichten, beträgt die Dauer dieser Taggelder 720 Tage, für jene ohne BVG-Pflicht in den ersten drei Monaten 60 Tage, danach für jeden weiteren Monat zusätzlich 30 Tage. Sogenannte Kettenarbeitsverträge, das heisst mehrere Temporär- oder Aushilfsarbeitsverträge bei derselben Arbeitgeberin sind missbräuchlich, wenn damit Kündigungsfristen oder Sozialversicherungsverpflichtungen umgangen werden. Vor Gericht gelten solche Kettenverträge als unbefristeter Arbeitsvertrag. Vertragliche Abmachungen, dass du keine Festanstellung annehmen darfst, sind nichtig.

  • Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) führt ein Verzeichnis mit allen geschützten Berufstiteln. Wer einen Titel führt, ohne die Prüfungen dafür abgelegt zu haben, wird mit Busse bestraft. Es ist möglich, beim SBFI einen offiziellen Berufsnachweis mit Titel und der Beschreibung der Qualifikation auf Englisch zu verlangen.

  • Andenüberbetrieblichen Kursen (ÜK) werden berufliche Fachkenntnisse vertieft. Die Kurse sind eine Ergänzung der Ausbildung im Lehrbetrieb. Du lernst in diesen Kursen vor allem Grundlagen, die für die Ausübung des Berufes wichtig sind. Die ÜK finden in der Regel am Anfang der Ausbildung und danach ein- bis zweimal im Jahr statt und dauern mehrere Tage. Ausser in grossen Betrieben mit eigenen Ausbildungszentren werden sie ausserhalb des Betriebes durchgeführt, weil Lernende aus verschiedenen Betrieben daran teilnehmen. Die ÜK werden von den Organisationen der Arbeitswelt, die für die Berufsbranche zuständig sind, organisiert und oft auch durchgeführt. Der Besuch der ÜK ist obligatorisch. Deshalb muss der Lehrbetrieb alle Spesen für Reise, Verpflegung und andere Kosten übernehmen.

  • Überstunden nennt man geleistete Arbeitszeit, welche die vertraglich vereinbarte überschreitet. Davon zu unterscheiden ist Überzeit. Diese überschreitet die ge- setzlich vorgeschriebene Arbeitszeit. Der Lehrbetrieb kann von Lernenden Überstunden verlangen. Für unter 18-Jährige gibt es aber speziellen Schutz. Zusammen mit den Überstunden darf deren Höchstarbeitszeit pro Tag nicht mehr als neun Stunden betragen. Diese neun Stunden können via Pausen maximal auf eine tägliche Dauer von 12 Stunden verteilt werden. Wenn am selben Tag noch Unterricht an der Berufsfachschule stattfindet, muss diese Zeit angerechnet werden. Von unter 16-Jährigen kann der Betrieb keine Überstunden verlangen. (Unter 15-Jährige dürfen gar nicht beschäftigt werden.) Für Überstunden steht dir generell ein mindestens gleichwertiger Ausgleich in Zeit oder ein Lohnzuschlag von mindestens 25 Prozent zu. Die Kompensation durch Zeit ist für Lernende die bessere Lösung als der Zuschlag auf dem geringen Lohn. In den Gesamtarbeitsverträgen (GAV) sind oft günstigere Überstundenzuschläge vereinbart, die auch für Lernende gelten. In einigen Betrieben erhalten Lernende für Überstunden einen Lohn, der dem Mindestlohn entspricht, da ja Überstunden nicht zur Ausbildung gehören. Nicht erlaubt ist, dass du zur Strafe Überstunden machen musst. Wenn du häufig Überstunden leisten musst, informiere die Ausbildungsberaterin.

  • Überzeit ist Arbeitszeit, die über die gesetzliche Höchstsarbeitszeit hinausgeht. In der Industrie, im Verkauf und in den Büros beträgt diese Höchstarbeitszeit 45 Stunden pro Woche, für alle andern Branchen 50 Stunden pro Woche. Für Volljährige mit Höchstarbeitszeit von 45 Stunden darf Überzeit höchstens 170 Stunden pro Jahr, bei Höchstarbeitszeit von 50 Stunden 140 Stunden pro Jahr betragen. Ab der 61. Überzeitstunde pro Jahr ist Überzeitar- beit mit einer Ausgleichsruhezeit und einem Lohnzuschlag von 25 Prozent abzugelten. Jugendliche unter 16 Jahren dürfen keine Überzeit leisten. 16- bis 18-Jährige dürfen nicht länger als 9 Stunden pro Tag und höchstens bis 22 Uhr arbeiten. Sie dürfen nur in absoluten Ausnahmefällen (Pannen, Behebung von Schäden, verursacht durch höhere Gewalt) zu Überzeit verpflichtet werden. In jedem Fall sind die anderen gesetzlichen Vorschriften (Sonntags-, Nachtarbeit, minimale Ruhezeiten) einzuhalten. Überzeit darf nicht mit Überstunden verwechselt werden, welche sich auf die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit beziehen.

  • Der Lehrbetrieb muss Lernende gegen Berufsunfälle, Berufskrankheiten und Nichtberufsunfälle versichern. Die Prämien für die Nichtberufsunfallversicherung kann er von deinem Lohn abziehen. Die obligatorische Unfallversicherung bezahlt ab dem dritten Tag nach dem Unfall alle Kosten und bei Arbeitsunfähigkeit 80 Prozent des Lohnes. Wer die Grundbildung in einer Schule absolviert oder eine Vollzeitweiterbildung beginnt, oder auf Reisen geht, muss sich bei der Krankenkasse gegen Unfall versichern. Die obligatorische Unfallversicherung wird je nach Arbeitsgebiet von der SUVA oder anderen Versicherern mit einer gesetzlichen Bewilligung geführt.

  • Eltern müssen bis zur Volljährigkeit bzw. bis zum Abschluss der Berufsausbildung (aber höchstens bis zum vollendeten 25. Altersjahr) für Unterhalt, Miete, Essen und andere notwendige Auslagen der Kinder sorgen. Sie können aber verlangen, dass du einen Anteil daran von deinem Lohn bezahlst. Lebst du nicht mit den Eltern zusammen, müssen sie zu deinem Unterhalt beitragen, bis du einen angemessenen Abschluss hast, sofern dieser in normalen Fristen erfolgt.

  • Es gibt bestimmte Ereignisse, für die ein Recht auf einen bezahlten Urlaub besteht: Zum Beispiel Heirat von Geschwistern oder einem Elternteil, die eigene Hochzeit, Todesfälle in der Familie, Umzug in eine andere Wohnung usw. In den Gesamtarbeitsverträgen ist geregelt, wie lange der bezahlte Urlaub dauert. Anspruch auf unbezahlten Urlaub hast du nur für Jugendurlaube, die im Gesetz geregelt sind. Doch der Lehrbetrieb und die Berufsfachschule können auch die Zustimmung zu anderen unbezahlten Urlauben wie zum Beispiel Sprachaufenthalte geben. Vor Beginn eines Urlaubs solltest du auf jeden Fall abklären, ob du gegen Krankheit und Unfall versichert bleibst.

  • Das Arbeitsgesetz schreibt vor, welche Arbeiten für Jugendliche verboten sind. Für Jugendliche bis 18 Jahre gelten die Regelungen der Jugendschutzverordnung (ArGV 5). Die Arbeit darf die physische und psychische Entwicklung nicht beeinträchtigen. Verboten sind Tätigkeiten mit einem hohen Unfall- oder Krankheitsrisiko, die Arbeit an gefährlichen Orten, schwere körperliche Arbeit, ein belastendes Arbeitszeitsystem, Einsätze an gefährlichen Maschinen, der Umgang mit gefährlichen chemischen Substanzen, das Sortieren von Altmaterial und nicht desinfizierter Wäsche. Das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) führt eine Liste, auf welcher die verbotenen Arbeiten für Jugendliche aufgeführt sind. Damit trägt das WBF der Tatsache Rechnung, dass die Jugendlichen aufgrund mangelnder Erfahrung und Ausbildung nicht über das gleiche Gefahrenbewusstsein verfügen wie die Erwachsenen. Bei Ausnahmen, die für das Erlernen des Berufs nötig sind, muss der Betrieb Schutzmassnahmen treffen. Diese müssen im Bildungsplan festgehalten sein, damit du sie erlernen und anwenden kannst. Die Eltern müssen informiert werden, und das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) legt fest, für welche Arbeiten ein Arztzeugnis nötig ist.

  • Die Vereinigungsfreiheit ist in der Bundesverfassung festgelegt. Auch Lernende können sich einem Verein, einer Gewerkschaft usw. anschliessen. Sie können eine solche Vereinigung sogar selbst gründen. Der Lehrbetrieb darf eine solche Mitgliedschaft nicht verbieten und auch nicht davon abraten. Du bist dem Betrieb diesbezüglich auch keine Rechenschaft schuldig. Als Mitglied einer Gewerkschaft oder eines Berufsverbandes hast du bestimmte Rechte. So ist es zum Beispiel erlaubt, in der Pause Aktionen zu besprechen, im Betrieb Informationen zu verteilen und an Verhandlungen oder Streiks teilzunehmen. Wenn Arbeitnehmerinnen wegen gewerkschaftlicher Aktivitäten entlassen werden, können sie allerdings nur eine Entschädigung einklagen, nicht die Wiedereinstellung.

  • Eine Anordnung der Gemeinde, des Kantons oder des Bundes wird auch Verfügung genannt. Gegen solche Verfügungen von öffentlichen Stellen kann man Einsprache erheben. Am Schluss der Verfügung ist meistens eine Rechtsmittelbelehrung aufgeführt. Sie gibt an, wo und innerhalb welcher Frist man Einsprache gegen eine Verfügung erheben kann. Die Einsprache ist nur innerhalb dieser Frist gültig.

  • Die Grundbildung dauert in der Regel zwei bis vier Jahre. Ihre Verlängerung kann eine Lösung sein, wenn wegen Lernschwierigkeiten oder aus persönlichen Gründen die Ausbildung verzögert wird, oder du die LAP nicht bestanden hast. Um- gekehrt kann der Kanton für besonders befähigte Lernende oder für solche, die bereits eine Vorbildung haben, eine Verkürzung bewilligen. Für die Veränderung der Ausbildungszeit braucht es eine Bewilligung des Berufsbildungsamtes. Dafür musst du gemeinsam mit der Berufsbildnerin und der Berufsfachschule ein Gesuch stellen.

  • Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) erlässt für alle Berufe Verordnungen über die berufliche Grundbildung. Diese Verordnung enthält Angaben über die Bezeichnung, die Dauer, Inhalte und Lernziele der Ausbildung. Der Bildungsplan zur Verordnung regelt die praktische und theoretische Bildung mit allen Anforderungen für die Lehrabschlussprüfung. Die Organisationen der Arbeitswelt erarbeiten zusammen mit dem SBFI neue Verordnungen. Für dich ist die Verordnung wichtig, weil sie alle geltenden Bestimmungen zu deinem Beruf enthält. Sie wird dir zusammen mit dem Lehrvertrag übergeben.

  • In grossen Lehrbetrieben werden oft mehrere Lernende ausgebildet, manchmal auch in eigenen Lernzentren. Sie können Vertreterinnen der Lernenden wählen. Diese setzen sich in der Betriebs- oder Personalkommission und gegenüber der Betriebsleitung für die Interessen der Lernenden ein. Die Gewerkschaften fordern, dass in Betrieben mit einer bestimmten Anzahl Lernender für diese die Wahl einer Vertretung vorgeschrieben ist. In den Gesamtarbeitsverträgen (GAV) soll geregelt werden, welche Rechte sie haben.

  • Auch nach der Volljährigkeit mit 18 Jahren gilt das Berufsbildungsgesetz ohne Alterseinschränkungen bis zum Ende der Grundbildung und für die höhere Berufsbildung.

  • Vorlehren oder Vorkurse können als freiwillige Vorbereitung auf die Grundbildung gemacht werden. Sie sollen den Einstieg in die Grundbildung erleichtern. Nach Gesetz dürfen solche Berufsvorbereitungsangebote höchstens ein Jahr dauern und sind durch eine Auswertung zu beenden. In einigen Kantonen werden Berufsintegrationsprogramme, die auf einen bestimmten Beruf vorbereiten, als Vorlehren bezeichnet und im Lehrstellennachweis (Lena) ausgeschrieben.

  • Wenn du nach dem Lehrabschluss weiter im Betrieb bleibst, muss der Betrieb einen neuen Arbeitsvertrag mit dir abschliessen. Es ist nicht erlaubt, im Lehrvertrag festzulegen, dass du nach der Grundbildung im Lehrbetrieb weiter arbeiten musst. Wenn du interessiert bist zu bleiben, solltest du dich früh informieren, ob es geeignete Stellen hat und du dich bewerben musst. Die Stellensuche ist leichter, wenn du zusätzlich zur Grundbildung Berufserfahrung vorweisen kannst.

  • Nach dem Abschluss der Grundbildung ist es wichtig, sich laufend beruflich weiter zu bilden. Die Berufsfachschule ist verpflichtet, alle Lernenden darauf vorzubereiten. Mit dem Fähigkeitszeugnis und dem Berufsattest bestehen verschiedene Möglichkeiten der berufsorientierten Weiterbildung. Im Internet bietet die Weiterbildungsangebotsbörse den grössten Überblick, dazu Checklisten für die Auswahl und Links zu anderen Weiterbildungsportalen. Anbieterinnen von Weiterbildungen können das Schweizer Qualitätszertifikat eduQua erwerben. Dafür müssen sie Mindestanforderungen erfüllen. Für dich bedeutet das Zertifikat, dass die Schule regelmässig überprüft wird. Berufsorientierte und persönlichkeitsfördernde Weiterbildungen bieten auch die Gewerkschaften an, dies auch in einer eigenen Weiterbildungsschule (Movendo). Diese Kurse sind für Mitglieder zumeist gratis. Es kommt auch vor, dass in Gesamtarbeitsverträgen die berufliche Weiterbildung geregelt ist. Informier dich bei deiner Gewerkschaft.

  • Der Lehrbetrieb muss alle nötigen Arbeitsgeräte, z. B. Instrumente, Werkzeuge, Computer usw., für die Ausbildung kostenlos zur Verfügung stellen. Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn im Lehrvertrag vereinbart wird, dass du dein persönliches Werkzeug selber bezahlst und nach dem Lehrabschluss behalten kannst.

  • Die Wiederholung der Lehrabschlussprüfung (LAP) ist höchstens zweimal möglich. Du musst nur jene Teile wiederholen, die du nicht bestanden hast. In der Verordnung über die berufliche Grundbildung in deinem Beruf steht, ob für die Wiederholung besondere Anforderungen gelten. Der Lehrbetrieb ist nicht verpflichtet, Lernende bis zur Wiederholung der Prüfung zu behalten. Für die Verlängerung des Lehrvertrags muss ein Gesuch beim Berufsbildungsamt gestellt werden. Deshalb ist es wichtig, sich nach dem negativen Prüfungsbescheid sofort beim Berufsbildungsamt zu melden. Ist der Lehrbetrieb daran schuld, dass du die Prüfung wiederholen musst, kann er dazu verpflichtet werden, dir einen Schadenersatz zu bezahlen.

  • An der Berufsfachschule wird halbjährlich ein Zeugnis abgegeben. Es kann neben Noten auch andere Bewertungen enthalten. Diese müssen in der Verordnung zum Beruf erklärt sein. Wenn du mit Noten oder Bewertungen nicht einverstanden bist, gibt es Rekursmöglichkeiten. Ein Rekurs hat aber nur Chancen, wenn du Beweise vorlegen kannst, dass die Note nicht gerechtfertigt ist oder dass du ungleich behandelt worden bist. Informationen zum Rekursverfahren gibt das Schulsekretariat.

  • Als Zivilcourage wird der Mut bezeichnet, mit dem geltende oder eigene Wertvorstellungen verteidigt und durchgesetzt werden. Während der Ausbildung bist du im Betrieb und in der Berufsfachschule immer wieder mit Situationen konfrontiert, die Zivilcourage erfordern. Das Verhalten in einer solchen Situation kann man trainieren, denn Zivilcourage ist keine Eigenschaft sondern eine Haltung. Mit ihr werden grundlegende Wertvorstellungen wie Gewaltlosigkeit, Integrität der Person, rechtlich korrektes Handeln usw. geschützt. Zivilcourage ist in vielen alltäglichen Situationen gefragt: Gewalt, Rassismus, sexistische Belästigung, Mobbing und rechtswidriges Verhalten.

  • Wer aus Gewissensgründen keinen Militärdienst leisten will, muss ein Gesuch für den Zivildienststellen. Der Zivildienst dauert 1,5 mal so lang wie der Militärdienst. Normalerweise absolvieren «Zivis» den Dienst in der Pflege oder Sozialarbeit, im Umweltschutz oder bei einer humanitären Organisation. Für das Zivildienstgesuch gelten genaue Regelungen. Es muss innerhalb einer bestimmten Frist beim Regionalzentrum für deinen Wohnort eingereicht werden. Ein Antrag ist auch möglich, wenn du die RS oder einen Teil des Militärdienstes schon abgeschlossen hast.

  • In vielen Berufen kannst du nach dem Lehrabschluss mit einer kürzeren Zusatzausbildung ein weiteres Fähigkeitszeugnis in einem verwandten Beruf erwerben. Auch wer das Berufsattest mit guten Noten abschliesst, kann in die Grundbildung mit Fähigkeitszeugnis einsteigen, meistens ins zweite Lehrjahr. Auch wenn du die Zusatzgrundbildung im selben Lehrbetrieb machst, muss immer ein neuer Lehrvertrag abgeschlossen und vom kantonalen Berufsbildungsamt bewilligt werden.

  • Als Zwischenlösungen nach der Schule bzw. vor dem Beginn einer Grundbildung werden alle Angebote bezeichnet, die auf die Grundbildung vorbereiten. Das sind schulische Angebote wie das 10. Schuljahr oder das Werkjahr sowie Brückenangebote und Motivationssemester mit einem praktischen Teil. Alle diese Angebote, ausser die Motivationssemester, werden von den Kantonen geregelt. Weitere Zwischenlösungen sind Sprachaufenthalte und Au-Pair-Stellen oder auch privat organisierte Angebote, die Jugendlichen Erfahrungen in der Berufswelt ermöglichen. Informationen, auch zu den Kosten, geben die Berufsinformationszentren (BIZ).

  • Zwischenprüfungen sind besondere Prüfungen, die das Berufsbildungsamt anordnen kann, wenn ein Lehrbetrieb zum ersten Mal Lernende ausbildet. Die Noten oder Bewertungen von solchen Zwischenprüfungen dürfen bei der Lehrabschlussprüfung nicht angerechnet werden.